27.04.2009 · Nach dem Ausbruch der Schweinegrippe in Mexiko fürchten Investoren eine weltweite Grippe-Epidemie. Die wichtigsten Aktienindizes verbuchen Verluste, besonders die Aktienkurse der Fluggesellschaften sinken, die von Pharmafirmen profitieren hingegen.
Von Tim Höfinghoff und Christof LeisingerNach dem Ausbruch der Schweinegrippe in Mexiko fürchten sich die Investoren vor einer weltweiten Grippeepidemie. Während an den Börsen die Aktien von Reise- und Luftfahrtkonzernen deutliche Kursverluste hinnehmen müssen, erwarten Anleger für Pharmafirmen hingegen gute Geschäfte.
Die wichtigsten Aktienindizes waren am Montag in die Verlustzone gerutscht. So gab der europäische Leitindex Eurostoxx 50 um 1,2 Prozent nach. Der Londoner FTSE 100 fiel ebenfalls um ein Prozent. In Paris sank der CAC-40-Index um 1 Prozent. Auch der deutsche Aktienindex Dax verlor bis zu 2 Prozent.
Zahl der Grippetoten steigt
Die Börsianer sind der Ansicht, dass sich die globale Rezession nun durch den Ausbruch der Schweinegrippe verschärfen wird. Dies weckt zudem Erinnerungen an die Lungenkrankheit SARS - sie hatte vor sechs Jahren begonnen und weltweit einige hundert Todesopfer gekostet. Ein Händler sagte: „Momentan kann noch niemand das Ausmaß der Entwicklung abschätzen.“ Die Börse in Schanghai schloss am Montag auf dem niedrigsten Stand seit über zwei Wochen.
Derweil stieg in Mexiko die Zahl der Grippetoten nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf mehr als 100. Die amerikanische Regierung rief den Gesundheits-Alarmzustand aus. In Europa gibt es in Spanien den ersten bestätigten Infektionsfall. Beim Schweinegrippe-Erreger A/H1N1 handele es sich um einen neuen Stamm. Unklar ist, ob herkömmliche Grippe-Impfungen gegen diesen Erreger helfen. „Die gute Nachricht ist: Nach allen Informationen, die uns vorliegen, helfen Arzneimittel, mit der auch die normale saisonale Grippe behandelt wird“, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker, der „Neuen Presse“ in Hannover.
Luftfahrtaktien leiden
Mit Blick auf die Vogelgrippe rechnen Fachleuten nun damit, dass Menschen weniger reisen. Einige Länder könnten sich abschotten, um die Ausbreitung der Grippe zu erschweren, hieß es. Die beiden größten deutschen Reiseveranstalter, TUI und Thomas Cook, haben wegen der Schweinegrippe bereits Reisen nach Mexiko City abgesagt. So bietet TUI bis 4. Mai keine Ausflüge mehr in die Region an.
An den Börsen gaben die Aktienkurse von Luftfahrt- und Touristikunternehmen deutlich nach. Die stärksten Kursverluste verzeichnen die Aktien der Lufthansa mit einem Minus von mehr als 10 Prozent. Ebenso sind British Airways betroffen, deren Kurs um 8 Prozent nachgibt, bei Air-France-KLM sind es 7 Prozent.
Im MDax gehören TUI mit einem Minus von fast fünf Prozent zu den größten Verlierern. Auch der Aktienkurs des Reisekonzerns Thomas Cook fällt um 5 Prozent. Die Furcht der Anleger ist, dass wegen der Schweinepest das Reisegeschäft noch weiter unter Druck gerät.
Pharmawerte können zulegen
Zu den Gewinnern an den Börsen zählen hingegen Pharmawerte. Denn diese Unternehmen gelten bereits als Profiteure der Krise, darunter Anbieter wie der Schweizer Pharmakonzern Roche, Sanofi-Aventis und Glaxo-Smithkline. Der Kurs der Genussscheine von Roche steigt um mehr als 4 Prozent. Die Titel von Glaxo-Smith-Kline gewinnen mehr als 3 Prozent. Beide Firmen verfügen über Medikamente, die zur Behandlung von Grippe genutzt werden können.
Roche erklärte inzwischen, seine Tamiflu-Produktion steigern zu wollen. Das Unternehmen könne 3 Millionen Dosen seines Grippemittels liefern, sobald eine Anfrage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorliege.
Die armen Investoren ...
R. Weber (rwe1973)
- 28.04.2009, 00:44 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |