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Banken befürchten Nachteile : Im Dschungel der Bankanleihen

Wo das Geld sitzt: Banken am Finanzplatz Frankfurt Bild: Getty

Der Wirrwarr um Schuldtitel von Kreditinstituten nimmt weiter zu. Der deutsche Gesetzgeber hat den Weg für einen neuen Typ frei gemacht.

          Bankanleihe ist nicht gleich Bankanleihe. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) nur jene Schuldtitel von Kreditinstituten gekauft, die mit einem Pool an Hypotheken- oder Staatskrediten unterlegt sind. Das Risiko dieser Covered Bonds, zu denen der deutsche Pfandbrief gehört, bezieht sich hauptsächlich auf den Deckungsstock an Krediten, der gesetzlichen Vorgaben unterliegt. Die Bank als Emittent ist nur von nachgelagerter Bedeutung. Das ist bei den gewöhnlichen Bankanleihen, den sogenannten vorrangig unbesicherten Anleihen (senior unsecured bonds), ganz anders. Hier orientiert sich die Rendite einzig an der Kreditwürdigkeit der Bank. Noch entscheidender sind die Zahlungskraft und Profitabilität für nachrangige Anleihen, die in einer Insolvenz sofort nach dem Eigenkapital (zum Beispiel Aktien) haften. Sie weisen wegen des höheren Risikos eine höhere Verzinsung auf, die ähnlich einer Dividende auch an die Gewinnausschüttung geknüpft sein kann.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese Titel meidet die EZB in ihrem Anleihekaufprogramm, weil sie hier Interessenskonflikte mit ihren Aufgaben in der Bankenaufsicht befürchtet. Allerdings hatten Banken, die Pfandbriefe begeben haben, mit Erstaunen registriert, wie unverblümt die EZB und die für sie kaufenden Notenbanken ihre Erwartungen bezüglich der Zuteilung kommuniziert haben. Die Verantwortlichen einer Bank können dann die Wünsche der EZB erfüllen und damit andere Investoren vernachlässigen, um sich Ärger mit der Aufsicht zu ersparen.

          Der neuen Aufsichtswelt ist es auch zu verdanken, dass der Dschungel an Bankanleihen in Zukunft für Privatanleger noch schwerer zu durchdringen sein wird. Soeben hat der Bundesrat den Weg frei gemacht für eine neue Anleiheklasse, mit der Banken ihr Haftungskapital in einer Schieflage stärken können. Deutschland hatte hier vor Jahren einen Sonderweg eingeschlagen und alle vorrangigen Bankanleihen als haftbar in einer Schieflage, neudeutsch bail-in-fähig, erklärt. Das hatte den Vorteil, dass die Banken, insbesondere die Deutsche Bank, keine neuen Anleihen begeben mussten, um das erforderliche Haftungskapital vorzuweisen.

          Erste Emissionen schon für Juli erwartet

          Die Deutsche Bank hat allein 62 Milliarden Euro über Vorrangsanleihen aufgenommen, die auch weiterhin zu ihrem Haftungskapital von 124 Milliarden Euro zählen. Damit lag sie Ende März um 40 Milliarden über den aufsichtsrechtlichen Anforderungen an das Bail-in-Kapital. „Bei anderen deutschen Banken dürfte es, wenn auch in etwas geringerem Maße, ähnlich aussehen“, erwartet DZ-Bank-Analyst Oliver Piquardt. Denn die alte Regel gilt in Deutschland auch weiterhin, nur können die Banken ab dem 23. Juli diese durch die Emission der Anleihen neuen Typs ersetzen.

          In Frankreich und anderen europäischen Ländern war dagegen die rückwirkende Schlechterstellung der Gläubiger gesetzlich nicht möglich. Dort haben die Banken wie BNP Paribas, Crédit Agricole, Société Générale oder Groupe BPCE schon früher damit begonnen, Anleihen zu begeben, die zwischen nachrangigen Titeln und klassischen Vorranganleihen liegen. Am Markt wurden die Titel dann „sub senior“ getauft, was die komplizierte Haftungsstruktur widerspiegeln sollte. In Deutschland befürchteten Banken Nachteile in der Finanzierung, wenn ihre Anleihen künftig ein höheres Risiko aufweisen als die der Titel aus den europäischen Nachbarländern. Denn die haftenden Anleihen werden ab dem Jahresende 2018 nicht mehr von der EZB als Pfand in Finanzierungsgeschäften akzeptiert. Das bedeutet, dass sie im Vergleich zu den nicht haftenden Anleihen französischer Banken teurer geworden wären. Nun können deutsche Banken ebenfalls Titel für das Haftungskapital und gleichzeitig günstigere Vorranganleihen begeben.

          Der Risikounterschied zeigt sich auch in den Ratings der verschiedenen Anleihen: Die alten Vorranganleihen der Deutschen Bank werden von Standard&Poor’s mit „BBB–“ nur eine Stufe über Ramschniveau bewertet. Die gleiche Note hätten die neuen, zum Haftungskapital zählenden Titel, für die sich der Begriff „senior nonpreferred bonds“ durchzusetzen scheint. Dagegen weisen die „senior preferred bonds“, die erst danach haften, mit „BBB+“ eine um zwei Stufen bessere Note auf. DZ-Bank-Analyst Piquardt erwartet im Juli schon die ersten Emissionen deutscher Banken von „senior preferred bonds“.

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