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Kräftiges Kursplus : Spekulation auf den Dieselspezialisten

Neuer Diesel- KAT der Firma Baumot: Hoffnung für Luft und Unternehmen Bild: Rainer Wohlfahrt

Wer kann eigentlich Dieselautos nachrüsten? An der Börse steigt der Kurs der Baumot Group stark – eine sogenannte der „Scheuer-Aktie“, benannt nach dem Verkehrsminister.

          Der Dieselskandal ist eine teure Angelegenheit – für Autokonzerne, für Autofahrer und den Staat, wobei nicht jeder Schaden in Euro und Cent auszudrücken ist. Indes gibt es auch Gewinner. Zu diesen gehören derzeit die Aktionäre der Baumot Group, die bis Februar 2017 noch Twintec hieß.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vorübergehend stiegt der Kurs dieser Aktie an diesem Dienstag um 15 Prozent auf mehr als 2,60 Euro. In diesem Monat beträgt das Kursplus insgesamt damit schon 56 Prozent.

          Grund ist, dass der Autozulieferer, der schon lange auf Abgasreinigung spezialisiert ist, derzeit auch als Profiteur einer Diesel-Hardwarenachrüstung gehandelt wird. Auf seinen Internetseiten kann man sich schon für eine Nachrüstung registrieren, 3377 Autofahrer haben dies schon getan.

          Für die Aktionäre sicher eine gute Nachricht. Indes hatten die in der Vergangenheit auch viel zu leiden – gerade unter dem Dieselskandal. Erst kurz bevor dieser vor drei Jahren ruchbar geworden war, hatte Twintec damals die Kontec, einen Spezialisten für Abgasnachbehandlungs-Systeme übernommen. Im Januar 2017 ging die Gesellschaft dann in die Insolvenz, was Twintec seinerzeit große Teile des Umsatzes kostet. Konkret ging dieser 2017 von 38 auf nur noch 9,5 Millionen Euro zurück.

          BAUMOT GROUP AG O.N.

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          Zum einen hatten die großen Automobilhersteller die Motorenentwicklung gestoppt und Entwicklungsaufträge und -projekte gestrichen. Zudem entfielen damit auch Dienstleistungen wie der Betrieb von Prüfständen. Zum anderen seien dabei aber auch überraschend Mängel in der Kontec und deren Management zu Tage getreten.

          Tatsächlich aber sind große Umsatzschwankungen in der Vergangenheit bei Baumot/Twintec eher an der Tagesordnung gewesen. 2011 etwa fiel der Umsatz um fast die Hälfte auf 23 Millionen Euro. Grund war, dass die Barförderung für die Nachrüstung von Rußpartikelfiltern in Diesel-Pkws auslief und Twintec es nicht gelungen war, ausreichend Geschäft in der Umrüstung auf Gasantrieb zu generieren. Das Unternehmen stand auf der Kippe.

          Auch 2008 hatte sich der Umsatz auf 33 Millionen Euro mehr als halbiert. Auch damals war es ein Dieselskandal, seinerzeit um nicht funktionierende Pkw-Rußpartikelfilter, der den Marktführer auf dem Nachrüstmarkt in Bedrängnis brachte. Die Finanzkrise tat ihr Übriges. Im Vorjahr war dagegen der Umsatz um drei Viertel gestiegen, eben wegen der steuerlichen Förderung von Diesel-Partikelminderungssystemen.

          Hohe Verluste, viel Kapitaländerungen

          Viel schwerwiegender ist aber die schlechte Ertragsentwicklung. Während der Umsatz seit 2004 mehr oder weniger zwischen 20 und 45 Millionen Euro schwankt, hat Baumot/Twintec seit 2009 keinen Gewinn mehr ausweisen können. Tatsächlich ist der Verlust im Verhältnis zum Umsatz im Trend gestiegen. 2017 betrug er 86 Prozent des Umsatzes. Grund dafür ist, dass sich die operativen Margen seit 2007 nicht mehr erholt haben.

          Diese Entwicklung hat bei Baumot Spuren hinterlassen. Allein in den beiden vergangenen Jahren hat das Unternehmen mindestens drei Kapitalerhöhungen und zwei Kapitalherabsetzungen hinter sich gebracht. Für die Aktionäre waren dies keine guten Nachrichten.

          Daher ist die Aktie auch sehr spekulativ geprägt. Im Juli 2017 etwa verdreifachte sich der Kurs aufgrund der Diesel-Fahrverbote und fiel bis Mitte August wieder um die Hälfte. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres verdoppelte er sich auf fast 5 Euro, nur um innerhalb eines Monats wieder das Ausgangsniveau erreicht zu haben. Anfang Juli war er dann auf ein Tief von 1,48 Euro abgesackt.

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