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Rekordhoch : Die ganze Welt in einem Index

Das Unternehmen MSCI berechnet den Index. Bild: Reuters

Der Weltaktienindex MSCI All Country World eilt von Rekord zu Rekord. Das kann ruhig so weitergehen. Doch der Index hängt vor allem von einem Staat ab.

          Es gibt Börsenrekorde, mit denen selbst die Profis zunächst nur wenig anzufangen wissen. Dies zeigte sich in der vergangenen Woche, als ein Aktienindex mit dem seltsamen Namen „MSCI All Country World“ einen neuen Höchststand erreichte. Rekordwerte des deutschen Aktienbarometers Dax schaffen es üblicherweise bis in die „Tagesschau“, der MSCI-Rekord fiel dagegen nur ein paar Spezialisten auf.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei ist die Sache interessanter, als man denken könnte. Denn der Börsenindex mit dem ungewöhnlichen Namen ist auch für Privatanleger einen Blick wert. Dies hat damit zu tun, dass dem Index etwas Außergewöhnliches gelingt: Vereinfacht gesagt, bildet er die durchschnittliche Entwicklung der Weltbörsen ab. Mehr als 2400 Aktiengesellschaften aus fast 50 Ländern – von Australien über Brasilien, China, Japan, die Schweiz, die Vereinigten Staaten bis hin zu den Vereinigten Arabischen Emiraten – gehören zum MSCI All Country World. Gemessen am Börsenwert aller Aktiengesellschaften der Welt, kommt er auf einen Anteil von 85 Prozent: Es gibt keinen anderen Börsenindex, bei dem der Wert so hoch ist.

          Schwellenländer bleiben außen vor

          Seinen Namen hat dieser Weltaktienindex von der Firma, die ihn berechnet – MSCI. Das Unternehmen mit Sitz in New York hat es geschafft, einige der wichtigsten Börsenindizes der Welt zu entwickeln. Am berühmtesten ist in der Finanzwelt wohl der MSCI World, dessen Name ein wichtiges Detail verschweigt: Anders, als man vermuten könnte, bildet er nämlich allein die Wertentwicklung der Börsen in wichtigen Industrieländern ab. Schwellenländer wie Brasilien, China oder Indien bleiben außen vor. Um dieses Defizit zu beheben, entwickelten die MSCI-Macher den noch breiter gefassten MSCI All Country World (gerne auch als MSCI ACWI abgekürzt).

          Bild: F.A.Z.

          Das Schöne an dem Index ist, dass er nicht allein den Profis vorbehalten ist. Auch ganz normale Anleger können in ihn investieren, und zwar mit Hilfe von neuartigen Fonds, die sich auch hierzulande immer größerer Beliebtheit erfreuen: Diese Fonds, unter dem Kürzel ETF bekannt, bilden die Wertentwicklung eines Index wie des Dax oder ebendes MSCI All Country World exakt nach. Steigt der Index beispielsweise um zwei Prozent, gewinnt auch der ETF zwei Prozent an Wert. Verliert der Index hingegen zwei Prozent, büßt auch der ETF zwei Prozent an Wert ein. Nicht nur dieses simple Prinzip macht ETF-Fonds empfehlenswert, sondern auch ihre im Vergleich zu klassischen Fonds geringen Gebühren. Mehr als 0,6 Prozent der investierten Summe pro Jahr müssen Anleger in der Regel nicht zahlen.

          Index ist abhängig von Amerika

          Die Wertentwicklung der ETF auf den MSCI All Country World kann sich sehen lassen, was nicht verwunderlich ist: Schließlich notiert der Index auf seinem Rekordstand. In den vergangenen fünf Jahren kam er im Durchschnitt auf ein Plus von rund zwölf Prozent pro Jahr. Blind zugreifen sollten Anleger trotzdem nicht. Denn der Weltaktienindex weist einige Besonderheiten auf.

          So hängt der MSCI All Country World in hohem Maße von den Vereinigten Staaten ab, dem wichtigsten Aktienmarkt der Welt. Rund 50 Prozent der Wertentwicklung des Index orientieren sich an amerikanischen Firmen, auch die größten im Index enthaltenen Unternehmen stammen aus Amerika. Es handelt sich um die Technologiekonzerne Apple, Microsoft und Facebook. Die starken Kursgewinne amerikanischer Firmen sind es, die dem MSCI-Index zum Höchststand verholfen haben. Dies bedeutet gleichzeitig aber auch: Wer nicht daran glaubt, dass Amerikas Börsenrally noch weitergehen wird, der sollte sich derzeit besser keinen MSCI-ETF kaufen.

          Auch ein zweites Risiko sollten Anleger kennen: Aktien aus Schwellenländern machen mit einem Wert von gut zwölfProzent einen substantiellen Anteil am Index aus. Üblicherweise schwanken die Aktienkurse in diesen Staaten stärker und können darum auch den Weltaktienindex stärker ausschlagen lassen. Für alle, die das nicht abschreckt, hat das Analysehaus Morningstar für die F.A.S. gute ETF auf den Index herausgesucht. Dazu zählen der SPDR MSCI ACWI (ISIN: IE00B44Z5B48) und der db xtrackers MSCI AC World (ISIN: IE00BGHQ0G80).

          Sampling verhält sich wie der ganze Index

          Beide ETF bedienen sich der Methode des sogenannten Sampling. Das bedeutet: Sie kaufen nicht alle der mehr als 2400 Aktien des Index, sondern nur eine Auswahl von in der Regel mehreren hundert Aktien. Die sind allerdings so ausgewählt, dass sie sich üblicherweise so verhalten wie der Index als Ganzes. Ein sinnvolles Vorgehen, da die ETF angesichts der hohen Zahl der Firmen sonst ständig Aktien kaufen und verkaufen müssten.

          Die ganze Welt in einem Index abzubilden, ist eben keine so leichte Aufgabe.

          Quelle: F.A.S.

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