12.12.2004 · Die Schwankungen von Dollar-Kurs und Ölpreis haben viele Akteure an den Finanzmärkten verunsichert. Sicher ist nur eins: Am kommenden Dienstag wird die amerikanische Notenbank ihren Leitzins anheben.
Von Benedikt FehrDie heftigen Schwankungen von Dollar-Kurs und Ölpreis haben viele Akteure an den Finanzmärkten verunsichert, doch in einem sind sie sich sicher: Am kommenden Dienstag wird die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins in einem fünften Trippelschritt von 2 auf 2,25 Prozent anheben. Erstmals seit dem Frühjahr 2001 wird der Dollar-Leitzins dann wieder höher sein als der Euro-Leitzins.
Praktisch alle Auguren sind sich einig, daß der Vorsprung der kurzfristigen Dollar- gegenüber den Euro-Zinsen im kommenden Jahr noch kräftig zunehmen wird. Der Dollar wird damit als Anlagewährung attraktiver. Die jüngste Erholung des Dollar illustriert, daß dieser Faktor im Kalkül der Anleger durchaus eine Rolle spielt.
Geringe Inflationsrisiken
Verschiedentlich wird spekuliert, daß die Fed am Dienstag eine Zunahme der Inflationsrisiken konstatieren könnte. Derzeit betrachtet sie die Risiken für Wirtschaftswachstum und Preisstabilität als neutral. Diese Spekulationen machen sich daran fest, daß die Produzentenpreise im Oktober gegenüber September mit plus 1,7 Prozent so stark gestiegen waren wie seit 1990 nicht mehr. Auch die Dollar-Abwertung erhöht den Inflationsdruck. Doch sind die Erzeugerpreise im November mit 0,5 Prozent moderater gestiegen. Die Fed dürfte eine Betonung der Inflationsrisiken deshalb aufschieben, meinen die Analysten der Commerzbank mit dem allgemeinen Tenor.
Würde die Fed erhöhte Inflationsrisiken feststellen, müßte sie den Leitzins 2005 kräftig anheben. Doch dürfte es der harte Wettbewerb den Unternehmen auf absehbare Zeit nicht erlauben, ihre erhöhten Kosten auf die Preise zu überwälzen. Sie könnten deshalb eine Verringerung ihrer - ohnehin ungewöhnlich fetten - Gewinnmargen hinnehmen. Der Anstieg der Verbraucherpreise dürfte damit weiter moderat bleiben - und die Aussichten für die Aktienkurse amerikanischer Unternehmen auch.
Öl deutlich billiger
Die Analysten der Citigroup halten die Inflationsrisiken in der Tat für begrenzt. Sie erwarten aber, daß die amerikanische Wirtschaft aufgrund der Ertrags- und Investitionsstärke der Unternehmen im nächsten Jahr wieder "über Potential" wachsen wird. Die Fed dürfte deshalb ihre lockere Zinspolitik "in maßvollen Schritten" weiter straffen und den Leitzins bis Ende 2005 auf 3,5 bis 4 Prozent anheben. Demgegenüber sind die Analysten von HSBC skeptischer. Sie sagen voraus, daß der Dollar-Leitzins im Mai 3 Prozent erreicht und dann auf diesem Niveau bleibt.
Während die Dollar-Abwertung den Preis- und Zinsauftrieb in Amerika in der Tendenz verstärkt, wirkt sie im Rest der Welt über die Verbilligung der Importe und die Dämpfung der Exporte als Bremse für Inflation und Wirtschaftswachstum. Wegen der erhöhten Inflationsrate kommt der EZB dies derzeit gelegen. Doch muß sie die Lage überdenken, sobald sich der Anstieg der Verbraucherpreise, der im November 2,2 Prozent betrug, der Zielmarke von knapp 2 Prozent nähert. Durch den kräftigen Rückgang des Ölpreises könnte das schon bald sein. Am Freitag sackte der Preis für das Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent um fast 6 Prozent auf 37,38 Dollar ab.
Die Händler nahmen dem Ölkartell Opec nicht ab, daß es die angekündigte Kürzung der Fördermengen durchzusetzen vermag. In Euro gerechnet, kostete das Barrel Brent-Öl damit nur noch 28,20 Euro, nach durchschnittlich rund 34 Euro im November. Die deutliche Verbilligung des Öls läßt hoffen, daß sich das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum doch nicht so stark verlangsamt wie zuletzt vorhergesagt. Das hat die Aktienmärkte im Euro-Raum in der vergangenen Woche gestützt.
Geldpolitischen Spekulationen
Wie stark hat sich die Dollar-Abwertung auf die monetäre Lage in den einzelnen Ländern ausgewirkt? Die Analysten von Morgan Stanley (MS) haben das überschlagsmäßig kalkuliert. Nach dieser Rechnung hat die Euro-Aufwertung seit Juni so gewirkt wie ein Anstieg des Drei-Monats-Zinssatzes um 0,75 Prozentpunkte. Für die Schweiz und Schweden werden ähnliche Werte ermittelt, für Kanada sogar ein Zinsanstieg von 450 Basispunkten. Auch wenn diese Werte wohl überhöht sind, resümieren die MS-Experten: Die Dollar-Schwäche bringt den Rest der Welt unter Druck, die Geldpolitik zu lockern. Der ölpreisbedingte Rückgang der Inflation könnte der EZB den Weg dazu ebnen. Ohnehin hat die Euro-Aufwertung bereits viel Auslandskapital angelockt. Das hat die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Freitag auf 3,60 Prozent gedrückt. Sie liegt damit nun in Sichtweite des Langzeittiefs von 3,47 Prozent, das im Juni 2003 auf dem Höhepunkt der Deflationsangst erreicht wurde, die seinerzeit in Amerika herrschte.
Daß die geldpolitischen Spekulationen Hand und Fuß haben, belegte die kanadische Zentralbank: Sie hat am Dienstag von einer restriktiveren auf eine neutrale Zinspolitik umgeschaltet. Die Analysten der Deutschen Bank werteten dies als ein erstes Indiz, daß die Notenbanken unter dem Druck der Dollar-Schwäche tatsächlich auf eine lockerere Geldpolitik umschwenken. Nach ihrer Einschätzung hat die Aussicht auf eine Spreizung der Dollar- und der übrigen Leitzinsen dazu beigetragen, daß sich der Dollar in der zweiten Wochenhälfte deutlich befestigt hat. Gewinnmitnahmen taten ein übriges. Der Euro schloß daraufhin am Freitag mit 1,3226 Dollar - und verbuchte damit zum ersten Mal seit zwei Monaten einen Wochenverlust.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |