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Mehr als 2 Billionen Dollar : Die Reichen sind nochmal reicher geworden

Ein paar Millionen auf dem Konto können das Leben angenehmer machen (Symbolfoto) Bild: Getty

Jeder zweite Dollar Vermögen gehört mittlerweile den Millionären. Dass die Reichen immer reicher werden, hat einfache Gründe.

          Wenn große Fondsgesellschaften und Beratungsunternehmen regelmäßig Berichte über die globale Vermögensentwicklung vorlegen, sind diese immer ein Politikum. Denn sie liefern Daten über die Reichtumsverteilung auf der Welt, die aus anderen Quellen nicht so leicht abzuleiten sind. Somit entsteht eine gewisse Transparenz darüber, wie viel die Reichen besitzen und wie wenig die Armen. So heißt es im „Global Wealth Report“ der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG), der am Donnerstag veröffentlicht wurde: „Der Anteil des globalen Vermögens, der von Millionären gehalten wird, ist im Jahr 2017 auf 50 Prozent gestiegen – gegenüber 45 Prozent im Jahr 2012, angetrieben hauptsächlich von den sehr vermögenden Individuen, die in Kapitalanlagen mit höheren Ertragsaussichten investieren.“

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aus den Zahlen, die BCG regelmäßig von Vermögensverwaltern zusammenträgt und die nicht das Immobilienvermögen einbeziehen, lassen sich verschiedene Trends lesen. Global ist das private Finanzvermögen im vergangenen Jahr währungsbereinigt um 7 Prozent gestiegen und hat damit nach der BCG-Messung mit 201,9 Billionen Dollar erstmals die Schwelle von 200 Billionen Dollar überschritten. Die Wachstumsrate fällt noch höher aus, wenn sie nicht währungsbereinigt kalkuliert ist. Dann liegt sie sogar bei 12 Prozent. Das liegt daran, dass der Dollar im Laufe des Jahres 2017 gegenüber fast allen Währungen abgewertet hat.

          Nur 27 Prozent liegen in Einlagen und Bargeld

          Schaut man genauer auf die Zahlen, dann lässt sich ein zum Teil erheblicher Unterschied zwischen dem Vermögenszuwachs mit und ohne Währungseffekt beobachten. In Westeuropa stehen 15 Prozent Zuwachs einem Anstieg um nur 3 Prozent gegenüber, wenn man die Dollarschwäche ausklammert. In Asien fällt der Unterschied mit 19 Prozent gegenüber 12 Prozent geringer aus. Und in Lateinamerika beträgt die Zuwachsrate in beiden Varianten 11 Prozent. Verschiedene Währungen sind an den Dollar gekoppelt, so dass kein Vermögender dort vom Wertverlust der Weltleitwährung profitieren konnte.

          Diese beachtlichen Unterschiede in der Wachstumsrate weisen aber auch einmal mehr auf die Struktur der Privatvermögen hin. In Westeuropa ist der Anteil des Vermögens, der in Investmentfonds oder direkt in Aktien angelegt ist, in jeder Vermögensgruppe niedriger als in den Vereinigten Staaten und tendenziell auch in Asien. In Deutschland teilt sich das Vermögen wie folgt auf: Durchschnittlich werden 36Prozent als Spareinlage oder Bargeld gehalten, nur 19 Prozent stecken in Aktien oder Investmentfonds.

          Global ist der Anteil der renditeträchtigeren Anlageformen deutlich höher: 35 Prozent liegen in Aktien und Fonds, nur 27 Prozent dagegen liegen in Einlagen und Bargeld. Das Finanzvermögen der Deutschen ist somit im vergangenen Jahr nur um 4 Prozent auf 7,5 Billionen Dollar gewachsen. Die starke Phase an den Börsen ist an Vermögenden hierzulande eher vorbeigegangen.

          In den vergangenen Jahren, die auch gleichzeitig gute Börsenjahre waren, ist der Anteil der Anlagen in Aktien und Investmentfonds global um 6 Prozentpunkte gestiegen. Das hatte positive Effekte auf die Vermögensentwicklung der Wohlhabenden: Der Wert von Anlagen in Investmentfonds stieg um 23 Prozent, in Aktien um 18 Prozent. Dagegen hat der andauernde Niedrigzins sogar zur Vermögensvernichtung bei Anlagen in Anleihen geführt: Ihr Wert fiel um 7 Prozent.

          Deutschland steht an siebter Stelle

          Nordamerika und Westeuropa vereinigen 65 Prozent des globalen Vermögens auf sich. Die größte Zahl an Millionären gibt es in den Vereinigten Staaten, danach folgen China, Japan, Großbritannien und die Schweiz. Deutschland steht an siebter Stelle. Die Haushalte, die über ein Vermögen von mehr als 20 Millionen Dollar verfügen, kommen zusammen auf ein Vermögen von 26,4 Billionen Dollar. Davon besitzen Amerikaner 8 Billionen Dollar, Chinesen 3,7 Billionen, Deutsche 1,5 Billionen, wohlhabende Einwohner von Hongkong, Frankreich und Japan kommen jeweils auf 900 Milliarden Dollar. Auch hier ist die Verteilung sehr unterschiedlich. In Hongkong liegt der Anteil dieser Superreichen am Gesamtvermögen bei 47 Prozent, in Japan dagegen beträgt er nur 8 Prozent.

          Dass Risiko und Rendite zusammengehören, zeigt sich nicht nur an den Investitionserfolgen der Vermögenden mit verschiedenen Kapitalanlageklassen. Auch für das Entstehen des Vermögens sind oft wirtschaftliche Risiken eingegangen worden (selbst dann, wenn das Vermögen einer Erbschaft entspringt und nun weiter in einem Unternehmen gehalten wird). Boston Consulting erwartet in den kommenden Jahren, dass Vermögensverwalter zunehmend Vermögen von Unternehmern umschichten dürften. In den Vereinigten Staaten liege das Potential bei 11,6Billionen Dollar, in Frankreich bei 1,1 Billionen und in Italien bei 925 Milliarden. Deutschland liegt hier mit 374 Milliarden Dollar etwas weiter hinten.

          Auch wenn die Öffentlichkeit stark auf die Verteilungsaspekte achtet, geht es der Beratungsgesellschaft um etwas anderes: Sie weist den Vermögensverwaltern nach, dass sie einen immer bedeutenderen Teil des Vermögens an sich vorbeiziehen lassen. Das verwaltete Vermögen ist global um 9 Prozent gestiegen, die Erträge konnten mit knapp 6 Prozent allerdings nicht mithalten. Die Klientel sei anspruchsvoll. 70 Prozent der vermögenden Kunden sähen einen stark personalisierten Service als wichtigsten Faktor dafür an, ob sie bei einem Vermögensverwalter bleiben oder nicht.

          Der Report zeigt am Beispiel Chinas, wie junge Akteure wie Lufax neue Technologien nutzen, um mit Big Data und Künstlicher Intelligenz das Risikoprofil von Investoren genauer zu bestimmen. China Merchants Bank wird als Beispiel angeführt, wie sich mobile Robo-Advisor mit Vermögensmanagement und selbstlernenden Algorithmen verbinden lassen. Der Kuchen für Vermögensverwalter wächst, die Aufgabe wird schwieriger.

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