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Exchange Traded Funds : Blackrock meldet Rekordzuflüsse

Die Blackrock-Tochter iShares bricht mit ihren ETFs ihre eigenen Rekorde. Bild: Reuters

Indexfonds sind beliebt wie nie: Der Chef des Marktführers iShares, Mark Wiedman, erwartet in fünf Jahren eine Verdopplung seiner Gelder.

          Anleger setzen bei der Geldanlage immer stärker auf passive Indexfonds statt auf die klassisch aktiv gemanagten Investmentfonds. Der Marktführer iShares hat in diesem Jahr schon in den ersten neun Monaten deutlich mehr Geld mit seinen Exchange Traded Funds (ETFs) eingesammelt als im gesamten Vorjahr, das schon einen Rekord markiert hatte, wie der Chef der Blackrock-Tochter, Mark Wiedman, im Gespräch mit der F.A.Z. sagte.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um umgerechnet 20 Milliarden Euro haben die iShares-Produkte ihm zufolge in Europa schon bis Oktober zugelegt; im ganzen Jahr 2014 seien es 20 Milliarden gewesen. Damit bleibt iShares laut Wiedman mit einem Portfolio von 230 Milliarden Dollar Marktführer in Europa, vor den großen europäischen Anbietern DB-Xtrackers von der Deutschen Bank und Lyxor.

          Gute Chancen in Europa und Japan

          Wiedman ist zuversichtlich, dass das Wachstum anhält. Er erwartet, dass sich der europäische Markt noch einmal verdoppeln werde in den kommenden fünf Jahren. Denn nach wie vor sind die Summen, die in ETFs liegen, klein, verglichen mit denen in herkömmlichen Investmentfonds, Finanzderivaten oder solchen, die direkt im Aktien- und Anleihemarkt investiert sind. Über die Indexfonds könnten auch Privatanleger direkt in ausländische Märkte investieren und erhielten dabei die gleichen Preise wie die großen institutionellen Kapitalgesellschaften, preist Wiedman die Vorzüge an.

          Er selbst sieht gute Chancen vor allem in europäischen und japanischen Aktienmärkten. Hier verbuche iShares auch die stärksten Zuflüsse. „In diesen Zeiten machen die Zentralbanken die Märkte“, sagt Wiedman. „Und sowohl in Europa als auch in Japan haben die Zentralbanken sehr klar gemacht, dass sie alles tun werden, um die Märkte stabil zu halten. Und das heißt: Es wird weiter Geld hineinfließen.“ In den Vereinigten Staaten erwartet Wiedman eine kleine Zinsanhebung der Notenbank (Fed), will sich aber nicht festlegen, ob sie noch in diesem Jahr kommen wird. Da die Zinsen aber ohnehin nur marginal angehoben würden, sei die Bedeutung einer solchen Zinswende überbewertet. „Die Märkte fokussieren sich da zu sehr auf eine Frage.“

          Ein wichtiger Treiber, der der ETF-Branche in die Hände spielt, sind die strikteren Regeln für die Banken. Bankmitarbeiter haben immer gerne Investmentfonds vertrieben, weil sie von den Kapitalanlagegesellschaften dafür Provisionen erhalten haben. In Europa wird diese Praxis aber zunehmend eingeschränkt, oder Banken müssen offenlegen, wie viel sie am Verkauf von Fondsanteilen verdienen.

          Für die ETF-Anbieter, die solche Provisionen nicht zahlen und ihre Produkte vielmals ohnehin über Online-Broker direkt dem Kunden anbieten, ist diese neue Transparenz von Vorteil. Gleichzeitig werden viele Finanzprodukte wie Derivate und Terminkontrakte wegen neuer Kapitalvorschriften auch für große institutionelle Anleger wie Pensionskassen immer teurer. Auch hier sieht Wiedman ein wachsendes Interesse an seinen Produkten. Das Potential sei riesig.

          Viele „Ich-auch-Kopien“ auf dem Markt

          Doch mit der Beliebtheit der ETFs wächst auch die Unübersichtlichkeit für die Anleger. Denn immer mehr Anbieter drängen mit immer neuen Produkten in den Markt. Über sogenannte Smart-Beta-Varianten versprechen sie den Anlegern, auch innerhalb von Indizes noch unterschiedliche Faktoren stärker zu gewichten und so die Rendite zu verbessern oder Risiken zu verringern. Hinzu kommen ETFs, die das eingesetzte Geld hebeln und somit auch zu vergrößerten Verlusten führen können, sowie ETFs, bei denen der Kunde nicht von der guten Entwicklung eines Marktes profitiert, sondern umgekehrt von der schlechten.

          Wird der Markt, dessen wichtigstes Verkaufsargument die Einfachheit ist, zu kompliziert? „Es gibt inzwischen eine Menge Überflüssiges auf dem Markt“, sagt Wiedman. Viele Anbieter drängten mit simplen „Ich-auch-Kopien“ bestehender Produkte auf den Markt. Aus seiner Sicht sind sie zu klein, um Geld zu verdienen. „Wir berechnen 7Cent für 100Dollar, die in ETFs auf große Indizes wie den S&P 500 oder den FTSE 100 liegen“, sagt Wiedman. Man müsse schon sehr große Volumina vereinen, um bei solchen Margen Geld zu verdienen.

          Der Markt in Europa ist noch wesentlich kleiner als der in den Vereinigten Staaten, und dennoch gibt es mit rund 45 Anbietern hier deutlich mehr Spieler. Wiedman hält eine Konsolidierung für sinnvoll. Aber es traue sich wohl niemand, zu seinem Vorstand zu gehen und ein Einstellen des ETF-Geschäfts vorzuschlagen. Für den Marktführer sei das nicht schlecht: „Ich habe immer gesagt: Wir können diesen Markt nicht alleine großziehen, andere müssen beim Wachsen helfen. Wichtig ist nur: Wenn andere mitwachsen, müssen wir schneller wachsen.“

          Die zunehmende Komplexität und die wachsenden Volumina rufen auch die Aufseher auf den Plan. Kritiker bemängeln fehlende Transparenz, der Kunde könne nicht immer nachvollziehen, welche Produkte eigentlich in seinem ETF lägen – ideale Voraussetzungen, um darin wie vor der Finanzkrise in vielen strukturierten Produkten Schrottpapiere zu verstecken. So könnten die Anbieter zum Beispiel auch minderwertige Anleihen darin verstecken. Wiedman weist solche Vorwürfe zurück. „ETF sind genauso streng reguliert wie herkömmliche Investmentfonds. Sie sind vollkommen transparent und es gibt nichts zu verstecken.“

          Quelle: F.A.Z.

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