13.07.2006 · Der Ölpreis tastet sich vorsichtig auf immer neue Rekordhöhen vor. Es ist ein schleichender, jegliche Dynamik vermissen lassender Anstieg. Technisch orientierte Analysten halten den jüngsten Aufschwung für suspekt.
Der Ölpreis tastet sich vorsichtig auf immer neue Rekordhöhen vor. Es ist ein schleichender, jegliche Dynamik vermissen lassender Anstieg. Technisch orientierte Analysten halten den jüngsten Aufschwung, in dessen Verlauf die zurückliegenden Höchststände nur geringfügig überschritten wurden, daher für suspekt.
Am Donnerstag erreichte Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) in New York mit 75,89 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) aber wieder ein neues Hoch. Techniker argwöhnen, daß dieser Preis jetzt kaum erreicht worden wäre, wenn sich die Lage im Nahen Osten zuletzt nicht so drastisch zugespitzt hätte. Es sei zu vermuten, daß die ohnehin bereits sehr stark auf der Hausseseite engagierte Spekulation in der Erwartung weitreichender Preissteigerungen zusätzlich gekauft habe. Sollten sie ausbleiben, drohe eine Liquidationsphase, heißt es.
Gemischte Nachrichten von fundamentaler Seite
Die Nachrichten von der fundamentalen Seite klingen zwar gemischt, stellen die herrschenden Preise aber nicht ernsthaft in Frage. Der wohl bedeutendste Aspekt ist der sich ebenfalls auf Rekordhöhen bewegende Benzinpreis in Amerika. Die am Mittwoch erschienenen neuen Wochenzahlen zeigen eine extrem rege Nachfrage nach dem Treibstoff, die sich wesentlich mit der Urlaubs- und Reisezeit erklären läßt. Entgegen den Erwartungen hat die Nachfrage nach Benzin in Amerika im Juni Rekordhöhen erreicht. Nach Beobachtungen von Barclays Capital scheint sich diese Tendenz im Juli fortzusetzen. In der jüngsten Berichtswoche seien die Benzinvorräte vor allem an der amerikanischen Ostküste drastisch gesunken.
Fachleute sind sich einig darin, daß jenseits des Atlantiks bereits ein Versorgungsnotstand herrschen würde, wenn nicht über Monate hinweg große Mengen Benzins aus Westeuropa importiert worden wären. Diese Importe sind wegen der weltweit begrenzten Raffineriekapazitäten zwangsläufig zu Lasten des Angebots in anderen Regionen gegangen, so daß sich besonders in Westeuropa Engpässe und steigende Benzinpreise ankündigen könnten.
Kontroverse Diskussion um Relevanz der IEA-Zahlen
Sehr kontrovers werden unterdessen neue Zahlen der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Paris, diskutiert. Kritiker werfen dieser Institution vor, zeitlich nicht nahe genug am tatsächlichen Geschehen bei Rohöl und seinen Nachprodukten zu stehen. Daraus ergäben sich chronische Mängel bei den jeweils als aktuell dargestellten Daten, die nachträglich immer wieder revidiert werden müßten. Jetzt hat die IEA ein Zahlenwerk vorgelegt, das unter Berücksichtigung von Treibstoffen, die aus Agrarprodukten gewonnen werden, und zusätzlichen Angebots an Flüssiggas aus dem Kreis der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) einen enormen Anstieg der Ölvorräte in den zurückliegenden zwölf Monaten vermuten läßt. Barclays Capital hält die Angaben der IEA für nicht stichhaltig und widerlegt sie im einzelnen. Die Versorgungslage sei weitaus angespannter, als es die IEA darstelle, meint Barclays.
Versorgungsschwierigkeiten bestehen bei Rohöl im allgemeinen derzeit nicht, wohl aber weiterhin eine Anspannung beim Angebot an schwefelarmen, leicht zu raffinierenden Ölen. Dafür werden wesentlich die seit Anfang des Jahres zu verzeichnenden Lieferausfälle in Nigeria in Höhe von gut 500.000 Barrel täglich verantwortlich gemacht. Doch an diesen Zustand scheint sich der Ölmarkt mit der Zeit hinreichend gewöhnt zu haben, so daß er auf dieses Thema wohl nur noch reagieren würde, wenn sich die nigerianischen Ausfuhren normalisieren sollten. Kein besonderes, nur immer wieder einmal in Erinnerung gebrachtes Thema ist gegenwärtig die seit dem 1. Juni laufende Hurrikan-Saison im Golf von Mexiko. Doch dies kann sich in den nächsten vier bis sechs Wochen drastisch ändern, denn dann dürften die meeresklimatischen Bedingungen im Südatlantik reif sein für das Entstehen von Wirbelstürmen. Sie würden die nach den Schäden aus dem vergangenen Jahr noch immer nicht wieder völlig normalisierte Förderung von Öl und Erdgas im Golf von Mexiko und den Raffineriebetrieb an dessen amerikanischer Küste gefährden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |