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Hohe Abschreibungen : Bastei-Lübbe gerät immer mehr unter Druck

Ken Follett gehört zu den Erfolgsautoren von Bastei-Lübbe. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Verlag Bastei-Lübbe hat zwar Erfolgsautoren. Doch am Donnerstag fällt der Aktienkurs um drastische 24 Prozent. Grund sind abermals hohe Abschreibungen.

          Dan Brown war in den vergangenen Jahren ein Segen für den Verlag Bastei-Lübbe. In den 2000er Jahren sorgten vor allem „Illuminati“ und „Sakrileg“ für einen hohen Umsatz und Ertrag.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dennoch erkannte der Verlag die Zeichen der Zeit, namentlich dass er sein Digitalgeschäft würde ausbauen müssen. Dafür versorgte man sich zunächst mit Kapital und kam damit am Markt recht gut an. An der 2011 begebenen und 2016 getilgten Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro gab es kaum Zweifel.

          Der Börsengang gelang 2013 dagegen eher mühselig. 9 bis 11 Euro hatte Bastei-Lübbe für jede von 5,3 Millionen Aktien ursprünglich haben wollen. Am Ende bekam er 7,50 Euro für vier Millionen Aktien und statt brutto 58 nur 30 Millionen Euro. Aber mit diesem begrenzten Erfolg war der Verlag beileibe nicht alleine.

          Weitere umfangreiche Abschreibungen

          Waren also die Vorschusslorbeeren überschaubar, so mehrten sich alsbald die weniger guten Nachrichten. So begann ab etwa 2014 der Konzernumsatz tendenziell zu schrumpfen. Ein Umstand, der im Geschäftsjahr 2016/2017 durch die Übernahme des Dienstleisters Buchpartner GmbH verdeckt wurde.

          Just dieser macht jetzt Probleme. Bastei-Lübbe sieht sich gezwungen aufgrund der aktuellen Geschäftsentwicklung sowie des weiteren Ausblicks außerplanmäßige Abschreibungen von insgesamt 7 Millionen Euro vorzunehmen. Das betrifft vor allem Buchpartner, aber auch - und das ist mit Blick auf die Zukunftsstrategie besonders unangenehm -  bei den digitalen Tochtergesellschaften Bastei Media, Bookrix und Beam Shop. Schon im November hatte der Verlag auf seine Streaming-Plattform Oolipo 3 Millionen Euro abschreiben müssen, weil diese „die erwarteten und notwendigen Nutzerzahlen bislang bei Weitem nicht erreicht“ habe.

          Die Kursreaktion ist drastisch. Um 24 Prozent fällt der Kurs auf nur 3 Euro. Vom Niveau des Ausgabepreises hatte sich die Notierung schon Mitte 2016 entfernt und war seinerzeit auf ein Niveau zwischen 5 und 6 Euro gefallen. Damals hatten der Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Wehrle und Aufsichtsratsmitglied Michael Nelles ihren Rücktritt erklärt. Begründung war, dass man den Eindruck gewonnen habe, „dass die Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Wahrnehmung des Mandats nicht mehr gegeben sei“.

          Bastei-Lübbe hatte seinerzeit den Konzernabschluss korrigieren müssen, weil Übernahmegeschäfte nicht korrekt behandelt worden waren. Für die Anleger dürfte es langsam genug sein. Seit November summieren sich die Abschreibungen mittlerweile auf gut 10 Prozent der Bilanzsumme.

          BASTEI LUEBBE AG O.N.

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          Dass die Abschreibungen nicht liquiditätswirksam sind, ist ein schwacher Trost. Weil zudem auch noch weitere 4 bis 5 Millionen Euro auf Autorenhonorare abgeschrieben werden müssen, wird der Reingewinn in den ersten neuen Monaten des laufenden Geschäftsjahres auf rund 5 von 9,3 Millionen Euro sinken. Das Betriebsergebnis, das in der Vorjahresperiode noch 5,7 Millionen Euro betragen hatte, wird mit einem Verlust von 9 Millionen wohl tiefrot werden.

          Für das laufende Geschäftsjahr senkt der Verlag die Umsatzprognose von 160 auf rund 140 Millionen Euro. Das bedeutet einen merklichen Rückgang statt eines deutlichen Anstiegs. Der operative Gewinn dürfte nur wenig mehr als ein Drittel der Planung erreichen. Diese sei zu ehrgeizig gewesen, merkt Bastei-Lübbe selbstkritisch an.

          Grund ist vor allem Buchpartner, das einen signifikanten Umsatzrückgang von 32,5 auf 26 Millionen Euro verbucht habe. Allerdings sei der Markt für Belletristik auch allgemein schwach gewesen.

          Effizienzprogramm gestartet

          Bastei-Lübbe versucht den negativen Eindruck abzumildern. Das Kerngeschäft Buchverlage, Print und Digital habe sich in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017/2018 deutlich positiv entwickelt. Im gedruckten Bereich seien die Umsätze um 15, im Digitalsegment um 20 Prozent gestiegen.

          Hilfreich seien hier abermals Dan Brown und Ken Follett gewesen, deren Bücher Platz eins und zwei im Jahres-Umsatzranking des deutschen Buchmarkts belegt hätten. Allerdings, räumt Vorstandschef Carel Halff ein, habe man dennoch die eigenen ambitionierten Planungen nicht ganz getroffen.

          Der Verlag reagiert auf die jetzige Situation. Zum einen habe man Ende Januar ein umfassendes Programm zur Effizienzsteigerung gestartet. In den nächsten neun Monaten sollen Verlagsprogramme, Marketing,  Vertrieb und Prozesse umfassend überprüft werden.

          Zum anderen soll der Wert vorausgezahlter Autorenhonorare nicht mehr titel-individuell, sondern . schematisch und restriktiver nach einer gemeinsam mit dem Wirtschaftsprüfer erarbeiteten Methode eingeschätzt werden.

          Angesichts schrumpfender Umsätze und nunmehr wiederholter Abschreibungen wird es für den Verlag nicht leicht werden, das Vertrauen der Anleger wieder zu gewinnen. Es wird höchste Zeit für gute Nachrichten.

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