04.01.2006 · Auch 2005 verzeichneten die börsennotierten Indexfonds ein deutliches Umsatz- und Volumenwachstum. Gleichzeitig sinken die Gebühren durch den hohen Wettbewerb. Die Fonds werden auch für private Anleger interessanter.
Die Erfolgsgeschichte börsennotierter Indexfonds - sogenannter Exchange Traded Funds (ETF) - hat sich im vergangenen Jahr fortgesetzt: Sowohl die Umsätze als auch die Zahl der Produkte haben in Deutschland deutlich zugelegt. Das einzige, was rückläufig war, sind die Gebühren - sehr zur Freude der Anleger.
Die Zahl der ETFs ist der Deutschen Börse zufolge im vergangenen Jahr von 54 auf 77 Stück gestiegen. Die in diesen Produkten verwalteten Mittel haben sich von 16,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 26 Milliarden Euro Ende November erhöht. Dies ist ein Zuwachs von fast 60 Prozent.
Der Erfolg dieser Fonds dokumentiert sich auch in einem Anstieg des Handelsvolumens: Um rund 45 Prozent auf 46 Milliarden Euro sind die Umsätze mit ETFs im vergangenen Jahr an der Deutschen Börse gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Verwaltungsvergütungen nochmal gefallen
ETFs sind Fonds, bei denen die Wertentwicklung eines Index nahezu identisch nachvollzogen wird. Dabei sind sie kostengünstiger als normale Aktienfonds, vor allem als solche Aktienfonds, die mittels eines aktiven Fondsmanagements ihren Vergleichsindex schlagen wollen.
Zudem werden diese Fonds im Gegensatz zu regulären Fonds an der Börse gehandelt - damit entfällt für den Anleger der sogenannte Ausgabeaufschlag, welcher bei normalen Fonds fällig wird und der in der Regel komplett dem Vertrieb zufällt. Lediglich die üblichen Transaktionskosten beim Kauf und Verkauf über die Börse werden fällig. Diese Gebühren sollten aber deutlich unter den bei Fonds üblichen 5 Prozent liegen.
Auch die jährliche Verwaltungsvergütung dieser Produkte liegt deutlich unter derjenigen für normale Aktienfonds, bei denen der Anleger in der Regel zwischen einem und anderthalb Prozent zahlt. Und ebenjene Verwaltungsvergütungen sind im vergangenen Jahr noch einmal deutlich gefallen: So hat der deutsche Marktführer, die Indexchange, in den ersten Jahren von einer Exklusivlizenz auf den Deutschen Aktienindex (Dax) profitiert.
Attraktives Geschäft bei großem Mittelaufkommen
Allerdings hat die Deutsche Börse Ende Januar 2005 eine zweite Dax-Lizenz an den Deutsche-Bank-Fondsanbieter DVG vergeben, der sogleich mit Kampfkonditionen in den Markt drängte. Verlangte Indexchange bis zum Eintritt der DVG für den Dax-ETF, das mit Abstand umsatzstärkste Produkt auf Xetra, eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,5 Prozent des verwalteten Vermögens, kam der DVG-Dax-ETF mit 0,15 Prozent auf den Markt. Indexchange zog sofort nach und senkte die Gebühren ebenfalls auf 0,15 Prozent. Auch für ihre Euro-Stoxx-50- Fonds verlangen die beiden deutschen Anbieter nur 0,15 Prozent.
Laut Indexchange war es aber nicht nur der verschärfte Wettbewerb, der das Unternehmen zu einer Gebührensenkung veranlaßt hat: Mit zunehmender Größe der Fonds verteilen sich die Fixkosten dieser Produkte auf immer größere Anlagesummen, was eine kostengünstigere Verwaltung ermöglicht - diese Größenvorteile habe man nun an die Anleger weitergegeben.
So sind auch die Verwaltungsvergütungen für andere Indexchange-Produkte auf 0,19 Prozent gesunken - das Geschäft mit ETFs ist also nur bei entsprechend großem Mittelaufkommen attraktiv. Das hat man bei Indexchange auch: Die Tochtergesellschaft der Hypo-Vereinsbank hat im vergangenen Jahr netto 2,6 Milliarden Euro eingesammelt, gegenüber 2,4 Milliarden im Vorjahr.
Berater haben kein Interesse an Vermittlung
Da zudem auch die Kurse der den Fonds zugrunde liegenden Indizes gestiegen sind, verbucht die Indexchange einen Zuwachs an verwalteten Mitteln in Höhe von 4 Milliarden Euro und verwaltet jetzt rund 10 Milliarden Euro an Geldern.
Dem Konkurrenten DVG sind im vergangenen Jahr netto mehr als 1,4 Milliarden Euro zugeflossen; insgesamt verwaltet man dort jetzt ein Volumen von rund 1,7 Milliarden Euro. Den ETFs des dritten großen Spielers am Markt, I-Shares, sind im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Euro zugeflossen. Insgesamt verwaltet man dort jetzt 9,8 Milliarden Euro in ETFs, die in Deutschland registriert sind.
Die niedrige Gebührenstruktur der ETFs ist zwar ein Kaufargument, aber kein Argument für den Vertrieb: Da außer Honorarberatern Berater an der Vermittlung dieser Produkte zumeist nichts verdienen, haben sie kein sonderlich großes Interesse, ihren Kunden ETFs zu empfehlen. Das hat zur Folge, daß die meisten Investoren in ETFs institutionelle Anleger sind - Schätzungen gehen davon aus, daß nur 10 Prozent der Anleger in ETFs Privatkunden sind.
Weltweite Erfolgsgeschichte
Dabei dürfte die Palette der ETFs in diesem Jahr noch größer werden, was sie auch für Privatanleger noch attraktiver macht: „Die Zahl der ETFs, mit denen man als europäischer Anleger auch auf Länder oder Regionen wie Brasilien, Osteuropa oder auf bestimmte Strategien wie Dividendenwerte setzen kann, wird in den kommenden Jahren zunehmen“, sagt Jan Altmann, Vorstand der Unternehmensberatung Funds at Work. Allerdings werde es auch zu einer Konsolidierung der Anbieter kommen - es gebe zu viele identische ETFs in Europa.
Auch weltweit waren ETFs bisher eine Erfolgsgeschichte: Laut der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley ist die Anzahl börsengehandelter Indexfonds weltweit in diesem Jahr auf mittlerweile 400 angestiegen, die per Ende September ein Vermögen von insgesamt 360 Milliarden Dollar verwalten.
Größter Markt für diese Anlageinstrumente sind die Vereinigten Staaten mit 180 Fonds und einem verwalteten Vermögen von 263 Milliarden Euro. In Europa sind mehr als 150 Fonds erhältlich, in denen die Anleger insgesamt rund 48 Milliarden Euro investiert haben. Das verwaltete Vermögen in börsengehandelten Indexfonds ist seit Jahresbeginn in den Vereinigten Staaten um 15,7 Prozent und in Europa um 41,5 Prozent gestiegen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |