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Analyse : Programmiertes Scheitern mit Rentenfonds

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Bild: F.A.Z.

Als „geborene Versager“ bezeichnet das Fondsanalysehaus Morningstar viele Rentenfonds. Vor allem nach Kosten schneidet der typische Fonds schlechter ab als der Markt. Doch billige ETFs seien nicht immer die bessere Alternative.

          Aktiv gemanagte Fonds kosten Geld: Ausgabeaufschläge, Depotbankgebühren, Managementgebühren und am Ende vielleicht noch eine erfolgsabhängige Vergütung. Ist die Rendite vor Gebühren nicht überschäumend, kann es vorkommen, dass unter dem Strich nichts oder noch weniger bleibt. Das gilt daher für Fonds auf Anleihen mehr als für Aktienfonds.

          Die Suche nach erfolgreichen Rentenfonds sei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen nicht unähnlich, schreiben jetzt die Fonds-Analysten des Dienstleisters Morningstar. In einer Langfristuntersuchung kamen sie zu dem Ergebnis, dass aktive Rentenfondsmanager den Vergleichsindex nach Kosten nur mit Mühe zu übertreffen vermögen.

          Untersucht wurden zwischen Januar 2002 und Oktober 2017 die 25 wichtigsten Rentenfonds-Kategorien untersucht. Demnach ist es dem typischen aktiven Fondsmanager etwa bei Fonds auf britische Pfund, global anlegenden Rentenfonds und Unternehmensanleihen in Euro oder aus Schwellenländern gelungen, vor Kosten noch besser abzuschneiden als der Markt. Nach den ergibt sich aber ein deutlich anderes Bild.

          In anderen Fällen braucht man gar nicht erst die Gebühren einzurechnen, um schlechter abzuschneiden als der Markt. Von „programmierten Scheitern“ spricht Morningstar. Das sei der Fall bei Fonds, die auf diversifizierten Rentenmärkten investierten, aber auch bei Schwellenländer-Anleihen. In dieser, immer wieder empfohlenen Kategorie, schnitten die Fonds am schlechtesten ab: Schon vor Kosten lagen die Ergebnisse um mehr als einem Prozentpunkt unter dem Vergleichsindex – nach Kosten sind es schon drei Prozentpunkte. In nicht einer Kategorie lagen die Ergebnisse des typischen Fonds nach Kosten über dem Vergleichsindex.

          Der wichtigste Grund für die chronische Minderleistung seien die Gebühren, doch gebe es auch andere, etwa die hohe Fondssterblichkeit. Die Erfolgsquote fällt unter Einbeziehung liquidierter Fonds in den meisten Kategorien um ein bis zwei Prozentpunkte.

          Allerdings warnt Morningstar davor, generell kostengünstigen passiven Fonds (ETFs) den Vorzug zu geben. Das sei nur in Kategorien empfehlenswert, wenn die Ergebnisse aktiver Fonds sich wenig voneinander unterschieden und typischerweise dicht am Vergleichsindex lägen, etwa bei Staatsanleihen aus dem Euroraum oder Renten in Dollar.

          Denn eine breitere Streuung der Ergebnisse zeigt ja, dass aktives Management erfolgreich sein kann, so etwa bei Unternehmensanleihen in Dollar oder Pfund. Allerdings sei dann die Herausforderung, einen entsprechend guten Fonds zu finden.

          In volatilen Märkten mit hohen Transaktionskosten seien ETFs auch nicht die bessere Lösung. Denn die hohen Transaktionskosten schlügen bei diesen besonders zu Buche. Auch hier komme es wieder auf die Wahl des richtigen Fonds an, wobei die Analysten empfehlen, sich dabei auch auf die Gebühren zu fokussieren.

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