09.03.2006 · Anläßlich seines zehnjährigen Jubiläums präsentierte der Hedge-Fonds-Anbieter Superfund in prunkvollem Rahmen Altkanzler Schröder als Festredner - trotz der Kritik seiner Partei an Fonds, die wie „Heuschrecken Unternehmen überfallen“.
Von Michaela Seiser, WienPecunia non olet. Geld stinkt nicht - auch nicht, wenn es sich um das Geld des Wiener Hedge-Fonds-Anbieters Superfund handelt. Am Mittwoch abend hat Superfund lautstark sein zehnjähriges Bestehen gefeiert - und Gerhard Schröder gab den Festvortrag. Für einen angeblich fünfstelligen Betrag hat der Altkanzler im prunkvollen Rahmen der Wiener Hofburg vor 900 Gästen über multilaterale Wirtschaftskooperation referiert.
Superfund-Gründer Christian Baha zeigte die Erfolgsgeschichte des Unternehmens auf: 50.000 Investoren, ein verwaltetes Vermögen von 1,6 Milliarden Dollar, Niederlassungen in gut ein Dutzend Ländern. Für dieses Jubiläum schien Schröder der richtige Mann. Sein Aufstieg könnte als Blaupause für die rasante Entwicklung des 37 Jahre alten Wiener Finanzdienstleisters dienen, der früher Polizist war. Zugleich verhilft Schröder Superfund zu einer besseren Vermarktung dieser hochriskanten Anlageform, was Anlegerschützer kritisieren.
„Wie kaum ein anderer“
Wenn Schröder Superfund goutiert, kann dann etwas passieren mit den Fonds, die in den vergangenen Jahren deutliche Wertsteigerungen erzielt haben? Das zum Teil schrille Publikum - darunter viele Kleinanleger, die über ein Ansparprogramm 100 Euro monatlich investieren - vertraut offenbar dem Altkanzler. „Wie kaum ein anderer kennt und versteht Schröder die Mechanismen der Weltwirtschaft“, wirbt Superfund. Die Mechanismen bei Superfund kennt der Sozialdemokrat indes vermutlich so wenig wie die meisten Kunden der Gesellschaft, die vor zwei Jahren in das Visier der deutschen Finanzaufsicht Bafin gekommen war, weil ihr die erforderliche Genehmigung für den Verkauf von Genußscheinen fehlte.
Superfund spekuliert über ein Computerprogramm an den Terminmärkten auf Markttrends und buhlt mit saftigen Renditen um Kleinanleger. Vorwürfen der Intransparenz begegnet Baha mit Hinweisen auf die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und die amerikanische Börsenaufsicht SEC, die die Fonds prüfe. Überhaupt sei bei Hedge-Fonds die Verlustmöglichkeit geringer als bei Aktien, wo der Verlust in Phasen fallender Kurse 80 Prozent und mehr betragen könne, behauptet Baha. Die Trendfolge - also das Erkennen und Folgen von Trends sowohl nach oben als auch nach unten - sei wegen der breiten Streuung in nicht korrelierenden Märkten die Strategie par excellence.
Strahlende Gesichter
Pikant am Auftritt bei Superfund ist, daß Schröders Genossen noch vor wenigen Monaten über jene Finanzinvestoren hergezogen sind, die wie „Heuschrecken Unternehmen befallen, sie abgrasen und weiterziehen“. Zu dieser seither oft zitierten Kritik seiner Partei erklärte Schröder am Mittwoch: „Es handelt sich dabei um Kritik an solchen Fonds - und dazu gehört dieser ja nicht -, die Unternehmen aufkaufen, um sie anschließend zu zerschlagen“. Ansonsten hält er sich mit Grundsätzlichem zur Weltwirtschaft auf. Als Befürworter eines freien Welthandels will er verhindern, daß die Welt in Globalisierungsgewinner und -verlierer zerfällt. „Weil Freihandel Wohlstand erhöht, müssen wir dafür sorgen, daß arme Länder auch Zugang zu unseren Märkten haben.“
Nach dreißig Minuten und einem Lob für das gesellschaftliche Engagement von Superfund endet der Vortrag Schröders mit einem verhaltenen Applaus. Das ist das Stichwort für Baha, der nun einen 30.000-Euro-Scheck für ein afrikanisches Waisenhaus übergibt. Der anstrengende Teil des Abends ist vorbei. Schröder sitzt, flankiert vom deutschen Botschafter in Österreich und dem früheren RTL-Chef Helmut Thoma, wieder am Ehrentisch. Jetzt hat die Sängerin Lisa Stansfield die Bühne für sich.
Der Abend hat Superfund viel Geld gekostet. Gemessen an den strahlenden Gesichtern des vorwiegend jungen Publikums hat sich die Investition gelohnt. Für Schröder hat es sich auch rentiert.
Michaela Seiser Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.
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