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Zertifikate Derivate für Optimisten

15.06.2007 ·  Anleger, die die Kursturbulenzen für ausgestanden halten und auf weiter steigende Aktienkurse setzen wollen, finden zahlreiche Derivate vor. Doch nur wenige Finanzprodukte bewegen sich im Gleichlauf mit den Kursen.

Von Kerstin Papon
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An den großen Aktienbörsen der Welt hat sich die Stimmung wieder etwas aufgehellt. Am Freitag stieg der Deutsche Aktienindex Dax in der Spitze um 2 Prozent auf 8018 Punkte. Seit seinem Juni-Tief am Freitag der vergangenen Woche hat das Börsenbarometer nun schon wieder gut 500 Punkte oder 7 Prozent zugelegt. Anleger, die die Kursturbulenzen für ausgestanden halten und auf weiter steigende Aktienkurse setzen wollen, finden zahlreiche Derivate, die ihnen das versprechen.

Doch nicht mit allen Finanzprodukten können ihre Besitzer eins zu eins von den erwarteten Kursgewinnen profitieren. Einige Wertpapiere lassen die Anleger überproportional an den Kursbewegungen von Aktien und Indizes teilhaben, andere dagegen nur unterdurchschnittlich. Etliche Zertifikate bieten Schutz vor Kapitalverlust, der natürlich zu Lasten der Rendite geht. Vielfach bleiben die derzeit an die Aktionäre reichhaltig fließenden Dividenden dem Zertifikateinhaber verwehrt. Einige Derivate reagieren zudem nicht so, wie es mancher Anleger erwartet.

Meist unbegrenzte Laufzeit bei „Delta-eins“-Papieren

Die Klassiker für ein positives Marktumfeld sind Indexzertifikate. Sie beziehen sich auf Marktbarometer wie den Dax oder den Euro Stoxx 50 und bilden die Wertentwicklung dieses Basiswertes eins zu eins nach. Diese Finanzprodukte werden daher auch als „Delta-eins“-Papiere bezeichnet. Ihre Laufzeit ist meist unbegrenzt. Die Indexprodukte schützen ihren Besitzer jedoch nicht vor einem möglichen Kapitalverlust. Wichtig ist es hier - wie auch bei anderen Zertifikateformen - den Unterschied zwischen Kurs- oder Preisindizes und Performanceindizes zu beachten. Lediglich bei letztgenannter Indexvariante fließen die Dividenden automatisch in die Indexberechnung und damit in den Zertifikatepreis mit ein, bei den anderen Marktbarometern bleiben sie unberücksichtigt.

Daneben gibt es Derivate, die überproportional auf Veränderungen des zugrundeliegenden Wertes reagieren. Im Fachjargon spricht man von der Hebelwirkung dieser Finanzprodukte. Das Delta ist hier größer als eins. Dieses Kriterium erfüllen die klassischen Hebelpapiere - Optionsscheine und hochriskante Turbos, auch Knock-out-Produkte genannt - am besten. Es gibt sie für die Spekulation auf steigende Kurse (Calls) wie auch auf fallende Notierungen (Puts). Solche Papiere gelten als riskanter und sind daher nur für spekulativere Anlegernaturen geeignet. Durch den ihnen eigenen Hebel bleibt der Kapitaleinsatz vergleichsweise gering. Allerdings droht ein zum Teil schneller Verlust des eingesetzten Geldes.

Was bedeutet ein Hebel von 1,5 im Detail?

Knock-out-Papiere beispielsweise verfügen zwar meist über eine unbegrenzte Laufzeit, verfallen aber fast wertlos, falls der Basiswert eine bestimmte Kursschwelle erreicht. „Die Hebel sind dann besonders groß, wenn das Risiko eines solchen Verfalls hoch ist - also der Abstand zum relevanten Kurslevel gering ist“, erläutert Christopher Maaß vom Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim. Häufig haben Turbos höhere Hebel als die klassischen Optionsscheine. Die Call-Scheine wiederum bieten den Vorteil, dass Anleger bei ausreichender Laufzeit zeitweilig gegenläufige Markttendenzen aussitzen können.

Es gibt allerdings auch für konservativere Anleger Zertifikate, die überproportional auf steigende Kurse reagieren. Sie heißen Outperformance-Zertifikate. Der feine Unterschied zur großen Gruppe der spekulativen Hebelpapiere: „Anleger finden hier kleinere Hebel zwischen 1 bis 2,5; bei den Turbo-Papieren können es schnell 10 oder 15 sein“, sagt Maaß. Dadurch ist der Kapitaleinsatz bei den Zertifikaten höher als bei den klassischen Hebelprodukten. Und was bedeutet ein Hebel von 1,5 im Detail? Steigt der Dax um ein Prozent, dann nimmt der Wert des Derivates um 1,5 Prozent zu - zumindest theoretisch. „Letztlich hängt die Ausstattung und Reagibilität des Zertifikats von der Dividendenstärke des Basiswertes, von der Schwankungsbreite der Kurse (Volatilität) und der Laufzeit ab“, erläutert Maaß. Erst zum Laufzeitende kommt der Hebel voll zur Geltung. Bei Outperformancezertifikaten behält der Emittent die Dividenden zur Finanzierung der Produktstrukturen ein. Gleiches gilt für viele andere Zertifikateformen wie Bonus- und Discountpapiere.

Defensivere Zertifikate reagieren weniger empfindlich

Am andere Ende des Derivatespektrums stehen Produkte, die behäbiger auf Kursveränderungen des Basiswertes reagieren. Hier ist das Delta kleiner als eins, das heißt, die Zertifikate bewegen sich nicht so stark wie die zugrundeliegende Aktie oder der Index. Ein Delta relativ nah an eins haben laut Maaß klassische Bonuszertifikate, die zu der Gruppe der Teilschutzprodukte zählen. Sie bewegen sich bei steigenden Kursen allerdings erst zum Ende ihrer Laufzeit tatsächlich so wie ihre Basiswerte. Dazwischen können die Kursverläufe zeitweise spürbar voneinander abweichen.

Weniger empfindlich auf Kursveränderungen reagieren defensivere Zertifikate. Bei ihnen sind die Gewinnchancen nach oben begrenzt, sie bieten allerdings höhere Renditen in einem Marktumfeld mit seitwärts gerichteten Kursen. Hierunter fallen Teilschutzpapiere, wie Capped-Bonus-Papiere, Discount- und Express-Zertifikate sowie Aktienanleihen. Am schwerfälligsten bewegen sich dagegen Garantieprodukte. Mit ihnen ist ein Anleger vor einem Verlust geschützt, gleichgültig, was der Markt tatsächlich macht. Das drückt freilich die Rendite. Die einzige Ausnahme dieser Regel ist eine Insolvenz des Emittenten. Denn alle Derivate, ob Zertifikate oder Hebelpapiere, sind letztlich nur Schuldverschreibungen der jeweiligen Bank. Ihre Bonität ist daher wichtig.

Quelle: F.A.Z., 16.06.2007, Nr. 137 / Seite 25
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Jahrgang 1967, Redakteurin in der Wirtschaft.

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