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Aktienkurs fällt : Wie riskant ist die Bayer-Aktie?

  • -Aktualisiert am

Bei den Bayer-Aktionären ist die Furcht vor unwägbaren Milliardenrisiken wegen der Glyphosat-Klagen in Amerika wieder hochgekocht. Bild: dpa

Im Glyphosat-Prozess gegen die Bayer-Tochtergesellschaft Monsanto hat eine Richterin das Urteil aufrechterhalten, aber die Strafzahlung drastisch reduziert. Was bedeutet das für den Aktienkurs?

          Die amerikanische Tochtergesellschaft Monsanto des Dax-Konzerns Bayer steht wegen ihrer umstrittenen Unkrautvernichter vor einer Klagewelle und der Aktienkurs entsprechend unter Druck. Es kam für viele Marktteilnehmer überraschend, dass im Glyphosat-Prozess gegen Monsanto ein amerikanisches Gericht das Urteil gegen den Herbizid-Hersteller nun doch bestätigte, gleichzeitig aber die Millionen-Strafzahlung gegen das Unternehmen drastisch reduzierte.

          Noch am 10. Oktober hatte Richterin Suzanne Bolanos signalisiert, den Fall im Sinne von Monsanto neu aufrollen zu lassen. Die Börse feierte dies vor knapp zwei Wochen als Etappensieg, und der Kurs der Bayer-Aktie kletterte gegen den Börsentrend zeitweise über 6,5 Prozent. Doch wie gewonnen, so zerronnen: Am Dienstag beträgt das Minus 10 Prozent.

          Denn die Entscheidung des Gerichts, nun doch die Entscheidung vom August, wonach Monsanto-Mittel wie Roundup verantwortlich für den Krebs eines Klägers seien, aufrecht zu erhalten, ist eine große Schlappe für Bayer. Trösten kann sich der Konzern nur damit, dass die Strafsumme mit 78 Millionen Dollar niedriger ausgefallen ist. Ein schwacher Trost angesichts weiterer 8700 Klagen.

          BAYER

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          Bayer macht nun das, was man von einem großen Konzern in dieser Situation erwarten kann: Der Konzern bezeichnete die Senkung des Schadenersatzes als „Schritt in die richtige Richtung“ und plant, Berufung einzulegen. Bayer führt wissenschaftliche Erkenntnisse, jahrzehntelange Erfahrungen sowie Einschätzungen von Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt zugunsten von Glyphosat an, dass zu den am meisten eingesetzten Unkrautvernichtern in der Landwirtschaft zählt.

          Das Gros der Analysten sieht in der Kehrtwende der Richterin einen herben Rückschlag für Bayer. Die Reaktion an der Börse ist nur allzu verständlich.

          Weniger als am Dienstag hat die Bayer-Aktie zuletzt Ende 2012 gekostet. Monsanto weist indes die Vorwürfe zurück und auch Bayer betonte, Glyphosat sei sicher - doch mit diesen Beteuerungen lässt sich an der Börse nur bedingt Erfolg erzielen.

          Zahl der Klagen ein großes Risiko

          Ein Aktienhändler an der Frankfurter Börse bezeichnete das Urteil als besorgniserregend: „Bayer hat schon Monsanto für mehr als 60 Milliarden Euro nicht günstig gekauft, jetzt noch die Klage am Bein. Letztere ist ein sehr großes Risiko, das aber noch nicht im Kurs eingepreist ist. Die Ungewissheit über den Ausgang der Glyphosat-Streitigkeiten dürfte den Aktienkurs noch Monate belasten“.

          Für Analysten und Anleger steht der Aspekt im Mittelpunkt, dass der Fall nicht neu aufgerollt wird. „Die Richterin hatte mit dem Gedanken gespielt, die Schadenersatzansprüche ganz fallenzulassen“, schrieben Experten des Wertpapierhändlers Alpha. Mit der großen Zahl ähnlicher Klagen birgt Jefferies-Analysten zufolge auch die reduzierte Schadenersatzsumme für Bayer noch erhebliche Risiken.

          Die Schweizer Großbank UBS sieht derweil Bayer weiter als kaufenswert an und hat das Rating „Buy" mit einem Kursziel von 122 Euro belassen. Die jüngste Entwicklung sei ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn der Markt mehr erwartet habe, schrieb Analyst Michael Leuchten. Ein Vergleich sei derzeit wohl das naheliegendste Szenario. Auch wenn der Ausgang schwer vorherzusagen sei, habe es bei großen Verfahren im Pharmabereich niedrige bis mittlere einstellige Milliardensummen als Entschädigung gegeben.

          Aktie mit angeschlagener Charttechnik

          Für Anleger ist seit heute die Bayer-Aktie wohl erst einmal deutlich riskanter geworden. Nicht wenige Experten erwarten, dass der Fall durchaus bis vor das Oberste Gericht gehen und damit jahrelange Unsicherheit bedeuten könnte. Das macht die Aktie nicht attraktiver.

          Im September hatte sich der Kurs noch knapp unter der Marke von 70 Euro stabilisiert und sich anschließend sogar ein Stück weit erholt, ist jedoch seit August von 93 Euro deutlich zurückgekommen. Das Papier ist zwar derzeit mit einem prognostizierten 2019er-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,5 moderat bewertet und verfügt über eine Dividendenrendite von knapp 3,9 Prozent, doch befindet sich der Aktienkurs sehr deutlich in mittel- und langfristigen Abwärtstrends.

          Die für viele Anleger als interessanter Langfrist-Indikator angesehene 200-Tage-Linie ist um mehr als 17 Prozent unterschritten. Mit einer Bayer-Aktie hatten Anleger aber nicht erst in den vergangenen Monaten kein Glück gehabt: Seit Jahresanfang summiert sich der Abschlag der Bayer-Aktie auf über 26 Prozent. In Anbetracht der Nachrichtenlage erscheint es sinnvoll zu sein, erst einmal die Finger von der Aktie zu lassen. Seit dem Urteil im August ist Bayers Börsenwert um rund 23 Milliarden Euro gesunken. Aktuell bringt es der Konzern noch auf rund 64 Milliarden Euro.

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