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Ende der Trump-Rallye? : An der Wall Street macht sich Panik breit

Der Händler Tommy Kalikas auf dem Parkett der New York Stock Exchange in New York Bild: dpa

Der Dow Jones verliert bis zu sechs Prozent, der Dax fällt auf das niedrigste Niveau seit September, und auch in Tokio brechen die Kurse ein. Sind die guten Zeiten an den Börsen vorbei?

          Am Montagabend hat sich an den Aktienmärkten in den Vereinigten Staaten Panik breit gemacht. Der Dow Jones verlor zeitweise bis zu 6,25 Prozent und notierte auf nur noch 23.924 Punkten. Damit verlor er an nur einem einzigen Handelstag bis zu 1600 Punkte. Seine seit Jahresbeginn eingefahrenen Gewinne gab er damit komplett wieder ab. Noch am 26. Januar notierte er auf 26.616 Punkten auf einem Rekordhoch. Bis zum Handelsschluss beruhigte sich der Kurs wieder auf ein Minus von rund 4 Prozent, der Index ging mit 24.548 Punkten aus dem Handel. Das war der stärkste Einbruch seit dem Jahr 2015. Unter Börsianern war von einem regelrechten „Ausverkauf“ die Rede. Es gebe Befürchtungen, die steigenden Zinsen vor allem in Amerika könnten Aktien im Verhältnis zu Anleihen unattraktiver machen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel
          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Weiße Haus zeigte sich trotz des Kurssturzes an der Wall Street zuversichtlich über die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten. Der Fokus von Präsident Donald Trump liege auf den langfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten, die weiterhin „außergewöhnlich stark“ seien, erklärte seine Sprecherin Sarah Sanders. Dazu gehörten etwa die „historisch niedrige“ Arbeitslosigkeit sowie steigende Löhne, fügte sie hinzu. Trump hatte die Rekorde am Aktienmarkt in den vergangenen Monaten wiederholt als Bestätigung für seinen wirtschaftspolitischen Kurs herangezogen. So erklärte er in seiner Rede zur Lage der Nation in der vergangenen Woche, der Aktienmarkt habe seit seiner Wahl einen Rekord nach dem anderen durchbrochen.

          Verluste auch in Tokio und Frankfurt

          Der Kurssturz an der Wall Street zog Stunden später auch die asiatische Leitbörse in Tokio schwer in Mitleidenschaft. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte sackte am Dienstag in den ersten 15 Handelsminuten um fast 1000 Punkte ab. Zum Handelsauftakt reagierte er mit einem Abschlag 4,03 Prozent auf 21.767,80 Punkte. Der breit gefasste Topix verlor 4,05 Prozent beim Stand von 1749,93 Punkten.

          In Deutschland fielen die Kursausschläge nicht ganz so deutlich aus. Der Dax fiel am Montag um bis zu 1,3 Prozent auf 12.622 Punkte – das niedrigste Niveau seit September. Zuletzt verringerte sich das Minus auf 0,8 Prozent. Damit hat der Aktienindex seit seinem Rekordhoch von 13.597 Punkten vor zwei Wochen bis zu 1000 Punkte oder 7 Prozent an Wert verloren. Der Euro zeigt sich mit einem Kurs von gut 1,24 Dollar weiterhin stark. An den Anleihemärkten sind die Zinsen spürbar gestiegen.

          Die Nervosität an den Börsen steigt im Sekundentakt: Der amerikanische Volatilitätsindex Vix, der die Nervosität an den Märkten widerspiegelt, verdreifachte sich binnen Augenblicken auf den höchsten Stand seit August 2015. Und auch sein deutsches Pendant, der V-Dax, stieg auf den höchsten Stand seit April 2017. Müssen sich Anleger in Zeiten steigender Zinsen darauf einstellen, dass es an den Börsen ungemütlicher wird? So sehr Deutschlands Bankenwelt höhere Zinsen gefordert hatte, so sehr ist nun zumindest in den Aktienabteilungen von „Zinssorgen“ die Rede.

          Wie geht's weiter an den Aktienmärkten?

          Deutschlands Fondsbranche rechnet trotz der Kursverluste nicht mit einer Umschichtung von Aktien in Anleihen in großem Stil. „So etwas sollte man nicht an kurzfristigen Trends festmachen“, sagte Tobias Pross, Präsident des Branchenverbandes BVI und Mitglied der Geschäftsführung von Allianz Global Investors am Montag in Frankfurt. Der BVI berichtete von einem hervorragenden Jahr 2017, dem zweitbesten nach 2015, und einem Rekordvolumen in Fonds von 3 Billionen Euro in Deutschland. Auch der Januar habe sich gut entwickelt, von Rückgängen habe man nichts gehört. Das Umfeld spräche jenseits aller Unwägbarkeiten dafür, dass auch 2018 ein gutes Börsenjahr werde.

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