03.05.2006 · Chairman Ben Bernanke will den Währungshütern Flexibilität verschaffen. Es ist unklar, ob es weitere Zinserhöhungen geben wird. Der Rat agiert unabhängig von der aktuellen Wirtschaftsentwicklung.
Der geldpolitische Rat der amerikanischen Notenbank (Fed) wird auf seiner Sitzung in der kommenden Woche den Leitzins abermals um einen Viertelprozentpunkt auf dann 5 Prozent anheben. Soviel gilt an den Finanzmärkten als sicher.
Es wird der 16. Zinsschritt in Folge seit Sommer 2004 sein. Der weitere Kurs der Geldpolitik aber ist ungewiß, und die Währungshüter um Chairman Ben Bernanke tun sich schwer damit, den Marktakteuren diese Botschaft zu vermitteln. An den Finanzmärkten wächst darum die Unsicherheit, weil die Fed ihnen ein Stück jener Orientierung nimmt, mit der sie die Erwartungen über den Zinspfad in den vergangenen Jahren bewußt gesteuert hat.
Mißverständnis
Anlaß für die wachsende Nervosität gab Bernanke während einer Anhörung vor dem Kongreß in der vergangenen Woche. Seine Äußerungen dort wurden von vielen als Hinweis auf ein nahes Ende der Zinsrunde aufgefaßt. Das war offenbar nicht die Absicht des Notenbankchefs, der von einer möglichen Pause in der geldpolitischen Straffung gesprochen hatte und davon, daß eine solche den Währungshütern ein wenig mehr Zeit geben würde, um die eingehenden Konjunkturdaten auf Chancen und Risiken für Wachstum und Inflation abzuklopfen. Ausdrücklich hatte Bernanke darauf hingewiesen, daß am Ende der Pause auch eine weitere Leitzinserhöhung stehen könne, sollten die Daten dies geboten erscheinen lassen.
Bernanke verknüpfte diese Bemerkungen allerdings mit der Einschätzung, daß sich die überaus robuste Konjunktur in Amerika in der zweiten Jahreshälfte auf ein „tragfähigeres“ Niveau abkühlen werde. Daraus schlossen zahlreiche Marktakteure, daß es keine weiteren Zinserhöhungen mehr geben werde. Die Marktreaktionen-deutliche Kursverluste für den Dollar und am Anleihemarkt, nicht zuletzt aus einer wachsenden Inflationsfurcht heraus - veranlaßten Bernanke wenige Tage später zu der Äußerung gegenüber einer Fernsehjournalistin, die Anleger hätten ihn mißverstanden. Er habe dem Rat der Fed nur größere Flexibilität verschaffen wollen, um auf die Konjunktur- und Preisentwicklung zu reagieren.
Letzter Zinsschritt
„Ich verstehe die Aufregung nicht. Bernanke hat mit keinem Wort gesagt, daß die Fed im Juni ganz sicher eine Pause einlegen werde. Es ist ganz einfach: Bernanke weiß jetzt noch nicht, was im Juni sein wird“, sagt David Rosenberg, Chefvolkswirt von Merrill Lynch. Es sei keineswegs überraschend, daß die Fed nach Zinserhöhungen von insgesamt 4 Prozentpunkten in weniger als zwei Jahren abwarten wolle, wie sich die straffere Geldpolitik auf die Wirtschaft auswirke.
Das sei auch deshalb nachvollziehbar, da die Kerninflationsrate - sie läßt schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise außer Betracht - nach Bernankes Einschätzung in den kommenden Monaten von derzeit 2,1 Prozent aus noch steigen dürfte. „Es hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten keinen Zinszyklus gegeben, in dem die Fed die Straffung der Geldpolitik erst beendet hätte, nachdem die Kerninflation ihren Höhepunkt erreichte“, sagt Rosenberg. Der Ökonom rechnet damit, daß der Zinsschritt kommende Woche sich tatsächlich als der letzte erweisen und die Fed wegen einer schwächeren Konjunktur womöglich noch vor Jahresende die Leitzinsen senken wird.
Riskante Strategie
Christopher Wheeler von Barclays Capital spricht von einem Paradigmenwechsel in der amerikanischen Geldpolitik. Bernankes Äußerungen hätten deutlich gemacht, daß sich der Rat künftig stärker als zuvor auf die eigenen Prognosen von Wachstum und Inflation verlassen und seine Entscheidung nicht so sehr von der aktuellen Wirtschaftsentwicklung abhängig machen werde. „Geldpolitik wirkt mit einer Verzögerung auf die Realwirtschaft. Das gibt Bernanke offenbar das Gefühl, eine Pause einlegen zu können, trotz der bestehenden Risiken einer Inflationsbeschleunigung“, sagt Wheeler.
Dies sei aber eine riskante Strategie angesichts der fortgesetzt guten Konjunkturdaten, sowohl aus Amerika als auch aus anderen Teilen der Welt. Wheeler rechnet damit, daß die Fed es sich nicht wird leisten können, im Juni eine Pause in der Zinsrunde einzulegen. Bis zum Herbst dürfte der Leitzins auf 5,5 Prozent steigen, meint er. Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, die am Mittwoch mit 5,15 Prozent berechnet wurde, werde in den kommenden Wochen auf 5,35 Prozent steigen und sich hernach auf etwa 5,25 Prozent im September verringern.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |