13.07.2007 · Den Anlegern in europäischen Bankaktien schlägt die sich ausweitende Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt aufs Gemüt. Es herrscht Angst vor Gewinneinbrüchen. Doch Analysten warnen vor überzogener Sorge.
Den Anlegern in europäischen Bankaktien schlägt die sich ausweitende Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt aufs Gemüt. Die Kurse vieler Aktien aus der Finanzdienstleistungsbranche litten in den vergangenen Tagen unter der Unsicherheit, welche Folgen die Kreditkrise in den Vereinigten Staaten auf die Gewinne der europäischen Banken haben werden. Analysten sehen insbesondere Aktien von Investmentbanken unter Druck. Für europäische Privatkundenbanken und die deutschen Immobilienfinanzierer sind sie hingegen sehr zuversichtlich.
Der Branchenindex Dow Jones Stoxx Banks, der dem Gesamtmarkt schon seit einigen Monaten hinterherhinkt, machte am Donnerstag zumindest einen kleinen Teil seiner Vortagesverluste wieder wett. Seit Jahresbeginn ist der Subindex dennoch auf der Stelle getreten. Er ist damit fast das einzige Branchenbarometer, das im vergangenen halben Jahr nicht zumindest ein leichtes Plus erreicht hat.
Auf den Krediten sitzenbleiben
Die Krise auf dem amerikanischen Markt für wenig besicherte Hauskredite ist in den vergangenen Tagen auf den Markt der mit Immobilienkrediten besicherten Spezialanleihen sowie auf den für Unternehmenskredite übergeschwappt. Vielfach wurde die Sorge geäußert, dass die „Vorhänge im größten Kreditmarktboom der Geschichte nun fallen“, wie es Analysten der Credit Suisse formulierten. Die Investmentbanken hatten zuletzt immer risikoreichere Darlehen an Unternehmenskäufer ausgegeben.
Bislang waren vorwiegend diejenigen Banken von Verlusten betroffen, die zumeist über Hedge-Fonds im Geschäft mit wenig besicherten Hypothekenkrediten agiert haben. So haben die Aktienkurse der amerikanischen Bear Stearns und der Schweizer UBS zuletzt arg gelitten. Bear Stearns hatte zwei strauchelnde Hedge-Fonds stützen müssen, UBS den Hedge-Fonds Dillon Read gar ganz geschlossen. Auch der Rücktritt von UBS-Vorstandschef Peter Wuffli wurde am Kapitalmarkt als mögliches Zeichen für weitere Verluste in Amerika aufgefasst.
Analysten werfen nun ein Auge auf diejenigen Banken, die im Markt für Kredite zur Finanzierung von Unternehmenskäufen („Leveraged Loans“) sehr präsent sind. Hierzu gehören nach Angaben von Jackie Ineke, Anleiheanalyst der Investmentbank Morgan Stanley, insbesondere die Deutsche Bank, UBS, Credit Suisse, Royal Bank of Scotland und ABN Amro. Die Frage, in welchem Umfang die Banken diese Kredite und damit mögliche Risiken auf den eigenen Büchern halten, bleibe aber unbeantwortet. Für alle besteht aber das Risiko, dass sie im Zuge einer Übergangsfinanzierung auf den Krediten sitzenbleiben, weil die Investoren aus Risikoscheu nicht mehr zugreifen - so kürzlich geschehen bei den Übernahmen von Dollar General, Service-Master und US Foodservice. „Eine Brückenfinanzierung müsste dann um rund 20 Prozent abgeschrieben werden“, sagt Ineke.
„Bei steigenden Zinsen weiter kaufen“
Auch wenn Banken wie HSBC, Royal Bank of Scotland, BBVA und ABN Amro einen großen Teil ihrer Erträge in Amerika generieren, halten Analysten die Auswirkungen auf deren Geschäft für moderat. Ineke beziffert beispielsweise die größtmöglichen Gewinneinbußen für Kredithäuser wie die Deutsche Bank, Barclays oder UBS auf weniger als 5 Prozent. Die Auswirkungen würden generell überschätzt, meint Richard Bernstein, Chefinvestmentstratege von Merrill Lynch: „Die vorhergesagte Geschwindigkeit, mit der sich diese Probleme auf die allgemeine Wirtschaft ausweiten, erscheinen reichlich übertrieben.“ Dennoch setzt Merrill-Lynch-Bankanalyst Stuart Graham angesichts der Unsicherheiten weniger auf die Aktien von Investmentbanken als auf die der breiter aufgestellten Privatkundeninstitute wie BBVA, Unicredit und Standard Chartered.
Gegen den Trend der gesamten Branche hatten sich in den vergangenen Tagen ausgerechnet die Kurse deutscher Immobilienfinanzierer wie der Hypo Real Estate und der Aareal Bank nach vorne geschoben. „Die sind in den vergangenen Monaten häufig in den falschen Topf geworfen worden“, sagt Carsten Werle von Sal. Oppenheim. Mit dem amerikanischen Markt für private Hypotheken haben beide nämlich nichts zu tun, sie sind in der gewerblichen Immobilienfinanzierung aktiv. Hypo Real Estate hatte am Mittwoch ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Werle ist optimistisch für die Aktien: „In diesem Markt ist so viel Kapital vorhanden, dass die Investoren auch bei steigenden Zinsen weiter Immobilienpakete kaufen werden.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.751,96 | −0,09% |
| FAZ-INDEX | 1.505,26 | −0,19% |
| TecDAX | 772,73 | −1,05% |
| MDAX | 10.296,70 | −0,54% |
| SDAX | 4.989,81 | −0,62% |
| REX | 423,38 | +0,51% |
| Eurostoxx 50 | 2.489,35 | −0,18% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,46 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.904,10 | +0,96% |
| Nasdaq 100 | 2.592,29 | +1,42% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.238,10 | −0,24% |
| EUR/USD | 1,3134 | +0,56% |
| Rohöl Brent Crude | 120,15 $ | +0,93% |
| Gold | 1.733,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,72 € | −0,24% |