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Aktien-Kommentar : Lieber VW als Deutsche Bank

Auch die Zukunft von VW ist unsicher. Bild: dpa

Zwei große Konzerne haben ihren Chef gewechselt. Die Aktionäre zeigen deutlich, welchen sie besser finden.

          Es ging Schlag auf Schlag in der zurückliegenden Woche. Anleger hatten den Austausch an der Spitze der Deutschen Bank noch gar nicht richtig verarbeitet, da wurden sie schon vom nächsten Führungswechsel eines Dax-Konzerns überrascht. John Cryan und Matthias Müller wurden Knall auf Fall fortgeschickt, Christian Sewing und Herbert Diess zu den neuen Konzernlenkern berufen. Nachdem sich die doppelte Verwunderung etwas gelegt hat, lässt sich nun feststellen: Bei allen Gemeinsamkeiten der beiden Topmanager liegt VW-Chef Diess in puncto Vertrauensvorschuss deutlich vorn.

          Diess und Sewing verantworteten zuvor schon einen Teilbereich ihrer Konzerne. Zudem führen sie nun jeweils ein Unternehmen, dessen Branche inmitten großer Umbrüche steht. Und beide Männer, die an ihrem ersten Chef-Tag eine klare Ansprache fanden, genießen unter Börsianern einen guten Ruf. Dies zeigte sich auch daran, dass die Anleger zunächst positiv auf die Führungswechsel reagiert haben.

          Diess wird mehr zugetraut als Sewing

          Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Die Signale gehen auseinander: Diess wird bei Volkswagen mehr zugetraut als Sewing bei der Deutschen Bank. Die VW-Aktie beendete die Woche mit einem Plus von acht Prozent, die Deutsche Bank gewann auf niedrigem Niveau mehr als vier Prozent.

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          Diess kann darauf aufbauen, dass sein Vorgänger Müller die Geschäfte trotz des Diesel-Skandals in Ordnung gebracht hat. VW verdient Milliarden, ist der größte Automobilhersteller der Welt und die Absatzzahlen aus den ersten Monaten dieses Jahres deuten darauf hin, dass weitere Rekorde bevorstehen. Diess ist es zuzutrauen, den Konzern profitabler zu machen und den Übergang zu Elektromobilität und autonomem Fahren zügig zu meistern. Angesichts dessen erscheint die VW-Aktie kaufenswert, zumal sie notorisch günstig ist.

          Anders sieht es im Falle der Deutschen Bank aus. Sewing steht vor einer Herkulesaufgabe: Nach strategischem Hin und Her, drei Jahren mit Verlusten und Rückschlägen im lukrativen Investmentbanking muss der neue Chef das Geschäftsmodell endlich rigoros überprüfen und anpassen. Nur so kann er das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen und den Kursverfall der vergangenen zwölf Monate umkehren. Dass Erträge, Kosten und Kapitalrendite sich verbessern müssten, hat Sewing sofort klargemacht. Bis auf weiteres bleiben Zweifel, ob den starken Worten ebensolche Taten folgen werden.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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