Home
http://www.faz.net/-gv6-6z21p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Zertifikate und ETFs

Finanzmärkte Katerstimmung nach der Jahresanfangsrally

Seit Anfang April tendieren Aktien schwach. Nach Ostern setzt sich dieser Trend fort, der Dax fiel auf 6600 Punkte. Professionelle Anleger sehen darin jedoch kein Drama.

© REUTERS Vergrößern Der Dax gab ebenfalls nach und verminderte sich auf 6600 Punkte

Die pünktlich mit dem zweiten Quartal begonnene Konsolidierung vieler als risikoreich geltender Anlagen hat sich auch in der Woche nach Ostern fortgesetzt. An den Aktienbörsen überwogen Kursverluste. Der Euro Stoxx 50, der die 50 wichtigsten börsennotierten Unternehmen des Euroraums abbildet, verminderte sich um gut 3 Prozent auf 2320 Punkte; überdurchschnittlich sanken die Aktienkurse von Finanztiteln wie zum Beispiel der italienischen Institute Intesa Sanpaolo und Unicredit und der niederländischen ING Group. Der Dax gab ebenfalls nach und verminderte sich auf 6600 Punkte. Damit hat er innerhalb einer Woche nunmehr etwa 400 Punkte verloren.

Mehr zum Thema

Alexander     Armbruster Folgen:  

Spiegelbildlich dazu stieg der aus den Kursschwankungen der im Dax enthaltenen Unternehmen abgeleitete V-Dax-New, der als Risikobarometer gilt, vorübergehend um 2 Prozentpunkte an auf rund 28 Prozent. An den Anleihemärkten verzeichneten italienische und spanische Staatsanleihen Kursverluste - spanische Zehnjährige rentierten mit 5,9 Prozent ungefähr einen Prozentpunkt höher als noch zu Jahresbeginn. Derweil gingen die Renditen der als ausfallsicher wahrgenommenen deutschen Bundesanleihen zurück, zehnjährige Papiere rentierten beispielsweise mit weniger als 1,7 Prozent beinahe auf einem Rekordtief.

„Katerstimmung nach dem Rausch“

Gleichwohl schlägt für die meisten europäischen und amerikanischen Aktienmärkte seit Jahresbeginn immer noch ein Plus zu Buche. Professionelle Marktteilnehmer mahnen deshalb auch zu Besonnenheit.

„Was wir gerade an den Märkten sehen, ist die Katerstimmung nach dem Rausch“, sagt Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege der zur Deutschen Bank gehörenden Fondsgesellschaft DWS: „Nach der fulminanten Jahresanfangsrally in nahezu allen risikoreichen Vermögenswerten und nun wieder mehr Wirtschaftsdaten, die schlechter als die angehobenen Erwartungen ausfallen, nehmen Anleger Gewinne mit.“ Die DWS habe sich zum Beispiel wieder aus Staatsanleihen der Peripherieländer zurückgezogen und auf die kurzen Laufzeiten fokussiert.

Infografik / Anleihen- und Aktienmärkte An den Aktienbörsen überwiegen Kursverluste. Spiegelbildlich dazu stieg der V-Dax, der als Risikobarometer gilt, vorübergehend an © F.A.Z. Bilderstrecke 

Zu den zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten zählte etwa, dass in den Vereinigten Staaten im März weniger neue Stellen geschaffen wurden als erwartet - nach vorangegangenen Arbeitsmarktberichten, die Beobachter positiv überrascht hatten. Auch das geringer als vorhergesagt ausgefallene Importvolumen Chinas für denselben Monat drückte angeblich auf die Risikobereitschaft der Anleger. Aber Anzeichen von Panik fehlen indessen.

„Im Vergleich zum vergangenen August erleben wir keine Weltuntergangshysterie, sondern sehen, dass die Marktteilnehmer stärker unterscheiden zwischen den Anlageklassen und dass es für die Kursrückgänge jeweils spezifische Gründe gibt“, sagt Wöhrmann. Ein Beispiel dafür sei der wieder größere Abstand (Spread) zwischen spanischen und deutschen Renditen, nachdem Spanien ein höheres Staatsdefizit für das vergangene Jahr meldete und für dieses Jahr ankündigte.

Politische Gründe für Konsolidierung

„Wir werden keine neue Finanzkrise bekommen“, sagt auch Stefan Hofrichter, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors: „Die Zentralbanken, insbesondere die Fed und die EZB sitzen in Warteposition und werden notfalls weitere Liquidität zur Verfügung stellen.“ Nach den jüngsten Wirtschaftsdaten hätten sie dazu allerdings erstmal keinen Anlass. Seiner Ansicht nach erklärt sich die Konsolidierung an den Aktienmärkten auch mit der politischen Unsicherheit angesichts der bevorstehenden Wahlen in Griechenland und Frankreich und nicht zuletzt mit dem weiter hohen Ölpreisniveau - ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostet mehr als 120 Dollar.

„Wir bleiben aber konstruktiv für Aktien und denken, dass wir gerade im Euroraum den Tiefpunkt der Rezession durchschreiten“, sagt Hofrichter. Garry Evans, Aktienstratege der britischen Bank HSBC, äußert sich in einer aktuellen Analyse ebenfalls verhalten optimistisch für Aktien. Unter den Regionen sollten weiterhin die Aktienmärkte der Schwellenländer übergewichtet werden.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Marktbericht Deutsche Aktien geben nach

Eine schwache Stimmung in der Wirtschaft drückt am Dienstag die Aktienkurse. BMW und Siemens werden von Analysten kritischer beurteilt. Mehr

23.09.2014, 12:10 Uhr | Finanzen
Kämpfe dauern an

Nach dem russisch-ukrainischen Gipfeltreffen in Minsk gehen die Kämpfe in der Ukraine mit unverminderter Härte weiter. Mehr

28.08.2014, 10:04 Uhr | Politik
Marktbericht Kuka größter Verlierer im M-Dax

Die Aktien des Roboterherstellers Kuka haben am Freitag mehr als 4 Prozent verloren. Der deutsche Leitindex Dax ging wegen enttäuschender Konjunkturnachrichten wieder schwächer in den Handel. Mehr

26.09.2014, 09:57 Uhr | Finanzen
Krieg statt Diplomatie in Nahost

Israel und die radikalpalästinensische Hamas bekämpfen sich unvermindert weiter. Diplomatische Bemühungen der UN laufen ins Leere. Die Palästinenser fordern Gerechtigkeit, Israel die Akzeptanz ihrer Existenz. Mehr

23.07.2014, 10:39 Uhr | Politik
Marktbericht Merck weiter im Höhenrausch

Merck gehörte am Mittwoch zu den Favoriten im Dax. Eine Übernahme trieb die Aktien des Pharmaherstellers. Der Dax legte trotz schwacher Ifo-Daten um 0,7 Prozent zu. Mehr

24.09.2014, 18:18 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.04.2012, 17:05 Uhr

Getestet Bringt Appbounty einen schnell an Gutscheine?

Apps gibt es für alles und jeden. Doch was Appbounty versucht, ist in Deutschland neu. Für den Download von Apps gibt es Gutscheine für Amazon, iTunes und mehr. Mehr Von Jennifer Garic

Wertpapiersuche