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Finanzmärkte : Die Anleger trauen sich mehr Risiken zu

Erholung in der Eurokrise: Der Euro ist auf de höchsten Niveau seit April 2012, die Lage der europäischen Banken verbessert sich Bild: AFP

Die Investoren werden wieder mutiger. Die europäische Staatsschuldenkrise hat an Schrecken verloren. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

          Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, will sich noch nicht als Retter der Finanzmärkte feiern lassen. „Es ist noch viel zu früh, einen Erfolg zu beanspruchen“, sagte er am vergangenen Donnerstag auf der Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung. Und doch ist es Draghi, dem es zugeschrieben wird, die Erholung der Finanzmärkte mit seiner Ankündigung von unbegrenzten Staatsanleihekäufen eingeläutet zu haben. „Die europäische Staatsschuldenkrise ebbt wie erwartet ab“, stellte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer unlängst fest. Seiner Ansicht nach spricht immer mehr dafür, dass die EZB das Auseinanderfallen der Währungsunion verhindern werde. So fließe in die Euro-Krisenländer privates Kapital zurück. Selbst in Griechenland vertrauen die Kunden ihren Banken wieder und zahlen zuvor gehortetes Bargeld auf den Konten ein.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die Finanzkrise gibt es eine Kennziffer der Angst: die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe. Je niedriger diese liegt, desto höher ist die Verunsicherung an den Märkten. Denn ein Rückgang der Rendite ist mit entsprechenden Kursgewinnen der Anleihe verbunden und umgekehrt. Doch in jüngster Zeit haben die Anleger wieder Mut gefasst und setzen auf riskantere Anlagen wie Staatsanleihen der Euro-Krisenländer oder Aktien. Dies lässt sich an der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ablesen, die seit Jahresanfang von 1,3 auf 1,6 Prozent gestiegen ist.

          Renditehunger der Investoren

          Zeitgleich sanken die Zinsen für italienische sowie spanische Staatsanleihen. Vor allem die erfolgreiche Auktion einer spanischen Anleihe hob in der vergangenen Woche die Stimmung an den Finanzmärkten. Die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen gingen deutlich zurück. In der zehnjährigen Laufzeit sind es für Spanien mittlerweile weniger als 5 Prozent, und für Italien rückt die Marke von 4 Prozent in Sicht. Begleitet wurde diese Entwicklung von einem festeren Euro, der am Freitag mit 1,3366 Dollar das höchste Niveau seit April 2012 erreichte. Dazu trug auch eine Kaufempfehlung von Goldman Sachs bei.

          Die Zinsanalysten der französischen Société Générale (SG) werten die jüngste Entwicklung an den Kapitalmärkten als „Risikorally“, die zu Lasten der als sicher geltenden Wertpapiere wie etwa Bundesanleihen geht. Auch die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sind gestiegen. Als Gründe nennen die SG-Analysten den Renditehunger der Investoren, bessere Konjunkturdaten, ein wieder höheres Vertrauen in spanische Banken sowie eine für die Kreditwirtschaft nicht allzu strenge Regulierung.

          Lage der Europäischen Banken hat sich verbessert

          So haben sich die internationalen Bankenaufseher im Baseler Ausschuss auf weichere Vorgaben für die Banken zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit in Krisenzeiten geeinigt. Dies verbessert die Ertragsaussichten der Kreditwirtschaft. Bankaktien zählten deshalb in der vergangenen Woche zu den Gewinnern. Der Aktienkurs der Deutschen Bank legte um 7 Prozent zu, obwohl die Rechtsrisiken wegen des angeblichen Umsatzsteuerbetrugs oder des Verdachts der Zinsmanipulation eher das Gegenteil bewirken müssten. Trotz hoher Kursverluste am Freitag beendete auch die Commerzbank-Aktie die Handelswoche mit einem Plus von 7,9 Prozent.

          Bild: F.A.Z.

          Insgesamt hat sich die Lage der europäischen Banken verbessert. Auch an den Anleihemärkten können sie wieder verstärkt unbesicherte Schuldtitel plazieren. Das nutzten zuletzt unter anderem die Deutsche Bank, BNP Paribas oder BBVA. Europäische Banken haben seit Jahresanfang unbesicherte Anleihen von mehr als 10 Milliarden Euro plaziert. Selbst amerikanische Geldmarktfonds fassen wieder mehr Vertrauen und erhöhen ihre Dollar-Finanzierungen für europäische Banken. Zwar ist das Engagement noch deutlich unter dem Niveau vor der Staatsschuldenkrise, aber es nahm zuletzt stetig zu. Die Bankaktien stiegen in der vergangenen Woche gegen den Markttrend. Denn der Dax verzeichnete ein Minus von 0,8 Prozent. Einen Rücksetzer an den Aktienmärkten erwartet Markus Reinwand, Analyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Denn mit den vorangegangenen Kursgewinnen sei die Erwartungshaltung der Investoren gestiegen, so dass es künftig weniger leicht falle, diese zu übertreffen.

          In der neuen Woche richtet sich der Blick der Investoren auf die Ergebnisse amerikanischer Unternehmen im vierten Quartal. Die vom Aluminiumkonzern Alcoa oder dem Saatguthersteller Monsanto schon vorgelegten Zahlen sorgten für einen erfreulichen Auftakt. In dieser Woche werden die Banken Goldman Sachs, JP Morgan, Bank of America und Citigroup sowie der Technologiekonzern General Electric und der Halbleiterhersteller Intel berichten. Mit positiven Überraschungen in der Berichtssaison rechnen die Analysten der DZ Bank. In Spanien und Frankreich stehen Anleiheauktionen an. Der Bund wird am Mittwoch eine neue zehnjährige Anleihe begeben.

          Quelle: F.A.Z.

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