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Devisenmarkt Euro-Yen überbewertet im Aufwärtstrend

04.07.2006 ·  Der Euro läuft gegen den Yen immer weiter nach oben und erreichte am Montag ein neues Allzeithoch. Die Zinserwartungen scheinen dafür verantwortlich zu sein, obwohl die europäische Einheitswährung rund 30 Prozent überbewertet ist.

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War die Entwicklung des Euro gegen den Dollar in den vergangenen Jahren tendenziell durchwachsen, so kennt die europäische Einheitswährung gegen den japanischen Yen bisher nur eine Richtung: nach oben.

Mit 146,85 Yen je Euro erreichte sie noch am Montag ein neues Allzeithoch. Der Trend zeigt weiterhin nach oben, auch wenn die japanische Währung auf Basis von Bewertungsmodellen wie der Kaufkraftparität gegen den Euro 30 Prozent unterbewertet zu sein scheint. Allerdings haben solche Kennzahlen die unangenehme Eigenschaft, nicht für das so genannte „Timing“ geeignet zu sein. Denn sie können von Marktfaktoren lange Zeit einfach überspielt werden.

Japanische Währung wurde lange Zeit künstlich geschwächt

So wurde die japanische Währung lange Jahre absichtlich schwach gehalten oder gar künstlich durch massive Interventionen geschwächt, um auf diese Weise die japanische Exportindustrie zu stützen oder gar zu stimulieren. Immerhin war sie nach dem Platzen der Spekulationsblase an den japanischen Vermögensmärkten vor 15 Jahren lange Zeit der einzige Lichtblick, der einen Ausweg aus der induzierten deflationären Krise des Landes verhieß.

Japan scheint zwar inzwischen doch den Weg aus der Krise geschafft zu haben. Die Konsumenten zeigen wieder Kaufbereitschaft, die Preise nach dem Abbau der verschiedenen Preis- und Kursblasen wieder nach oben und die Unternehmen haben unerwartet große Investitionspläne. Beim Yen scheint sich das bisher nicht zu zeigen, auch wenn es viele erwarten. Sonst würde er endlich gegen den Euro aufwerten.

Hintergrund dürfte die Tatsache sein, daß sich der Markt kurz- und mittelfristig vor allem auf die bestehenden Zinsdifferenzen und die Zinserwartungen kapriziert. So liegt der Leitzins in den Vereinigten Staaten mit inzwischen 5,25 Prozent deutlich über dem europäischen Leitzins mit inzwischen 2,75 Prozent und natürlich über dem Nominalzins von bisher null Prozent in Japan. Inzwischen deutet zwar einiges darauf hin, daß auch die japanische Zentralbank den Leitzins in den kommenden Monaten anheben wird. Der Markt „preist“ schon eine Zinserhöhung um insgesamt 0,5 Prozentpunkte ein und manche Strategen rechnen sogar mit weiteren Zinserhöhungen.

Kurzsichtiger Blick auf die Zinsdifferenzen

Allerdings gibt es ähnliche Erwartungen auch mit Blick auf Europa. Immerhin ist auch dort die Konjunktur in jüngster Zeit dynamischer geworden. Das deutet in Verbindung mit einer rasant wachsenden Geldmenge und boomenden Immobilienmärkten in Spanien und Teilen Frankreichs auf deutliche Zinserhöhungen hin. Aus diesem Grund könnte die Zinsdifferenz zwischen Europa und Japan sogar noch größer werden, während sie bei einer amerikanischen Zinspause zwischen Japan und Amerika abnehmen könnte. Auf dieser Basis würde der Yen gegen den Euro weiter schwächeln, während er gegen den Dollar an Boden gewönne.

Daran dürfte sich nur dann etwas ändern, wenn sich Europa einerseits gegen den kompetitiven Abwertungstrend wehren oder wenn sich die japanische Zentralbank unerwartet restriktiv geben sollte. Beides ist im Moment nicht absehbar, so daß sich die Wette auf Euro-Yen bis auf weiteres nicht aufdrängt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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