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Europäische Aktien Erleichterung an der Börse

03.11.2011 ·  Mit der Zinssenkung der EZB am Donnerstag haben die Akteure auf den Finanzmärkten nicht gerechnet. Dennoch feiern sie die Nachricht mit kräftigen Aktienkäufen.

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Die europäischen Aktienmärkte haben nach der EZB-Leitzinssenkung am Donnerstag eine Erholungsrally eingeleitet. Der Euro Stoxx 50, der Leitindex auf Standardwerte aus dem Euroraum, stieg in der Spitze um 3,5 Prozent auf 2373 Punkte und lag am späten Nachmittag 2,4 Prozent höher bei 2348 Punkten.

Favoriten unter den europäischen Standardwerten waren Finanzaktien. Die Titel der niederländischen Bankengruppe ING lagen mehr als 9 Prozent im Plus. Auch die Aktien der französischen Banken BNP Paribas und Société Générale zählten zu den Favoriten.

Am deutschen Aktienmarkt stieg der Dax um bis zu 3,8 Prozent auf ein Tageshoch von 6193 Punkten. Am späten Nachmittag lag er 2,6 Prozent im Plus bei 6120 Punkten. Die Titel der Commerzbank tendierten 5,2 Prozent fester. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie dennoch fast zwei Drittel an Wert verloren.

Überraschende Zinssenkung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für die Euro-Zone auf 1,25 Prozent gesenkt. Bei der ersten EZB-Ratsitzung unter Leitung ihres neuen Präsidenten Mario Draghi verringerte die Notenbank den Zinssatz damit um 0,25 Prozentpunkte, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Erstmals seit Mai 2009 beschloss die Notenbank damit wieder eine Absenkung des Leitzinses.

Auf den europäischen Rentenmärkten verzeichnete der Bund-Future, der für die Märkte richtungweisende Terminkontrakt auf deutsche Bundesanleihen, Kursverluste. Nach der Zinsentscheidung lag er 63 Basispunkte unter dem Schlussstand vom Mittwoch bei 136,94 Punkten. Der Euro notierte bei 1,3750 Dollar.

Beflügelt von zunehmender Hoffnung auf einen Bestand des
internationalen Rettungspakets für Griechenland hat die New Yorker Börse am Donnerstag fester eröffnet. Kurz nach Handelsbeginn legte der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte um 128 Punkte oder 1,1 Prozent auf 11.969 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 23 Punkte oder 0,9 Prozent auf 2663 Zähler.

Trübe Aussichten

Beobachter waren im Vorfeld der Entscheidung mehrheitlich davon ausgegangen, dass die Währungshüter den Zinssatz im November auf seinem bisherigen Stand von 1,5 Prozent belassen würden. Mit der überraschenden Absenkung reagieren sie nun auf sich eintrübende Wirtschaftsaussichten in der Währungsunion.

Niedrige Zinsen sollen dabei die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen anfeuern. Das birgt jedoch die Gefahr, dass die Inflation im Euro-Raum weiter steigt. Sie lag im vergangenen Monat bei 3,0 Prozent. Eigentlich ist die Notenbank darum bemüht, die Teuerungsrate knapp unter 2 Prozent zu halten.

„Mehr als gerechtfertigt“

„Das ist eine sehr positive Überraschung“, sagte Christian Schulz, Analyst bei der Berenberg-Bank. „Die Zinssenkung ist mehr als gerechtfertigt. Alle wichtigen Indikatoren sind in den letzten Wochen eingebrochen. Aufgrund der Schuldenkrise schwindet das Vertrauen. Die Bankenkrise führt zu verschärften Kreditbedingungen. Da kann eine Zinssenkung nur helfen.“ Händler Markus Huber von ETX Capital sagte: „Erstmal wirkt die Zinssenkung positiv. Die wichtigere Frage ist aber, ob der Markt dies als besonnene Entscheidung oder als Zeichen großer Probleme wertet.“

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, hatte auch nicht mit dieser Zinssenkung gerechnet: „Das kommt absolut überraschend. Wir hatten erst im Dezember mit einer Zinssenkung gerechnet. Wir dachten, es dauert etwas länger, bis die EZB ihre zu optimistischen Konjunkturprognosen senkt.“

Rücktrittsgerüchte in Athen

Derweil intensivieren sich die Gerüchte eines baldigen Rücktritts des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou, die am Morgen schon für kräftigen Rückenwind gesorgt hatten. In Athen hat eine Krisensitzung des griechischen Ministerrates unter Vorsitz von Papandreou begonnen. Der griechische Regierungschef will laut einem BBC-Bericht in Kürze zurücktreten. Dies erfuhr die britische Fernsehanstalt aus Kreisen in Athen./

Der Druck an den Finanzmärkten auf Italien nimmt derweil weiter zu. Italienische Staatsanleihen waren am Donnerstag so wenig wert wie noch nie: Investoren verlangten für die Schuldpapiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren zwischenzeitlich eine Rendite von 6,402 Prozent.

EZB kauft Italien-Anleihen

Das lag noch einmal deutlich über dem bisherigen Höchststand von August - was die Europäische Zentralbank (EZB) dazu veranlasst hatte, erstmals in den Markt stützend einzugreifen und italienische Anleihen aufzukaufen. Auch am Donnerstag war die EZB nach Angaben eines Händlers wieder im Anleihenmarkt aktiv.

Der Abstand der italienischen Papiere zu den als besonders sicher geltenden deutschen Staatsanleihen stieg damit ebenfalls auf ein neues Rekordhoch. Er betrug am Donnerstag zwischenzeitlich 4,62 Prozentpunkte.

Zugleich stieg auch der Abstand französischer Anleihen zu den deutschen Papieren auf einen neuen Höchststand von 1,368 Punkten. Dabei kauften die Investoren wieder viele deutsche Anleihen, was die Rendite auf 1,805 Prozent fallen ließ. Bei französischen Papieren hingegen stieg die Rendite, die Investoren verlangten, auf 3,164 Prozent.

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