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EZB-Präsident : Draghi warnt vor Lockerung der Bankenregulierung

Eindringlich: Mario Draghi hier bei einem Auftritt in der Europäischen Zentralbank im April. Bild: AP

Auf der geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole wird der EZB-Präsident deutlich – und spricht dabei vor allem einen Staat an. Zuvor findet auch die Vorsitzende der amerikanischen Notenbank eindringliche Worte.

          Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat in kaum verhüllten Worten die Politik in den Vereinigten Staaten gewarnt, die Bankenregulierung zu lockern. In einer Rede auf der geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole sagte Draghi, die rund um den Globus betriebene lockere Geldpolitik sei nur möglich, weil die Regulierungen der Finanzbranche dazu beitrügen, die Gefahren spekulativer Blasen an den Finanzmärkten klein zu halten. Eventuell sinnvolle Änderungen von Regulierungen sollten in internationalen Gremien besprochen werden. Notwendig sei hierfür „ein gegenseitiges Vertrauen“.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Ohne die Vereinigten Staaten explizit zu nennen, sagte Draghi, wenn große Länder im Alleingang ihre Regulierungen des Finanzsektors änderten, würde davon auch die internationale Finanzwelt betroffen. Entgegen mancher Spekulationen an den Finanzmärkten äußerte sich Draghi ausweislich des von EZB verbreiteten Redemanuskripts nicht zur aktuellen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und zu den für den Herbst vorgesehenen Beratungen über die Zukunft des Anleihenkaufprogramms. An den Finanzmärkten ist die Ansicht verbreitet, die EZB werde im nächsten Jahr ihre monatlichen Käufe reduzieren und eventuell ganz einstellen.

          Yellen: Die Banken sind sicherer

          Vor Draghi hatte die Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, Janet Yellen, in einer Rede allenfalls moderate Änderungen der amerikanischen Finanzmarktregulierung empfohlen. Yellen äußerte sich allerdings so vage, dass Beobachter uneins waren, ob sie mit ihren Worten den amerikanischen Präsidenten Donald Trump von Änderungen der Regulierung abbringen wollte oder nicht.

          Yellens Beschreibung der Jahre seit dem Ausbruch der Finanzkrise lassen sich so zusammenfassen: Ja, die amerikanischen Banken sind heute sicherer als beim Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren. Ja, es hat viele Reformen gegeben, die dazu beitragen, dass die Banken heute in einem geordneteren Umfeld arbeiten als noch vor zehn Jahren. Ja, die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt, was eine niedrige Inflation und eine hohe Beschäftigung zeigen. Und wenn es auch gute Gründe gibt, für die Zukunft weniger Finanzkrisen vorherzusagen, so lassen sie sich nicht gänzlich ausschließen. Noch vor einigen Wochen hatte Yellen gesagt, sie glaube nicht, dass es zu ihren Lebzeiten zu einer weiteren Finanzkrise kommen werde.

          Yellens Kernsatz lautete: „Die weitere Entwicklung des Finanzsystems in Reaktion auf die globalen wirtschaftlichen Kräfte, die Technologie und auch die Regulierung wird früher oder später die altbekannten Gefahren eines überbordenden Optimismus, Verschuldung und Fristentransformation auf neue Weise hervorbringen und politische Antworten erfordern.“

          Janet Yellen

          Man hätte, wie es der amerikanische Ökonom Larry Summers vor Yellens Rede befürchtete, aus diesen Sätzen Yellens Ansicht herauslesen können, dass die Geldpolitik auf Gefahren für die Finanzstabilität reagieren müsse. In diesem Falle wären weitere Leitzinserhöhungen wahrscheinlicher geworden und diese Aussicht hätte den Dollar gegenüber anderem Währungen stärken und die Renditen amerikanischer Staatsanleihen in die Höhe schicken müssen. Doch das Gegenteil geschah: Am Devisenmarkt wertete der Euro während Yellens Rede von 1,18 auf 1,1935 Dollar auf und am Anleihemarkt fiel die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen von 2,19 auf 2,17 Prozent.

          Vermutlich hatten die Marktteilnehmer Yellens anschließende Bemerkungen als eine Relativierung der Gefahren betrachtet: „Wir können niemals sicher sein, dass es keine neuen Krisen geben wird, aber wenn wir unsere Lektionen nicht vergessen – und die mit der jüngsten Krise verbundenen schmerzhaften Kosten – und entsprechend handeln, können wir darauf hoffen, dass es weniger Krisen im Finanzsystem und in der Wirtschaft geben wird und dass die Bewältigung künftiger Krisen schneller und mit weniger Lasten für die privaten Haushalte und die Unternehmen einhergehen wird.“

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