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Londoner Börse : Konfisziertes Diamantenpaket sorgt für Kurssturz

Der Finanzminister von Tansania, Philip Mpango, begutachtet die beschlagnahmten Steine. Bild: Reuters

Ein in London beheimateter Förderer Petra Diamonds streitet sich mit der Regierung in Tansania um den Wert der Lieferung. Welchen Wert haben die Edelsteine, um die es geht?

          Die Regierung in Tansania hat eine mehr als 14 Kilogramm schwere Diamanten-Lieferung aus einem Bergwerk des in London notierten Förderers Petra Diamonds beschlagnahmt. Die Nachricht löste am Montagmorgen einen Sturz des Aktienkurses um fast 30 Prozent aus. Petra Diamonds ist der größte börsennotierte Diamantenkonzern auf der Welt. Eine Tochtergesellschaft von Petra Diamonds habe den Wert der Lieferung lediglich mit 14,8 Millionen Dollar angegeben, teilte das Finanzministerium zur Erklärung mit. Aus Behördensicht aber seien die Diamanten mit einem Gewicht von 71.654 Karat knapp 30 Millionen Dollar wert. Das Paket wurde schon Ende August am Flughafen von Daressalam konfisziert. Es war auf dem Weg nach Antwerpen. Sollte das Unternehmen betrogen haben, könne der Staat als Strafe die Diamanten einbehalten, drohte der Finanzminister.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Der tansanische Staatspräsident John Magufuli will in der Minenindustrie härter durchgreifen. Eine Untersuchungskommission hatte in der vergangenen Woche zahlreiche Regelverstöße der Branche beanstandet. Zwei Minister traten daraufhin zurück. Auch Petra Diamonds war in dem Bericht aufgetaucht wegen angeblich nicht ordnungsgemäßer Steuerzahlungen. Das Unternehmen indes teilte mit, transparent zu agieren und sich an alle Gesetze des Landes zu halten.

          PETRA DIAMONDS

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          Die Untersuchungen hätten ergeben, dass die Minenkonzerne „ihre Spielchen“ in Tansania trieben, sagte Magufuli, der wegen seiner Entschlossenheit den Spitznamen „Bulldozer“ trägt. Wenn die Unternehmen weiterhin ein „Problem“ darstellten, sollten sie sich verabschieden und die Bodenschätze künftigen Generationen überlassen: „Dann können normale Bürger die Gruben übernehmen.“ Die tansanische Regierung hofft, dass der Bergbau bis 2025 mindestens doppelt so viel zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert wie bisher. Derzeit beträgt der Anteil weniger als 4 Prozent.

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          Williamson ist die einzige größere Diamantengrube in Tansania, und eine der berühmtesten der Welt. 1940 hatte der kanadische Geologe John Williamson das Vorkommen entdeckt. Er selbst wurde durch den Fund zu einem reichen Mann, führte die Mine 18 Jahre lang bis zu seinem Tod. Danach wechselte sie ein paar Mal den Besitzer, bis sie 2009 vom Marktführer De Beers für 10 Millionen Dollar an Petra Diamonds verkauft wurde. Das Bergwerk sorgt immer wieder mit außergewöhnlichen Diamanten für Schlagzeilen. Vor zwei Jahren fand Petra Diamonds einen seltenen rosafarbenen Hochkaräter, der 10 Millionen Dollar erlöste. Aus der Mine stammt auch der Williamson-Diamant, den die britische Königin einst zu ihrer Hochzeit geschenkt bekam und der die Idee zum Film „Pink Panther“ geliefert haben soll. Petra Diamonds teilte mit, die Förderung vorübergehend zu stoppen. Man arbeite mit den Behörden zusammen, um den Disput zu lösen.

          Der Aktienkurs erholte sich im Tagesverlauf etwas, ein erhebliches Minus blieb aber. Die Bewertung von Diamanten ist schwierig, da der Preis nicht nur vom Gewicht, sondern auch von Faktoren wie der Farbe und der Klarheit abhängt. Im Gegensatz zu Gold oder Platin gibt es keinen einheitlichen Marktpreis.

           

          Quelle: F.A.Z.

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