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Kryptowährung : Die Bitcoin-Blase

Bitcoin: Seriöse Währungsalternative oder Modeerscheinung ohne dauerhaften Wert? Bild: Reuters

Anleger stecken derzeit Milliarden in die Digitalwährung Bitcoin. Sie treiben die Kurse in unheimliche Höhen. Droht damit demnächst eine riesige Blase zu platzen?

          Sobald die Rede auf Digitalwährungen wie Bitcoin kommt, dann geht die Erzählung unter Finanzexperten oft so: Eine solche Kryptowährung, die aus einer verschlüsselten Zahlenreihe besteht, die nicht alle wichtigen Funktionen des Geldes erfüllt und die kaum jemand versteht, werde eher früher als später verschwinden. Überleben wird lediglich die hinter Bitcoin stehende Technologie, die Datenkette Blockchain. Denn sie taugt dazu, viele Prozesse einfacher, schneller und sicherer zu machen und somit die gesamte Finanzbranche nachhaltig zu verändern. Inzwischen wird allerdings immer deutlicher, dass diese in der Vergangenheit marktgängige Einschätzung nur die halbe Wahrheit widerspiegelt. Denn allen Mahnungen zum Trotz ist Bitcoin nicht totzukriegen. Im Gegenteil. Im neunten Jahr ihres Bestehens rückt die Digitalwährung immer stärker ins Blickfeld von Investoren.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach seiner Einführung 2008 wurde Bitcoin, der jeweils aus einem Code von 51 Zeichen besteht und von privaten Nutzern und Computernetzwerken in aller Welt geschaffen wird, zunächst nur von Technikfreaks, Anarchisten und Libertären begeistert begrüßt. Sie lehnen das von Zentralbanken geschöpfte Geld und Währungsmanipulationen von oben herab ab. Inzwischen lassen sich jedoch massenhaft Leute dazu hinreißen, in der Digitalwährung eine Geldanlage der Zukunft zu sehen. Viele derer, die seit Monaten wie wild auf den Bitcoin setzen und seinen Wert in ungeahnte Höhen treiben, verstehen allerdings bestenfalls in Ansätzen, was die Währung ausmacht und wie sie funktioniert. So etwas kann man einen Hype nennen oder eine Blase. Und man kann sich fragen: Sind diese Investoren irre geworden?

          Wertzuwachs um 600 Prozent

          Während in der Welt echter Devisen darüber diskutiert wird, warum der Euro in diesem Jahr gegenüber dem Dollar um 15 Prozent zugelegt hat, staunt in der digitalen Währungswelt kaum noch jemand, dass Bitcoin innerhalb eines Jahres um sage und schreibe 600 Prozent an Wert gewonnen hat. Jüngst ist ein Bitcoin erstmals mehr als 5000 Dollar wert gewesen und damit 16-mal so viel wie Anfang 2015. Und weil Bitcoin eine Art digitale Leitwährung ist, wurden ähnliche Währungen wie Ether und Ripple mitgezogen. Insgesamt 15 Milliarden Dollar haben Anleger allein in der vorvergangenen Woche in die zehn größten Kryptowährungen investiert.

          Und auch die Aktienkurse von Unternehmen, die mit Digitalwährungen ihr Geld verdienen, schießen nach oben. So hat die Aktie der Bitcoin Group SE, die in Deutschland die einzige regulierte Bitcoin-Börse betreibt, allein in den vergangenen drei Monaten mehr als 600 Prozent gewonnen. An manchen Tagen der zurückliegenden Woche war sie an deutschen Börsen sogar der nach Umsatz am meisten gehandelte Wert – vor gestandenen Dax-Unternehmen wie Daimler, Deutsche Bank und Siemens. Aktuell kommt die Bitcoin Group, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von gerade einmal 1,13 Millionen Euro auswies, auf einen Börsenwert von rund 260 Millionen Euro. Solche Bewegungen und Bewertungen wie derzeit rund um den Bitcoin erinnern verdächtig an den Neuen Markt, der Anleger um die Jahrtausendwende erst zu kühnen Träumen verleitete und dann mit einem bösen Erwachen endete.

          An Mahnungen vor einer Bitcoin-Blase mangelt es nicht: Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, die den Handel mit Kryptowährungen dulden, warnen ebenso vor dem „Spekulationsobjekt“ wie die Bundesbank und hochdekorierte Ökonomen, denen Bitcoin auch nicht geheuer ist. Als „Warner Brothers“ wird die Allianz der Skeptiker von der Bitcoin-Gemeinde verspottet. Doch so einfach lassen sich Vergleiche zwischen dem irrwitzigen Bitcoin-Boom und Finanzblasen wie der Tulpenmanie 1637 und der Internetblase 1999 nicht abtun.

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