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Finanzmarkt Solar-Hausse erinnert an den Neuen Markt

06.02.2006 ·  Solaraktien bleiben trotz der jüngsten Rückschläge das wohl heißeste Anlagethema des neuen Jahres. Kurssprünge innerhalb eines Monats von 80 Prozent - wann hat es das zuletzt in Deutschland gegeben? Pessimisten haben eine einfache Antwort parat: auf dem Neuen Markt.

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Solaraktien bleiben trotz der jüngsten Rückschläge das wohl heißeste Anlagethema des neuen Jahres. Kurssprünge innerhalb eines Monats von 80 Prozent, eine Marktkapitalisierung, die dem zehnfachen des jährlichen Umsatzes entspricht - wann hat es das zuletzt in Deutschland gegeben?

Pessimisten haben eine einfache Antwort parat: auf dem Neuen Markt. Die Euphorie weckt Erinnerungen an das einstige Wachstumssegment der Deutschen Börse, dessen rasanter Aufstieg vor sechs Jahren in einen ebenso schnellen wie für die Anleger verlustreichen Niedergang überging.

Es riecht nach Neuem Markt

Selbst optimistische Anhänger der Solarwerte können sich von den schmerzlichen Erinnerungen nicht freimachen. „Klar, bei solchen Kurssprüngen denkt man unwillkürlich an die Hausse des Neuen Markts und sein bitteres Ende zurück“, sagt Stephan Wulf, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim. Doch auf den zweiten Blick erkenne man die Unterschiede. Damals seien Internetunternehmen hoch gehandelt worden, die nicht einmal vor dem Abzug von Schuldendienst, Steuern und Abschreibungen einen Gewinn vorweisen konnten. „Die deutschen Solarhersteller verdienen dagegen heute schon gutes Geld“, sagt Wulf, der einige Solarwerte zum Kauf empfiehlt.

Der Hinweis auf die Erträge ist berechtigt, doch auch auf dem Neuen Markt gab es profitable Unternehmen. Für ihre Aktien wurde nur zuviel gezahlt. Wie steht es also mit der Bewertung der heutigen Solarwerte? Für einige Werte wie Phönix Sonnenstrom zahlen die Anleger etwa das zwanzigfache des letzten Gewinns. Das wirkt in einer Wachstumsbranche fast bescheiden. Für ihre Favoriten müssen Käufer allerdings mit ganz anderen Beträgen rechnen. So hat zum Beispiel Sunways im vergangenen Jahr 11 Cent Gewinn je Aktie erwirtschaftet. Die Aktie kostet aber fast 20 Euro oder 180-mal soviel, was schon eher nach Neuem Markt riecht. Beim Marktführer Solarworld zahlen Anleger das 60-fache des im Jahr 2005 erwirtschafteten Gewinns.

Branche hofft auf Wachstumsschub

„Solarworld ist der Neue Markt“, sagt Henning Gebhardt, der bei der Fondsgesellschaft DWS für deutsche Aktien zuständig ist. Schließlich sei die Aktie 1999 auf dem Neuen Markt emittiert worden, erinnert er an die Vorgeschichte des Branchenführers. Erstzeichner zahlten damals 5 Euro. Der Kurs verzehnfachte sich, ehe er zusammenbrach und die Aktie beim Tiefstand für 1,85 Euro zu haben war. Heute zahlen Käufer mehr als 200 Euro. Sie tun das, weil die gesamte Branche auf einen Wachstumsschub hofft. Selbst amerikanische Politiker denken nun ernsthaft über den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energieträger nach.

Glaubt man den Schätzungen der Analysten, werden sich die Gewinne einiger Solar-Gesellschaften schon bis zum kommenden Jahr vervielfachen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als 20 wäre bei einigen von ihnen, zum Beispiel Solarfabrik oder Reinecke, die Bewertung dann schon erträglicher. Doch die eigentliche Hoffnung der Anleger richtet sich auf die Jahre nach 2007. Dann soll Silicium, der ebenso knappe wie für die Herstellung von Solarzellen wichtige Grundstoff, wieder reichhaltiger vorhanden sein.

„Heißeste Spekulation“

Ob auch dann noch die Nachfrage so überbordend ist wie heute, wird von der Politik abhängen. Denn die meisten Solaranlagen sind staatlich gefördert. Würde dieser Hahn zugedreht, brächen vermutlich die Kurse ein. Die Hausse sei von der Politik abhängig, geben auch die Optimisten zu. Aber die Abhängigkeit verringere sich. Die Produktionskosten für Solarstrom seien in den vergangenen Jahren stetig um jeweils etwa 5 Prozent gefallen. Zugleich sei der Preis für Öl und andere herkömmliche Energieträger gestiegen. „Die Schere schließt sich“, sagt Fondsmanager Gebhardt. An einigen sonnenreichen Standorten wie Kalifornien oder Spanien sei Solartechnik schon bald auch ohne Subventionen konkurrenzfähig.

„Das hat doch nichts mit seriöser Geldanlage zu tun“, schimpft dagegen der Vermögensverwalter Joachim Paul Schäfer und warnt vor „heißester Spekulation“. Solarenergie sei ohne Frage sinnvoll. Ob das Geschäft aber nachhaltig profitabel sei, sei nicht abzusehen, glaubt Schäfer. In so etwas dürfe man nur „Spielgeld“ investieren. „Das kann ich aber auch genauso gut im Kasino auf den Kopf hauen.“

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