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Deutsche Versicherungen : Absturz der Versicherer-Renditen bremst sich ab

Branche in Bewegung? Die Verzinsung an die Kunden verschlechtert sich auch zu diesem Jahr hin. Aber der Rückgang bremst langsam ab. Bild: dpa

Die Assekurata-Studie zeigt: Lebensversicherer wenden sich neuen Produkten zu. Die Zinszusatzreserve stabilisiert unterdessen Anbieter.

          Die jüngste Debatte über die deutsche Lebensversicherung zeichnete das Bild einer siechenden Branche. Dazu trug die Bereitschaft einiger großer Gesellschaften bei, sich von ihren Garantiezins-Beständen zu trennen. Tatsächlich hat sich die Verzinsung an die Kunden auch zu diesem Jahr hin verschlechtert. Aber der Rückgang bremst sich allmählich ab. „Der rückläufige Trend hat sich im Jahr 2018 abgeschwächt“, sagte Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata, am Montag in Köln. Dort stellte er die diesjährige Studie zur Überschussbeteiligung vor.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Werden alle Altersvorsorge-Policen mit klassischer Zinsgarantie einbezogen, verringerte sich die laufende Verzinsung im Durchschnitt nur um 0,05 Prozentpunkte auf 2,83 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass Versicherer die Verzinsung alter Verträge mit Garantie von 3 bis 4 Prozent gar nicht mehr senken können. Die Policen mit niedrigeren Garantien haben einen niedrigeren Anteil, so dass selbst eine starke Absenkung nur einen geringen Effekt hätte. „Es findet weiterhin Wettbewerb über die Überschussbeteiligung statt. Sie hat Signalwirkung in den Markt“, sagte Will. Einflussreich dürfte die Entscheidung des Marktführers Allianz gewesen sein, die Verzinsung konstant zu halten.

          Klassischen Policen fallen im Durchschnitt besser aus

          In den vergangenen Jahren hat diese Überschussbeteiligung an Bedeutung verloren, weil Versicherer sich zunehmend von klassischen Garantie-Policen abwenden. Nur 30 von 55 Studienteilnehmern bieten diese Variante noch an. Rund die Hälfte der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Verträge lassen sich der Kategorie Neue Klassik zuordnen, die nur noch einen garantierten Rückkaufswert und eine garantierte Mindestrente verspricht. Mit Blick auf (eingeschränkte) Zinsgarantien und Verbindlichkeit der Sterblichkeitsannahmen weichen sie stark voneinander ab.

          „Im Trend bieten immer weniger Anbieter Bruttobeitragsgarantien und knüpfen sie an immer längere Laufzeiten“, sagte Assekurata-Analyst Lars Heermann. Bei diesen Produkten war die laufende Verzinsung mit 2,39 Prozent so hoch wie im Vorjahr. Dass die klassischen Policen im Durchschnitt besser ausfallen, liegt am hohen Anteil hochverzinster Altverträge. Für eine neu abgeschlossene Rentenversicherung klassischer Bauart lag die laufende Verzinsung bei 2,47 Prozent. Dafür fällt die Gesamtverzinsung mit Schlussüberschüssen der Neuen Klassik mit 3,27 Prozent höher aus als bei klassischen Policen (3,04 Prozent). Versicherer belohnen Kunden, die ihren Vertrag bis zum Rentenbeginn halten.

          Von dieser Verzinsung müssen die Kosten abgezogen werden, will man Auskunft über eine mögliche Beitragsrendite bekommen. Assekurata illustriert sie, indem sie die heutigen Überschussdeklarationen in die Zukunft fortschreibt. Gerade an den neuen Hoffnungsträgern der Branche, der Neuen Klassik, zeigt sich aber, wie unterschiedlich leistungsstark die Anbieter sind. Die besten Marktteilnehmer kommen auf Beitragsrenditen von mehr als 3 Prozent, die schlechtesten liegen knapp über einem Prozent.

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          Bei klassischen Verträgen zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass nur noch über Laufzeiten von mehr als 30 Jahren die Beitragsrendite über der Nominalgarantie liegt. Auch hier weicht die Leistungsstärke der Versicherer stark ab. „Wohl dem, der den richtigen Anbieter ausgesucht hat“, sagte Heermann.

          Für die Branche erfreulich ist, dass sie ihre Garantieverpflichtungen inzwischen sehr gut abgesichert hat. Auf der Hälfte der Verträge liegt immer noch eine Garantie von mehr als 3 Prozent im Jahr. Das bedeutet eine Verpflichtung von 2,77 Prozent je Vertrag. Mit Hilfe ihrer aufsichtsrechtlich verlangten Zinszusatzreserve, die inzwischen auf 60 Milliarden Euro gewachsen ist, gelingt es der Branche aber, diese durchschnittliche Schuld gegenüber dem Kunden auf 2,03 Prozent zu reduzieren. Solche Renditen ließen sich mit sicheren Kapitalanlagen erwirtschaften, argumentierte Will. Deshalb könne die Politik es wagen, die Anforderungen an die Zinszusatzreserve zu lockern. „Den Versicherern täte es gut, wenn sie dosierter erfolgen würde“, sagte er. Schreibe man den Niedrigzins auf heutigem Niveau fort, würde sich die Reserve sonst innerhalb von nur fünf Jahren auf fast 150 Milliarden Euro aufbauen.

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