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Derivate Derivatemarkt überspringt Marke von 100 Milliarden Euro

31.08.2006 ·  Der Markt für derivative Wertpapiere hat im Juli die Hürde von 100 Milliarden Euro überschritten. Und bis Jahresende wird dem Segment weiteres Wachstumspotential zugemessen.

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Der Derivatemarkt wuchs im Juli um weitere 3,8 Prozent. Dadurch hat das Segment jetzt die magische Marke von 100 Milliarden Euro überschritten. Auf Basis der Daten des Open Interests von neun Derivate-Emittenten wurden in einer von der XTP GmbH in Kooperation mit der Zertifizierungsgesellschaft der EBS European Business School durchgeführten Erhebung die „Assets under Management in derivativen Wertpapieren“ auf ein Volumen von 100,5 Milliarden Euro hochgerechnet. Seit Jahresbeginn beläuft sich somit das Wachstum auf fast 19 Prozent.

Im Juli hat das Wachstum im Derivatemarkt wieder an Fahrt gewonnen, nachdem es sich im Juni, als viele Produkte ausliefen, auf plus 0,6 Prozent abgeschwächt hatte. Nur im Januar ist in diesem Jahr ein stärkerer prozentualer Zuwachs zu verzeichnen gewesen als im Juli. „Auch nachdem wir diesen Meilenstein erreicht haben, sehen wir weiteres Potential für Zertifikate bei deutschen Privatanlegern. Bis Jahresende rechnen wir unverändert mit der Zielmarke von 110 Milliarden“, sagt Siegfried Piel, Vorstandsvorsitzender des Derivate Forums.

Open Interest steigt im Juli um 3,8 Prozent

Hinter dem Derivate Forum verbirgt sich eine im September 2004 gegründete Interessengemeinschaft der sieben Banken Deutsche Bank, Dresdner Bank, DZ Bank, Goldman Sachs, Hypo-Vereinsbank, Sal. Oppenheim und WestLB. Gemeinsames Ziel ist es, im Interesse der Privatanleger für mehr Transparenz und Verständnis bei derivativen Wertpapieren zu sorgen. Damit sollen breitere Anlegerkreise erschlossen werden.

Die Zertifizierungsgesellschaft der European Business School ist wissenschaftlicher Partner des Derivate Forums. Noch im zweiten Halbjahr 2006 sollen weitere Emittenten ihre Daten für die Markterhebung der XTP beziehungsweise der Zertifizierungsgesellschaft zur Verfügung stellen. Dadurch soll die Derivatestatistik den Markt künftig noch exakter abbilden.

Zum 31. Juli hatten die an der Statistik beteiligten neun Banken ein Volumen (Open Interest aller derivater Produkte) von 60,3 Milliarden Euro ausstehen, nach 58,1 Milliarden Euro im Vormonat. Davon entfielen 59,7 Milliarden Euro oder 98,9 Prozent auf Anlage- und 644 Millionen Euro oder 1,1 Prozent auf Hebelprodukte. Während die Preiseffekte in diesem Segment deutlich negativ waren (-9,4 Prozent), verzeichneten Anlagezertifikate einen leicht positiven Preiseffekt (+0,7 Prozent). Daraus ergibt sich ein preisbereinigtes Wachstum für den Gesamtmarkt von 3,2 Prozent.

Betrachtung der Anlageprodukte nach Anlageklassen

Zertifikate auf Aktienbasiswerte erhöhten ihren Anteil am Gesamtvolumen und sind mit 86,4 Prozent weiterhin die bedeutendste Klasse (siehe Tabelle). Das Gleiche gilt zwar auch für Hebelprodukte, jedoch ist der Gesamtanteil der Aktienpapiere mit 76,3 Prozent weiter rückläufig (Anteil im Vormonat 78,5 Prozent).

Insgesamt stieg das Volumen der derivativen Anlageprodukte der teilnehmenden Emittenten um 3,8 Prozent oder 2,2 Milliarden Euro, während Hebelprodukte im Vergleich zum Vormonat um 1,8 Prozent oder elf Millionen Euro leicht wuchsen. Über beide Zertifikatekategorien ergibt sich somit ein Wachstum von 3,8 Prozent (siehe Tabelle).

Beim Blick auf die Basiswerte zeigt sich, daß Derivate auf Aktien mit plus 2,1 Milliarden Euro oder plus 4,2 Prozent das gesamte Wachstum fast ausschließlich für sich beanspruchten. Damit erhöhte sich der Anteil der Aktienzertifikate auf 86,4 Prozent. Auch Rentenzertifikate stiegen mit 2,1 Prozent oder 121 Millionen Euro signifikant an, bezogen auf das Gesamtvolumen tragen sie nun 10,1 Prozent des Open Interests bei.

Anlageprodukte auf Hedge-Fonds-Basiswerte wuchsen um 0,4 Prozent oder drei Millionen Euro, während Währungs- und Rohstoff-Papiere nahezu unverändert blieben. Mit Anteilen von 1,5 Prozent (Hedge Fonds) oder zwei Prozent (Währungen und Rohstoffe) gehören beide Klassen zu den weniger bedeutenden Anlagekategorien.

Positive Preiseffekte von 0,7 Prozent, die im Durchschnitt gestiegene Marktpreise implizieren, waren im Juli auch zu beobachten. Bei Rentenprodukten war dieser Effekt mit 0,9 Prozent am größten, gefolgt von Aktienzertifikaten mit 0,7 Prozent. Hedge-Fonds- sowie Währungs- und Rohstoff-Papiere lieferten aufgrund ihrer geringen Preiseffekte einen unterproportionalen Beitrag zum Gesamteffekt.

Hebelprodukte im Juli wieder gefragt

Das Volumen der Hebelprodukte stieg nach einem starken Rückgang im Vormonat (13,9 Prozent) leicht an. Ihr Open Interest erhöhte sich um 1,8 Prozent oder elf Millionen Euro, wobei gefallene Marktpreise das Wachstum wesentlich negativ beeinflußten. Der Preiseffekt betrug minus 9,4 Prozent, so daß sich ein preisbereinigtes Wachstum von 11,2 Prozent ergibt.

Der Open Interest fiel in der Anlageklasse Renten mit 34,2 Prozent oder 535.000 Euro am stärksten, jedoch sind Rentenprodukte mit einem Anteil von 0,2 Prozent im Segment der Hebelprodukte zu vernachlässigen.

Aktienhebelpapiere, die 76,3 Prozent des Gesamtvolumens darstellen, fielen im Juli um 1,2 Prozent oder 5,8 Millionen Euro, während Hebelprodukte auf Währungs- und Rohstoffbasiswerte 13 Prozent oder 17,4 Millionen Euro an Volumen gewannen.

Wie beschrieben war das moderate Wachstum bei Hebelprodukten von Preiseffekten in Höhe von minus 9,4 Prozent beeinflußt. Starke Preiseffekte wareb bei Hebelprodukten auf Renten- sowie Aktien-Basiswerte mit minus 51,6 Prozent oder minus 13,3 Prozent zu beobachten, während die Preise von Währungs- und Rohstoff-Papieren um 5,6 Prozent stiegen.

Betrachtung der Anlagezertifikate nach Produktklassen

Den größten Beitrag zum Wachstum der Anlagezertifikate lieferten Expreßzertifikate, die im Juli um 13,1 Prozent oder 756 Millionen Euro zulegen. Absolut betrachtet wuchsen auch Bonus- und Teilschutz-Zertifikate mit vier Prozent oder 421 Millionen Euro sowie Garantieprodukte mit 2,8 Prozent oder 718 Millionen Euro sehr stark.

Somit stieg der Anteil von (teil-)abgesicherten Produkten am Gesamtvolumen der Anlagezertifikate auf 72,8 Prozent, wozu Garantiezertifikate 43,6 Prozent beitrugen. Der Open Interest von Discountzertifikaten erhöhte sich im Vergleich zum Vormonat ebenfalls deutlich, er stieg um 5,9 Prozent oder 290 Millionen Euro.

Im Vormonat war diese Produktkategorie aufgrund vieler ausgelaufener Produkte noch stark rückläufig gewesen, so daß nun auf eine Reinvestition der Beträge aus den ausgelaufenen Zertifikaten geschlossen werden kann.

Outperformance rückläufig

Entgegen dem Trend der übrigen Zertifikatetypen waren Outperformance- und Sprintzertifikate, Aktienanleihen sowie Basket-, Themen- und Strategie-Zertifikate rückläufig. Erstere verloren mit 2,7 Prozent am stärksten, gefolgt von Aktienanleihen mit zwei Prozent. Beide Kategorien waren mit Anteilen von 1,8 Prozent oder 1,5 Prozent aber unbedeutend im Segment der Anlageprodukte. Basket-, Themen- und Strategie-Zertifikate waren mit 0,2 Prozent nur leicht rückläufig und verzeichneten einen Anteil von sieben Prozent.

Leicht steigende Märkte trugen im Juli zum Wachstum der Anlageprodukte bei. Über alle Produktklassen betrug der Preiseffekt 0,7 Prozent. Dabei waren nur bei Outperformance- und Sprint-Zertifikaten negative Preiseffekte in Höhe von 0,3 Prozent zu beobachten. Sonstige Zertifikate zeigten mit 3,2 Prozent den eindeutig höchsten Effekt auf, jedoch sind in dieser Kategorie auch nur 0,6 Prozent des gesamten Anlagevolumens investiert, so daß diese Produkte den Gesamteffekt nur unwesentlich beeinflussen.

Signifikant positive Preiseffekte waren auch bei Basket-, Themen- und Strategie- (ein Prozent ) sowie bei Bonus- und Teilschutz-Zertifikaten (0,9 Prozent) zu beobachten.

Umsatzrückgang von 7,5 Prozent im Juli

Der gesamte Umsatz für die neun Emittenten betrug im Juli 7,1 Milliarden Euro. Davon entfielen 4,8 Milliarden Euro (67,6 Prozent) auf Anlageprodukte und 2,3 Milliarden Euro (32,4 Prozent) auf Hebelprodukte (siehe Tabellen). Die Umsätze enthielten alle Neumissionen im Juli. Da Zertifikate auf Aktien-Basiswerte in beiden Produktkategorien am häufigsten vertreten waren, konzentrierte sich der Handel in beiden Kategorien auf diese Klasse.

Der Anteil am Gesamtumsatz betrug bei Anlageprodukten 92 Prozent und bei Hebelprodukten 90,1 Prozent. Insgesamt ist der Umsatz im Vergleich zum Vormonat um 7,5 Prozent oder 580 Millionen Euro gesunken; dies entspricht einem Rückgang von acht Prozent bei Anlageprodukten und 6,6 Prozent bei Hebelprodukten. Relativ zum Open Interest waren die Umsätze von Währungs- und Rohstoff-Zertifikaten am höchsten, so daß hier mit 8,1 Prozent auch die größte Umschlagshäufigkeit sichtbar wurde.

Über alle Anlageprodukte wurden 4,5 Prozent (Vormonat fünf Prozent) des Open Interests umgeschlagen, dabei wiesen Hedge-Fonds-Produkte mit 1,8 Prozent weiterhin den niedrigsten Wert auf. Hebelprodukte hatten mit 361,9 Prozent eine wesentlich höhere Umschlagschlagshäufigkeit als Anlageprodukte, da sie relativ zu ihrem Open Interest häufiger gehandelt wurden. Der Open Interest von Aktien-Hebelprodukten wurde im Juli mehr als viermal umgeschlagen, was gleichzeitig den höchsten Wert bei Hebelpapieren darstellte.

Größter Umsatz im Expreß

Wird der Umsatz für Anlageprodukte nach Produktkategorien untergliedert, entfällt der größte Anteil mit 29,7 Prozent auf Expreßzertifikate, gefolgt von Garantie-, Bonus- und Teilschutz- Zertifikaten mit 20,6 Prozent oder 19,2 Prozent. Der Umsatz von Expreßzertifikaten stieg im Juli um 102 Prozent am stärksten, was auf die deutlich erhöhte Emissionstätigkeit in diesem Monat zurückzuführen war.

Rückläufig waren dagegen die Umsätze von Outperformance- und Sprint- (-70,5 Prozent) oder Hedge-Fonds-Zertifikaten (-67,6 Prozent). Indexzertifikate wurden wie in den Vormonaten relativ zu ihrem Volumen am meisten gehandelt. Im Juli wurden dabei 13,8 Prozent Open Interests von Indexprodukten umgeschlagen.

Discountzertifikate verzeichnen mit 11,7 Prozent einen ähnlich hohen Wert. Insgesamt ist im bisherigen Jahresverlauf der Open Interest von 50,7 Milliarden Euro auf 60,3 Milliarden Euro gestiegen, dies entspricht einem Wachstum von 18,9 Prozent.

Aufgrund des geschätzten Marktanteils der teilnehmenden Emittenten von circa 60 Prozent und dem beobachteten Wachstum von 3,8 Prozent im Juli, geht das Derivate Forum von einem aktuellen Gesamtmarktvolumen von 100,5 Milliarden Euro aus.

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