25.08.2006 · Nach Fusionsgesprächen von Banca Intesa und San Paolo Imi in Italien spekulieren die Anleger auch unter Europas Banken auf Zusammenschlüsse. Daher legte die Commerzbank-Aktie zeitweilig mehr als vier Prozent zu.
Von Benedikt FehrDie Fusionsgespräche von Banca Intesa und San Paolo Imi (SPI) haben die Phantasie der Investoren über weitere Übernahmen und Zusammenschlüsse unter Europas Banken angeregt. Am meisten profitierten davon am Freitag die Aktien der Commerzbank, die zeitweilig mehr als 4 Prozent zulegten. „Wenn überall in Europa größere Kreditinstitute entstehen, erhöht dies auch in Deutschland den Konsolidierungsdruck“, erläuterte Olaf Kayser, ein Bankanalyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, das Kalkül der Anleger. Auch die Aktien anderer europäischer Banken verbuchten größere Kursgewinne.
Wie berichtet, haben die beiden italienischen Banken am Donnerstag mitgeteilt, am Wochenende über eine Fusion beschließen zu wollen. Die Börse hat darauf sehr positiv reagiert. Die Intesa-Aktie gewann am Donnerstag fast 8 Prozent und rückte am Freitag noch etwas weiter vor, die Titel von SPI stiegen am Donnerstag um 6 und am Freitag um 3,5 Prozent. Die Börse applaudiere, weil eine Konsolidierung des stark fragmentierten italienischen Marktes Effizienzgewinne verspreche, sagte Pablo Baldarrain Santos, Bankanalyst bei Morgan Stanley in London. Aus italienischer Sicht komme als positiv hinzu, daß sich die beiden Banken dadurch zunächst einmal gegen die Übernahme durch ihre ausländischen Großaktionäre schützten.
Italienische Großbank von europäischem Format
Käme es zu einem Zusammenschluß, würde dadurch neben dem Unicredit eine zweite italienische Großbank von europäischem Format entstehen. Kombiniert hätten die beiden Häuser derzeit eine Börsenkapitalisierung von rund 65 Milliarden Euro. Der neue Konzern würde damit nach diesem Maßstab ungefähr gleichauf mit dem Unicredit auf Rang 6 in Europa liegen (siehe Graphik). Er hätte damit die Größe, bei der weithin erwarteten Konsolidierung des europäischen Bankenmarktes eine aktive Rolle zu spielen. Zum Vergleich: Der deutsche Branchenführer Deutsche Bank bringt es zur Zeit trotz seiner Milliardengewinne nur auf einen Börsenwert von 46 Milliarden Euro.
Gemessen an der Zahl der Filialen und dem Anteil am Privatkundengeschäft, wäre ein Konzern Intesa-SPI in Italien weitaus größer als der Unicredit, zu dem die deutsche Großbank Hypo-Vereinsbank gehört. Daran machen sich Spekulationen fest, daß dies den Unicredit unter Zugzwang bringen könnte, sich in Italien weiter zu verstärken. Als Kandidat für eine Übernahme gilt Italiens viertgrößtes Bankhaus Capitalia. Die Capitalia-Aktie ist auf diese Spekulationen hin am Freitag um gut 3,1 Prozent gestiegen, das Papier von Unicredit gab indes um rund 1,8 Prozent nach. Auch die Aktien von ABN Amro profitierten von diesen Überlegungen und stiegen um rund 2 Prozent; die niederländische Bank hält 4,5 Prozent an Capitalia und könnte sich dieses Paket teuer abkaufen lassen.
„Die Commerzbank wäre nur ein Happen“
Größter Aktionär bei Intesa ist der französische Crédit Agricole mit einem Paket von 18 Prozent; bei SPI ist der spanische Grupo Santander mit 10 Prozent beteiligt. Bei einem Zusammenschluß würden beide Beteiligungen verwässert, der Crédit Agricole bliebe aber der größte Aktionär des neuen Konzerns und könnte damit auf Details der Fusionsverhandlungen und die künftige Geschäftspolitik Einfluß nehmen. Da dies der selbstbewußten Führung des Grupo Santander nicht behagen dürfte, könnten die Spanier ihr SPI-Paket verkaufen. Anschließend dürften sie sich angesichts ihres Expansionsdrangs nach anderen Kandidaten umschauen, heißt es in den Gerüchteküchen.
Bei solchen Spekulationen über eine europäische Bankenkonsolidierung rückt schon seit Jahren regelmäßig die Commerzbank ins Blickfeld. „Auch nach der Übernahme des Immobilienfinanzierers Eurohypo wäre die Commerzbank für die großen europäischen Häuser nur ein Happen“, sagt Konrad Becker, ein Bankanalyst bei Merck Finck in München, und verweist darauf, daß Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank nur einen Börsenwert von knapp 18 Milliarden Euro hat.
Zweifel, „daß sich in den nächsten Monaten etwas tut“
Der Kursanstieg der Commerzbank-Aktie zeige, daß der Markt nach einiger Pause wieder etwas Phantasie hinsichtlich weiterer Konsolidierungsschritte in Europa entwickle, meint Becker. Möglicherweise habe dabei auch eine Rolle gespielt, daß dem Chef der Bank of America, Kenneth Lewis, am Donnerstag in einem Fernsehbericht Übernahmegelüste zugeschrieben worden seien. Allerdings sei sehr unwahrscheinlich, daß Lewis dabei an die Commerzbank denke, meint Becker.
Auch Bankanalyst Kayser hält eine Übernahme der Commerzbank durch eine amerikanische oder europäische Großbank für unwahrscheinlich. Wenn überhaupt, strebe der Frankfurter Konzern eine Fusion unter Gleichen an, meint Kayser. Die Rolle eines Juniorpartners werde die Führung der Commerzbank kaum spielen wollen, mutmaßt er. Da aber feindliche Übernahmen bei Banken kaum in Frage kämen, dürfte vorerst alles bleiben, wie es ist. „Auch wenn die Phantasie jetzt wieder blüht, bezweifle ich, daß sich in den nächsten Monaten etwas tut.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.840,94 | +1,32% |
| FAZ-INDEX | 1.524,93 | +1,31% |
| TecDAX | 779,79 | +0,91% |
| MDAX | 10.413,70 | +1,14% |
| SDAX | 5.041,32 | +1,03% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.521,54 | +1,29% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.904,10 | +0,96% |
| Nasdaq 100 | 2.592,29 | +1,42% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3172 | +0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 119,99 $ | −0,05% |
| Gold | 1.713,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,34 € | −0,27% |