13.07.2006 · „Wenn es am schönsten ist, steigt man am besten aus“ - gilt das auch für die Finanzmärkte? Das ist nicht ausgeschlossen, denn überzogener Optimismus wurde von den Märkten in der Vergangenheit immer wieder widerlegt.
Was Jürgen Klinsmann in den vergangenen Tagen zeigte, das dürfte auch für die Finanzmärkte gelten: Wenn es am schönsten ist, steigt man am besten aus.
Fragt sich nur, wann dieser Zeitpunkt erreicht ist. Klinsmann konnte ihn einfach bestimmen, denn das Turnier mit seiner ganzen Euphorie war vorbei und die nüchterne, mühselige Alltagsarbeit in einem Umfeld voller Besserwisser war absehbar.
Märkte kontra Konjunkturoptimismus
So einfach ist es an den Börsen nicht. Allerdings konnte der konforme Optimismus, der nach zweieinhalbjähriger Hausse Anleger, Analysten und auch Strategen in die beste aller Welten gebracht zu haben schien, zu denken geben. Denn so gut ist die Welt in der Regel nicht, als daß so eine Situation allzu lange anhalten kann.
Die Weltwirtschaft wuchs und wächst dynamisch und die Unternehmen konnten ihre Gewinne zum Teil rasant steigern. Kein Wunder also, daß auch die Kurse von Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Kunstobjekten, Häusern und in kleineren Staaten auch die Währungen lange Zeit nach oben liefen. Strategen schraubten die Kursziele nach oben, und die Gewinnprognosen mancher Analysten konnten nicht hoch genug sein.
Inzwischen hat dieses Bild allerdings deutliche Kratzer erhalten. Auch wenn es viele noch nicht glauben wollen, so zeigt sich das alleine schon an den Charts der verschiedenen Indizes. Der Dax zum Beispiel hat längst den mittelfristigen Aufwärtstrend durchbrochen, und neuerdings kämpft er nach einer kurzen Zwischenerholung wieder mit der 200-Tageslinie. Das ist nicht gerade ein Zeichen von Stärke.
Auch die in den vergangenen Tagen gehäuft auftretenden Gewinnenttäuschungen und -warnungen können zu denken geben. Immerhin sträubten sich Aktienanalysten auch in der vergangenen Baissephase lange Zeit, ihre im Laufe der Zeit längst überholten Prognosen an die Realität anzupassen. In diesem Sinne sollte man sich auf sie nicht allzu sehr verlassen, denn oft sind sie in optimistischen Phasen einfach nur linear extrapoliert.
Zentralbanken haben Gelddruckmaschine zumindest gedrosselt
Wieso neigen die Börsen jedoch seit einigen Wochen zur Korrektur? Erstens ist die Weltkonjunktur und sind damit die Börsen in den vergangenen Jahren von einer ultra-großzügigen Liquiditätsausstattung getrieben worden. Die Geldmengen nahmen in Amerika, in Europa und auch in großen Teilen Asiens schneller zu als das jeweilige Sozialprodukt. Früher oder später mußte das zu inflationären Phänomenen führen.
Sie zeigen sich nicht unbedingt an den jeweiligen Inflationsindikatoren, sondern in Form der rasant steigenden Preise an den Rohstoffmärkten, dem internationalen Immobilienboom, den anhaltend hohen Kursen an den Rentenmärkten und nicht zuletzt auch an den Börsen selbst. Ohne Rücksicht auf mögliche Risiken stiegen die Kurse vor allem auch in den Schwellenländern.
Gerade aber die Rohstoffpreise müssen sich früher oder später auch auf die Inflations- oder auch auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen durchschlagen. Die Preisindizes zeigen tatsächlich auch eine gewisse Eigendynamik. Deutlicher macht sich inzwischen aber der kostentreibende Effekt der hohen Rohstoffpreise bemerkbar. Nicht umsonst hat der Reifenhersteller Bridgestone in den vergangenen Tagen seine ursprüngliche Gewinnprognose um ein Drittel nach unten genommen, andere Unternehmen mußten inzwischen ebenfalls ihre Prognosen korrigieren.
Aufgrund solcher Entwicklungen dürfte es kaum verwundern, daß die Zentralbanken inzwischen geldpolitisch auf die Bremse getreten sind. Das heißt nicht, daß sie bisher Liquidität in größerem Stile entzogen hätten, aber sie wächst nicht mehr oder nicht mehr so schnell weiter wie zuvor. Damit fehlen den Finanzmärkten die entsprechenden Impulse von dieser Seite.
Überhang an Ungleichgewichten
Das ist aber nicht alles. Denn die jüngste konjunkturelle Expansion führte global zu riesigen Ungleichgewichten in Form von Leistungsbilanzdefiziten in Amerika einerseits und riesigen Währungsreserven in Asien andererseits. Die Entwicklung war und ist stark vom amerikanischen Konsum abhängig, der wiederum auf einer rasant wachsenden Verschuldung und auf einer Immobilienpreisblase basierte. Beide Prozesse können nun wegen höherer Zinsen nicht mehr weiterlaufen und dürften das amerikanische Wachstum in den kommenden Monaten deutlich abbremsen.
Nicht umsonst ist die Stimmung unter kleinen und mittleren amerikanischen Unternehmen so schlecht wie schon lange nicht mehr, und nicht umsonst bauen amerikanische Einzelhändler massiv Stellen ab. Sie scheinen mehr zu wissen als die anhaltend optimistischen Strategen und Konjunkturspezialisten. In der Vergangenheit war letzteres sogar oft ein Vorbote für eine kommende Rezession.
In diesem Sinne dürfte man die Rohstoffmärkte und die Börsen kurz- und mittelfristig mit einer gewissen Skepsis betrachten und sich in der Tendenz defensiv positionieren müssen, während die Rentenmärkte Erholungspotential haben können. Geopolitische Spannungen tun ihr übriges dazu.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |