14.01.2005 · Immer mehr Bankkunden gehen gegen das Kreditgewerbe vor. Aber nicht nur Opfer fehlgeschlagener Immobilienfinanzierungen wehren sich - auch die Geldanlage ist oft strittig. Die Juristen sind gefragt.
Ein roter Opel Kadett wird so mancher Führungskraft der Deutschen Bank zum Ärgernis. Derzeit steht das Gefährt häufig vor dem Gebäude der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, in der Mainzer Landstraße in Frankfurt. „Für mich nie wieder. Deutsche Bank oder ihre Partner“, steht in großen bunten Lettern auf dem Fahrzeug - und die Internet-Adresse www.peanuts-opfer.de.
Fünf solcher Gefährte leistet sich Frank Schmall, der Besitzer des Autos. Neben dem Kadett sind noch ein Pick-up, ein Twingo, ein Mégane und ein Anhänger unterwegs. Alle stellt er regelmäßig vor einer Filiale der Deutschen Bank quer durch Hessen ab, oder auch schon mal vor der Deutschen Börse in Frankfurt. „Die Aktion mit den Autos mache ich mindestens fünf Jahre“, sagt Schmall. „Das habe ich mir fest vorgenommen“ - zum Ärger der Deutschen Bank, die Schmalls Autos immer wieder hinter Planen versteckt.
Sogar Selbstmordgedanken sind mit im Spiel
Schmall fühlt sich als Geprellter der Deutschen Bank, seitdem er eine Eigentumswohnung für altersgerechtes Wohnen in Worms gekauft hat. Zusammen mit 140 anderen Eigentümern der Wohnanlage prozessiert er seit 1997 gegen die Bank - allerdings ohne Erfolg. „Wir verlieren immer wieder“, räumt Schmall ein. Doch das hält ihn nicht von weiteren Aktionen gegen die Deutsche Bank ab. Einen Finanzierungsbetrag von 125 000 Euro fordert er unverdrossen von dem Institut zurück. „Auch mein Kadett steht zum Verkauf“, sagt Schmall. „In Verbindung mit einer Eigentumswohnung in Worms kostet er 127 000 Euro.“
Dank Internet tun sich immer mehr Bankkunden zusammen, um gegen das Kreditgewerbe vorzugehen. Auf Internetseiten wie www.immobilienbetrug.de oder www.bankopfer.de tauschen vor allem Betroffene ihre Erfahrungen aus, die mit Immobilienanlagen Verluste erlitten haben. Viele schämen sich ihrer schlechten Geldanlage. Andere reden davon, daß sie schon an Selbstmord dachten - so wie Anja Schüller. Anleger werfen auf der Seite www.anja-schueller.de der Bausparkasse Badenia vor, daß sich die junge Frau im Herbst 2004 das Leben genommen habe, weil sie von der Bausparkasse zu einer verlustreichen Immobilieninvestition in Chemnitz überredet worden sei. Dies bestreitet jedoch die Badenia. Sie habe nur die Finanzierung gestellt und nicht die Immobilie vertrieben.
Undifferenziertes Power-Selling
Immobiliengeschäfte sind nicht der einzige Streitpunkt zwischen Kunden und Banken. So beschweren sich andere Kreditnehmer, daß die Konditionen für variabel verzinste Finanzierungen heraufgesetzt werden, mit dem Hinweis „auf die allgemeine Zinsentwicklung“, obwohl das Zinsniveau an den Finanzmärkten gesunken ist. Oder Kunden, denen eine Lebensversicherung ausbezahlt wird, werden vorzugsweise Anlagevorschläge unterbreitet, die vor allem der Bank und dem Kundenbetreuer nützlich sind.
„Die Banken sehen, daß im Privatkundengeschäft hohe Gewinne erzielt werden können“, sagt der Frankfurter Bankenberater Christoph Pape. „Das heizt den Wettbewerb um den Retailkunden so an, daß die Banken verstärkt in undifferenziertes Power-Selling verfallen.“ Kunden würden verstärkt mit telefonischem Produktverkauf belästigt, anstatt daß ihnen ganzheitliche Problemlösungen angeboten würden. „Das bedeutet auch, daß in Kundengesprächen verstärkt Produkte verkauft werden, die nicht zwingend im Interesse des Kunden sind“, sagt Pape.
Beziehungen zwischen Kunde und Bank immer mehr ein Geschäftsfeld für Rechtsanwälte
Sämtliche Banken versuchen derzeit, ihre Kundenbeziehungen, die sie zum Teil durch hochverzinste Tagesgeldkonten akquiriert haben, zu vertiefen. „Cross Selling“ lautet der Fachbegriff und bedeutet, daß dem Kunden zusätzliche Bankprodukte verkauft werden sollen. Selbst Kundenberater seriöser Adressen, die vermögende Privatkunden betreuen, berichten heute, daß sie zum Teil konkrete Vertriebsziele vorgegeben bekommen, die bedeuten, daß sie in einem gewissen Zeitraum zum Beispiel ein bestimmtes Volumen an Hedge Fonds zu verkaufen haben.
Die Folge ist, daß die Beziehungen zwischen Kunde und Bank immer mehr ein Geschäftsfeld für Rechtsanwälte werden. „Eine Bank steht nur in der Haftung für Produkte, die sie selbst vertreibt“, sagt der Bankenfachmann einer Frankfurter Rechtsanwaltssozietät. So streiten sich die Anwälte bei Immobilienanlagen derzeit in vielen tausend Fällen vor Gericht um die Frage, ob die betroffene Bank nur die Finanzierung gestellt oder auch die Geldanlage vertrieben hat. Besonders strittig sind zur Zeit auch Zinsanpassungsklauseln bei variabel verzinsten Darlehen. Dabei geht es vor allem um die Wahl eines Referenzzinses, der für die Zinsveränderungen maßgeblich ist. Allein diese Frage wird noch viele Juristen beschäftigen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |