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FAZ.NET-Studie Rücktritte von Finanzchefs sind Kurs-Warnsignale

 ·  Kinowelt und Kabel New Media zeigen: Rücktritte von Finanzchefs sind groß in Mode. Den Kursen tut das in der Regel nicht gut, belegt eine FAZ.NET-Studie.

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Nicht erst Kabel New Media und Kinowelt beweisen: Rücktritte von Finanzchefs sind groß in Mode. Ob schuldig oder nicht: stimmen die Zahlen nicht, müssen sie den Kopf hinhalten. Und da derzeit die Ergebnisse häufig nicht stimmen, verliert fast im Wochentakt ein Finanzvorstand seinen Job. Für einen Anleger stellt sich da die Frage: was bedeutet das für die Aktienkurse und wie verhalte ich mich?

Wie die angehängte Tabelle zeigt, gibt es in der Regel nicht viel zu überlegen. Wer auf Nummer sicher gehen will, verkauft am besten sofort seine Aktien, wenn der Finanzvorstand geht. Zumindest legt eine von FAZ.NET durchgeführte Untersuchung diesen Schritt nahe.

Sterben der Finanzvorstände am Neuen Markt

Um Aufschluss über das Kursverhalten zu bekommen, haben wir verfolgt, wie Aktien auf die Rücktrittsankündigung reagieren. Als Grundlage griffen wir auf die 31 Unternehmen zurück, die nach unseren Recherchen seit Jahresanfang bis Anfang Juli per Ad-hoc-Mitteilung einen entsprechenden Schritt verkündeten. Nicht überraschend kommt dabei mit 21 Fällen der überwiegende Teil der Rücktrittsmeldungen von Gesellschaften mit einem Listing am Neuen Markt. Die restlichen zehn Rücktritte stammen von Unternehmen, die im CDax (sieben Fälle) oder im österreichischen ATX (drei Fälle) gelistet sind.

Zunächst nur moderat negative Kursentwicklung ...

Schon am ersten Handelstag nach Bekanntgabe des Rücktritts ergibt sich eine schlechtere Performance der betroffenen Werte als beim Index, dem sie zuzurechnen sind. Im Schnitt ergab sich da bei den Einzelwerten ein Kursminus von 0,39 Prozent, während die Indizes nur um 0,17 Prozent fielen. Allerdings ist der Performance-Unterschied nicht so groß, als dass man aufhorchen würde.

Eigentlich sollte man vermuten, dass der Rücktritt eines Finanzvorstandes sofort stärkere Kurseinbrüche nach sich zieht, als es offenbar der Fall ist. Schließlich drängt sich oft der Verdacht auf, dass bei dem betroffenen Unternehmen irgend etwas im Busch sein muss. Doch die erste Reaktion wird selbst dann nicht wesentlich auffälliger, wenn der positive Ausreißer MWG Biotech herausgerechnet wird. In diesem Fall ergibt sich für die Einzelwerte ein Minus von 2,17 Prozent und für die Indizes ein Minus von 0,28 Prozent.

... die sich im Zeitablauf aber verstärkt

Sehr interessant ist aber das Kursverhalten danach. Führt man die gleiche Rechnung einen Monat später noch einmal durch, ergibt sich folgendes Bild: Die Unternehmen, in denen ein Finanzvorstand gegangen ist, haben dann im Schnitt sieben Prozent verloren, während die jeweils zugehörigen Indizes nur einen Abschlag von 4,9 Prozent hinnehmen mussten. Noch gravierender wird das Missverhältnis, wenn der Zeithorizont ausgedehnt wird. Betrachtet man die Wertentwicklung vom Tag des Rücktritts bis zu der von uns gesetzten Deadline am 17. Juli, dann zeigt sich, dass die Unternehmen mit negativer Finanzchef-Presse weiter an Boden verloren haben. Im Schnitt verloren sie bis zu diesem Zeitpunkt 31,24 Prozent, die Indizes aber „nur“ 22,04 Prozent.

Fazit: Es lohnt sich somit durchaus, dem Rücktritt oder erst recht der Kündigung eines Finanzvorstandes Beachtung zu schenken. Zwar kommt es durchaus des öfteren vor, dass einige Einzelwerte den Index danach auch schlagen. Aber die Gefahr, auf das falsche Pferd zu setzen - und in diesem Fall dann wirklich massive Verluste hinnehmen zu müssen - ist zu groß, als dass man dieses Risiko eingehen sollte.

Zumindest sollten sich Anleger die Mühe machen, die Gründe für das Ausscheiden genau zu hinterfragen. Ein Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen oder wegen neuer Herausforderungen ist natürlich anders zu werten als ein auf mangelnden Fähigkeiten oder ein auf Leichen im Keller beruhendes Ausscheiden. So schwammig wie die Meldungen häufig formuliert sind, wird es allerdings meistens schwierig sein, die wahren Hintergründe für das Ausscheiden in Erfahrung zu bringen.

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