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Agrarmakler im Interview : „Ackerland ist nichts für Glücksritter“

  • -Aktualisiert am

Der Preis für Ackerland hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt. Bild: ZB

Der Agrarmakler Claus Voß handelt mit Bauernhöfen und Kornfeldern. Ein F.A.S.-Gespräch über frustrierte Bauern, Investoren aus Fernost – und die irren Preise auf dem platten Land.

          Herr Voß, die Preise für Wald und Ackerland haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Lohnt es sich noch, in Grund und Boden zu investieren?

          In der Regel ja, auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wir kalkulieren mit zwei Prozent Verzinsung für Flächen, die der Käufer dann wieder an einen Landwirt verpachtet. Vor ein paar Jahren waren noch drei Prozent aus der Verpachtung drin. Aber wer von der Bank überhaupt nichts auf sein Guthaben bekommt, ist auch heute im Vorteil, wenn er dafür Land kauft. So gesehen ist die Nullzinspolitik der EZB der größte Preistreiber auf dem Markt. Dazu kommt, dass die Investition in Ackerland inflationssicher ist. Und unkompliziert. Mit Mietnomaden müssen Sie sich als Landbesitzer nicht herumärgern.

          Geht die Rechnung überall in Deutschland auf?

          Nein. Kaufpreise zwischen 80.000 und 120.000 Euro je Hektar, wie sie in Oberbayern und an der Rheinschiene aufgerufen werden, haben landwirtschaftlich keinen Sinn mehr. Wenn Sie so eine Fläche kaufen und dann an einen Landwirt verpachten, müssten Sie 1000 Euro Pacht je Hektar verlangen, um auf 2 Prozent Verzinsung zu kommen. Das schafft der Pächter aber nur mit Sonderkulturen, zum Beispiel mit Erdbeeren.

          Oder mit Biogas-Subventionen.

          Das wird überbewertet. Der Gewinn ist manchmal nämlich nur in der Theorie da. In einem trockenen Jahr wie diesem fällt die Maisernte zu 50 Prozent aus. Dann muss der Landwirt teuer zukaufen, um seine Anlage überhaupt betreiben zu können. Dazu kommt, dass es die Einspeisevergütung ja nur für zwanzig Jahre gibt. Das ist in der Landwirtschaft kein besonders langer Zeitraum.

          Kann man Ackerland mit demselben Verschuldungsgrad wie ein Haus oder eine Wohnung finanzieren?

          Vier von fünf unserer Kunden planen ihre Käufe ganz ohne nennenswerte Finanzierung. Das heißt, sie bringen genug Geld mit, brauchen keine großen Kredite dafür. Die Banken verlangen 30 Prozent Eigenkapital, als Barreserve oder auch als Grundbesitz. Ich empfehle: Es sollten 50 Prozent sein. Den Rest gibt es dann für zurzeit rund zwei Prozent Zinsen von der Bank, für zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre festgeschrieben. Damit kann man dann arbeiten.

          Beim Hauskauf sind 70, 80 oder sogar 100 Prozent Verschuldung drin.

          Wer so etwas mit Acker- oder Waldflächen vorhat, der ist ein Träumer. Das holt man in zwanzig Jahren mit Zins und Tilgung und den Steuern aufs Betriebsergebnis nicht rein. Da sind die Häuslebauer im Vorteil.

          Inwiefern?

          Sie müssen keine Steuer darauf zahlen, dass sie sich die Miete sparen. Das Steuersystem ist auch noch an einer anderen Stelle ungerecht: Es gibt für den Landbesitzer keine Möglichkeit, Grund und Boden abzuschreiben, die Tilgung für einen Kredit zum Flächenkauf von der Steuer abzusetzen. Das macht Pachtmodelle in vielen Fällen finanziell attraktiver als die Bewirtschaftung in Eigenregie. Der Pächter kann die Pacht nämlich von der Steuer absetzen.

          Wer sind Ihre Kunden. die zurzeit Wald und Ackerland kaufen?

          Vor allem Selbständige: Apotheker, Ärzte, Steuerberater. Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz und aus Österreich. Dazu kommen stadtverdrängte Landwirte, deren Äcker zu Bauland geworden sind und die jetzt nach neuen Flächen suchen. Und Bauernsöhne, die in der Wirtschaft erfolgreich waren und jetzt wieder zurück auf die Scholle wollen.

          Und was ist mit den Milliardären wie den Fielmanns, die sich zum Zeitvertreib einen Bauernhof zulegen?

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