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Krypto-Währungen : Chaostage bei Bitcoin

  • Aktualisiert am

Mining ist nicht alles bei Bitcoins. Bild von der Technologiemesse Riga Comm in Lettland. Bild: Reuters

Der Bitcoin-Kurs erholt sich am Montag wieder von seinem Kurssturz um 26 Prozent in der vergangenen Woche. Die Entwicklungen aber nähren die grundsätzliche Skepsis gegenüber der Krypto-Währung.

          Die Turbulenzen am Bitcoin-Markt lassen nicht nach. Nachdem der Kurs der Cyberwährung schon in der vergangenen Woche um rund 1000 Dollar gefallen war, gab er am Wochenende abermals um rund 1000 Dollar nach. Am Montag hingegen erholte sich der Kurs bislang wieder um fast 900 Dollar.

          Beobachter ringen um Erklärungen. Mati Greenspan, leitender Marktanalyst der Social-Trading-Plattform eToro,macht dafür die Absage der sogenannten Erweiterung SegWit2x-Hard-Fork verantwortlich. Diese sollte das Netzwerk verbessern, denn Bitcoin stößt als Zahlungsmittel an Kapazitätsgrenzen.

          Während etwa der Kreditkartenanbieter Visa derzeit durchschnittlich 24.000 Transaktionen pro Sekunde verarbeite, stoße die Blockchain hinter Bitcoin schon bei einem Volumen von mehr als sieben Transaktionen pro Sekunde auf Dauer an ihre Grenzen, so Greenspan.

          Riss durch die Bitcoin-Community

          Doch die sogenannte „Hard Fork“, die die Größe jedes Blocks in der Blockchain von einem auf zwei Megabyte verdoppelt hätte, hätte im Wesentlichen eine neue Bitcoin geschaffen, zu der die Nutzer hätten wechseln müssen. Diese Spaltung aber wurde von den Bitcoin-Nutzern, die keine „Miner“ sind, also Bitcoin erzeugen, nicht mitgetragen.

          „Bei Bitcoin geht es vor allem um Konsens. So funktioniert das System. Will man eine Transaktion über Bitcoin durchführen, muss das Netzwerk diese erst im Konsens bestätigen. Die SegWit2x-Lösung ist niemals dafür entwickelt worden, das Netzwerk zu spalten.“

          BTC/USD

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          Mit dem deutlichen Preisverfall der Bitcoin ging eine vermehrte Schaffung von Bitcoin Cash einher. Diese Krypto-Währung war im August als Alternative zu Bitcoin geschaffen. Deren Preis stieg zwischenzeitlich von 637 auf 2.500 Dollar. Für die Miner war es eine Zeitlang profitabler, Bitcoin Cash zu ‚minen‘ als Bitcoin. Bitcoin Cash verfügt über eine höhere Blockgröße, kann achtmal so viel Daten verarbeiten wie Bitcoin, und ist deshalb preiswerter und schneller.

          Viele Miner seien noch nicht wieder zur klassischen Bitcoin zurück gewechselt und es bleibe weiter ein großer Rückstau unbestätigter Transaktionen in der Blockchain von 122.000 Transaktionen, so Greenspan. Bis dahin müssten Nutzer entweder eine höhere Gebühr bezahlen oder länger warten, bis ihre Transaktionen bestätigt würden. Zum Höhepunkt des Chaos habe die Anzahl unbearbeiteter Transaktionen sogar bei 176.000 gelegen. Lionel Laurent, Kolumnist der Nachrichtenagentur Bloomberg, spricht von Transaktionsgebühren von bis zu 10 Dollar.

          Weiterentwicklung = Spaltung?

          Die Erholung des Kurses führt Hussein Sayed, Chefvolkswirt des Währungshändlers Forextime darauf zurück, dass neue Investoren jeden Kurseinbruch zum Einstieg nutzten. Das sagte er Bloomberg. Mike Kayamori, Chef der Bitcoin-Börse Quoine hält Panik für unangebracht. Anleger sollten beide Währungen halten und das Ergebnis abwarten.

          Für Kolumnist Laurent zeigt die jüngste Entwickelung ein Grundproblem einer Krypto-Währung. Etwas so simples wie eine höhere Kapazität habe einen jahrelangen „Bürgerkrieg“ zwischen Entwicklern, Minern und „Predigern“ zur Folge. Die eine Seite werfe der anderen Nostalgie vor, diese wiederum vermute, die Gegenseite wolle eine Machtkonzentration bei reichen Beteiligten.

          Wenn jeder Versuch einer Weiterentwicklung zur Abspaltung einer neuen Währung führe, sei die Preisentwicklung nicht nachhaltig. Es zeige sich, dass Bitcoin nicht das neue Gold sei, sondern nur eine von vielen fehlerhaften Kryptowährungen und somit kein technologischer Sachwert, sondern eine als Sachwert behandelte Technologie.

          Börsenaufsicht warnt vor Krypto-Währungen

          Die europäische Börsenaufsicht ESMA warnt unterdessen, dass Anlegern vor der Emission von Krypto-Währungen. Hier drohten Totalverluste. Die Börsengänge solcher sogenannter „Initial Coin Offerings“ (ICOs) seien unreguliert, intransparent und technisch ungetestet.

          Mit Hilfe des Verkaufs sogenannter digitaler Token können Firmengründer binnen Stunden mehrere Millionen Euro an Geldern einsammeln. Investoren erhalten dabei digitale Währungen und wetten auf Kursgewinne, ohne dass sie irgendwelche materiellen Sicherheiten hätten.

          In Deutschland hat der Börsenneuling Naga Group für das vierte Quartal die Emission von bis zu 400 Millionen „Naga Coins“ angekündigt. 55 Prozent hiervon sollen Interessenten angeboten werden. Basis soll die schon existierende Ethereum-Blockchain sein. Der Verkauf der Coins (Token) soll bis zu 220 Millionen Dollar (rund 190 Millionen Euro) bringen. Die Naga Coins sollen mittels anderer Kryptowährungen erworben werden können.

          THE NAGA GROUP AG NA O.N.

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          Die Naga Group hatte 2016 bei einem Umsatz von zwei Millionen Euro einen Verlust von 3,9 Millionen Euro verbucht. Ihr Aktienkurs hat sich dagegen seit dem Börsengang Anfang Juni von 3 auf 13 Euro mehr als vervierfacht, so dass das Unternehmen mit 273 Millionen Euro bewertet wird. Rund ein Viertel der Aktien hält der chinesische Investor Fosun, nahezu ebenso viel die Zack Holding von Yasin Sebastian Qureshi, Gründer und Chef der Varengold Bank.

          Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte sich in der vergangenen Woche ähnlich geäußert. China hat ICOs sogar verboten.

          Quelle: mho.

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