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Enttäuschender A380 : Flugzeugfonds droht Ungemach

Größer ist keines: A380-Flugzeug von Singapore Airlines in Frankfurt. Bild: Kerstin Papon

Deutsche Anleger haben über Flugzeugfonds viel Geld in den Airbus A380 gesteckt. Doch der ist ein Ladenhüter und so drohen ihnen jetzt Verluste.

          Kein anderes Zivilflugzeug der Welt ist größer und hat mehr Platz für Passagiere. Daher war die Begeisterung groß, als vor zehn Jahren der erste Airbus A380 an eine Fluggesellschaft ausgeliefert wurde und für Singapore Airlines von Oktober an im Linienbetrieb nach Frankfurt, London oder Sydney flog. Ein solches vierstrahliges Riesenflugzeug ist voll beladen maximal 570 Tonnen schwer und fasst bis zu 850 Menschen. Gedacht ist der Jet für Langstreckenflüge rund um den Globus

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Was nur wenige wissen: Finanziert haben diesen speziellen Airbus A380 vor allem deutsche Anleger über einen geschlossenen Fonds der Dr. Peters Group – auch das eine Premiere. Denn Singapore Airlines hat dieses Großraumflugzeug und später drei weitere dieses Typs an diese Fondsgesellschaft verkauft und anschließend wieder zurückgemietet.

          Auch andere Unternehmen der Branche finanzieren ihre häufig umfangreichen Flugzeugparks zum Teil über Leasingverträge, weil die Kosten der Jets immens sind. Emirates besitzt mit 96 Flugzeugen die größte A380-Flotte der Welt, weitere 46 sind noch bestellt. Die staatliche Fluggesellschaft des Emirats Dubai hat zudem unter anderem 150 zweistrahlige Boeing 777 und nutzt ebenfalls zur Finanzierung zum Teil auch das Leasing.

          7 Prozent bei hohen Risiken

          Anleger wiederum gehen mit geschlossen Fonds auf Flugzeuge, Schiffe oder Immobilien ein unternehmerisches Risiko ein. Die Erträge der Fonds speisen sich in der Regel aus den jährlichen Zahlungen und einem späteren Verkaufserlös. Riskant zudem: Es gibt zwar einen Zweitmarkt für die Anteile, aber keinen offiziellen Börsenhandel. Und so müssen Anleger zum Teil erhebliche Abschläge hinnehmen, wenn sie ihre Anteile vorzeitig verkaufen.

          Trotz dieser Risiken scheinen jährliche Renditen von vielleicht 7 Prozent vor allem in dem mageren Zinsumfeld verlockend. Deutsche Investoren haben laut Ratingagentur Scope mehr als 1,6 Milliarden Euro in A380-Flugzeugfonds angelegt. Insgesamt seien in den Jahren 2006 bis 2016 rund 70 Flugzeugfonds mit einem Eigenkapitalvolumen von rund 3,2 Milliarden Euro emittiert worden. Zusammen mit Fremdmitteln beliefe sich der Investitionsbetrag auf 7,6 Milliarden Euro.

          Harte Zeiten für Anleger im Anflug?

          Doch wo Licht ist, dort ist auch Schatten. Gerade derzeit offenbart sich der unternehmerische Charakter dieser Anlageform. Denn den Besitzern von Flugzeugfonds könnten herbe Verluste drohen. Die Krise vieler Schiffsfonds hat es vorgemacht. Seit Juni fliegt der erste A380 von Singapore Airlines nicht mehr, im Oktober kommt er zurück.

          Die Fluggesellschaft hat den Leasingvertrag nicht verlängert. Davon betroffen sind Anleger des Dr. Peters DS-Fonds Nr. 129, muss doch nun in dem schwierigen Marktumfeld ein zahlungskräftiger Abnehmer für das Flugzeug gefunden werden. Denkbar ist eine Neuvermietung, ein Verkauf oder die Verwertung der Einzelteile.

          Ernüchterung bei Fluggesellschaften

          Im Internet bieten schon findige Anwälte den Anlegern ihre Hilfe an. Eventuell kämen harte Zeiten auf die Anleger des Fonds zu, da die Nachfrage nach Großraumflugzeugen entgegen den vielversprechenden Prognosen deutlich gefallen sei, heißt es dort. Inzwischen ist bekannt, dass Singapore Airlines auch die Leasingverträge der drei anderen Flugzeuge nicht verlängert hat. Sie enden nach zehn Jahren Laufzeit im Januar, April und Juni 2018. Betroffen sind hiervon die DS-Fonds Nr. 130 und 131 (zwei Flugzeuge).

          Denn die anfängliche Begeisterung für das Riesenflugzeug ist der Ernüchterung gewichen. Viele Fluggesellschaften verwenden für ihre Langstreckenflüge inzwischen lieber moderne, zweistrahlige Jets wie Boeing 777 und den Dreamliner des amerikanischen Flugzeugherstellers Boeing oder den A350 aus dem Hause Airbus.

          Sie alle verbrauchen weniger Kerosin als ein vierstrahliges Flugzeug und können in der längeren Version bis zu 300 Passagiere transportieren. Diese Kapazität reicht für viele Gesellschaften, denn der Airbus A380 ist oft zu groß, um kostendeckend fliegen zu können. Daher wird er nur auf den besonders stark frequentierten Strecken eingesetzt – die Deutsche Lufthansa tut dies zum Beispiel von Frankfurt aus nach New York, Los Angeles oder Delhi.

          Die Folge: Es gibt kaum Neubestellungen für das Riesenflugzeug. Airbus leidet darunter und hat die Produktion schon extrem zurückgefahren. Zudem nimmt der Konzern weniger Geld ein. Aktuell beträgt der Listenpreis eines A380 rund 440 Millionen Dollar. Zwar gewähren die Hersteller grundsätzlich zweistellige Rabatte, um Käufer für ihre Flugzeuge zu gewinnen. Laut Branchenkennern soll es für das Riesenflugzeug aber Abschläge von mindestens 50 Prozent geben, wenn nicht sogar von 60 oder 70 Prozent. Für gängigere Ziviljets sind sie weitaus geringer. Um den Zweitmarkt ist es zudem schwierig bestellt.

          „Zahlungen wie im Prospekt beschrieben“

          Hier ruhen die Hoffnungen unter anderem auf Billigfluggesellschaften, die damit sehr viele Passagiere zu Schleuderpreisen an die großen Urlaubsziele dieser Welt fliegen könnten. Einen Gebrauchtmarkt für den A380 gebe es noch nicht, da die ersten Leasingverträge gerade erst ausliefen, heißt es von Scope. Bisher nutzten nur 13 Konzerne den Typ und hätten passendes Flugpersonal, was die Fungibilität des Flugzeugs einschränke.

          Dr. Peters allein hat acht Flugzeugfonds auf den A380 begeben: drei für Singapore Airlines und fünf für Air France. Insgesamt sind es 15 Fonds mit 19 Flugzeugen für 38.000 Anleger. Die Mindestanlage beträgt 20.000 Euro.

          Die bisherigen regelmäßigen Zahlungen über 7,25 Prozent im Jahr an die Besitzer des Fonds Nr. 129 erfolgten laut Dr. Peters wie im Emissionsprospekt beschrieben. Anleger hätten so schon 65 Prozent ihrer Einlagen zurückerhalten. Zum Verbleib des „9V-SKA“, das Kennzeichen dieses ersten A380, äußert sich der Fondsanbieter bislang nicht.

          Gerüchten zufolge soll HiFly zwei A380 von Singapore Airlines übernehmen. Die portugiesische Leasinggesellschaft vermietet Flugzeuge zum Beispiel dann, wenn es durch Ausfälle kurzfristige Engpässe gibt oder die Gesellschaften ihre angebotenen Flugstrecken mit der eigenen Flotte nicht bestreiten können. Ein HiFly-Kunde war schon Condor.

          Doch nicht allen Besitzern von Flugzeugfonds drohen offenbar Turbulenzen dieser Art. Die Leasingverträge von Dr. Peters mit Emirates über drei Boeing 777 wurden 2016 verlängert. Auch die Analysten von Scope zeigen sich einigermaßen zuversichtlich.

          Bislang habe der A380 die in ihn gesetzten Erwartungen zwar nicht erfüllen können. Und so sei es wahrscheinlich, dass die in den Prospekten versprochenen Renditeziele dieser Flugzeugfonds nicht erreicht würden. Berücksichtige man aber die Ausschüttungen, dürften Anleger auch mit niedrigen Verwertungserlösen voraussichtlich keine Verluste erleiden. Doch dies ist nur eine Einschätzung von vielen.

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