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Finanzmärkte Nicht nur die Tsunami-Katastrophe lenkt den Blick auf Asien

02.01.2005 ·  Es ist schwer, nach der verheerenden Naturkatastrophe der Tsunami-Wellen zur Tagesordnung überzugehen. Auch in anderer Hinsicht richtet sich der Blick nach Asien: An den Finanzmärkten wird eine Veränderung des Wechselkursregimes von China erwartet.

Von Bettina Schulz
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Es ist schwer, nach der verheerenden Naturkatastrophe der Tsunami-Wellen zur Tagesordnung überzugehen. Viele Banker und Händler haben in den vergangenen Tagen zu ihrer Kreditkarte gegriffen und gespendet. Zu Silvester wurde in London erzählt, daß Banken derzeit überlegten, ihre Mitarbeiter aufzufordern, einen bestimmten Prozentsatz ihrer Boni zu spenden. Dies könnte zum Beispiel nur ein kleiner Betrag eines jeden - in der Regel gut bezahlten - Mitarbeiters sein, aber ein hoher Betrag, wenn alle Mitarbeiter ihm folgen.

Obwohl die Londoner City am heutigen Montag einen "Bank Holiday" einlegt, versuchten die ersten Analysten am Wochenende, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Tsunami-Katastrophe auf Südostasien einzuschätzen. Freilich sind das Ausmaß der Zerstörungen und der Umfang der erforderlichen Wiederaufbaumittel noch nicht bekannt. Aber trotz der erschütternd hohen Zahl der Toten scheint die wirtschaftliche Belastung nach Einschätzung von JP Morgan nicht so stark auszufallen, wie dies nach der Vogelgrippe Sars Anfang 2003 der Fall war.

Asiatische Volkswirtschaften werden weniger stark wachsen

JP Morgan senkte die Wachstumsprognose für die asiatischen Schwellenländer im ersten Quartal 2005 von 6 auf 5,9 Prozent, hielt aber an der Vorhersage für das zweite Quartal von einem Wachstum von 6,2 Prozent fest. Für Thailand nahm die Bank die Prognose für das Wirtschaftswachstum des gesamten Jahres von 5 auf 4,6 Prozent zurück. In den meisten Ländern werde sich der Tourismus erholen, hieß es in einer ersten Analyse. Zudem fingen die zusätzlichen Ausgaben für den Wiederaufbau die Wirtschaftseinbußen aus den Belastungen im Tourismus auf. Die Produktion und der Handelsverkehr der Länder seien unbeeinflußt, und die hohen Wiederaufbaukosten würden teilweise durch internationale Hilfe aufgefangen.

Die Finanzmärkte werden in diesem Jahr noch aus einem anderen Grund nach Asien schauen: Fast alle Banken in der Londoner City erwarten, daß China im Laufe des Jahres auf ein flexibleres Wechselkurssystem übergehen wird. Dies dürfte auf Dauer Auswirkungen auf die Wechselkursverhältnisse an den Finanzmärkten haben und die Renditeentwicklung am amerikanischen Markt beeinflussen.

China und Japan haben Fremdwährungsreserven drastisch erhöht

Der Einfluß Japans und Chinas auf die Entwicklung der Renditen am amerikanischen Anleihemarkt war schon 2004 eklatant: Japan intervenierte im Frühjahr massiv an den Devisenmärkten, um die Aufwertung des Yen gegenüber dem abwertenden Dollar zu stoppen, verkaufte also Yen gegen Dollar, womit es erheblich seine Fremdwährungsreserven aufstockte. Ähnliches tut China ununterbrochen, um den Renminbi in einem festen Wechselkursverhältnis zum Dollar zu halten. Täte China dies nicht, führten der hohe Handelsbilanzüberschuß und der Zufluß an Auslandsdirektinvestitionen zu einer stetigen Aufwertung der chinesischen Währung und beeinträchtigten Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Seit 1999 habe China seine Fremdwährungsreserven um 360 auf 515 Milliarden Dollar erhöht und Japan gar um 540 auf 818 Milliarden Dollar, schätzt die japanische Bank Nomura. Japan, China - und mit geringerer Auswirkung die anderen asiatischen Länder - hätten in den vergangenen fünf Jahren 82 Prozent der um 1612 Milliarden Dollar gestiegenen weltweiten Fremdwährungsreserven akkumuliert. Selbst wenn von diesem Anstieg 25 Prozent der Gelder in Euro-Anlagen geflossen sind, schleusen China und Japan den größten Teil dieser Reserven an den amerikanischen Anleihemarkt zurück, finanzieren also wesentlich das Leistungsbilanzdefizit Amerikas.

Was auch immer das neue Jahr bringen mag: Ein Wechselkursmanagement Chinas wird an der Tagesordnung bleiben. Dies bedeutet ein weiterhin hohes Engagement Chinas am amerikanischen Anleihemarkt, und dies in einer Größenordnung, die alle Beteiligten an den Finanzmärkten im Auge behalten müssen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2005, Nr. 1 / Seite 30
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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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