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Ethische Investments Die Verzinsung des „Guten“

09.04.2001 ·  In Amerika fließen zehn Prozent der Anlagegelder in ethische Investments. Auch hier wird die Rendite ohne Reue entdeckt.

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Angefangen hat alles in Amerika. Dort boykottierten Anleger in den sechziger Jahren den Chemieriesen Dow Chemical, weil das Unternehmen das Nervengift Napalm für den Vietnamkrieg produzierte. Auch das Ende der Apartheid in Südafrika beschleunigten die US-Bürger, indem sie ihre Gelder abzogen. Während im Aktienland Amerika so genannte ethische Investments damit schon auf eine lange Tradition zurück blicken, ist das Thema in Deutschland noch jung, aber dynamisch.

Es sei zwar paradox, aber BSE und Ölkatastrophen förderten die Idee des ethischen Investments, meint Johannes Hoffmann. Der Professor für Moraltheologie und Sozialethik von der Goethe-Universität in Frankfurt beschäftig sich seit zehn Jahren mit dem Thema. Während in vielen Fällen Ethik noch mit ökologischer Geldanlage gleichgesetzt wird, hat er einen umfassenderen Kriterienkatalog aufgestellt, der neben der ökologische Komponenten auch noch soziale und kulturelle Anforderungen an Unternehmen stellt. Arbeiten die Amerikaner vor allem mit K.O.-Kriterien bei der Anlageentscheidung, beispielsweise kein Geld für Rüstung, Tabak und Menschenrechtsverletzer, arbeiten die Deutschen mit Positivlisten.

Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden

Hierbei rücken die ökologische Ausrichtung, eine nachhaltige Unternehmensführung, aber auch soziale Aspekte in den Fordergrund, beispielsweise die Behandlung von Minderheiten, familienfreundliche Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und Arbeitssicherheit. Aber auch die faire Zusammenarbeit von Kunden und Lieferanten sowie bei internationalen Konzernen die Bewahrung kulturellen Besonderheiten. Ein breites Spektrum also, was für Anleger kaum zu durchschauen ist. Die Münchener Ratingagentur oekom research bewertet Unternehmen nach den von Hoffmann zusammen mit Gerhard Scherhor, Professor für Konsumökonomie, entwickelten Fankfurter-Hohenheimer Leitfaden und ermittelt somit ein ethisches Rating für Gesellschaften.

Ethik per Gesetz verodnet?

Auch wenn der Bereich ethische Investments schwer zu klassifizieren ist, das Interesse steigt stetig. Am Neuen Markt gehörten zuletzt die regenerativen Energien zu den Outperformern und warben damit für ökologische Ideen. Rückenwind erhalten die ethischen Investments aber auch von anderer Seite: Die „Ökos“ kommen in die Jahre und verfügen über mehr Geld als sie zum Leben benötigen, was sie nun sinnvoll investieren wollen. Einen weiteren Schub erwartet Hoffmann von der Rentenreform. Ein Passus in Gesetzesvorschlag sieht vor, dass staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte darüber informieren müssen, inwieweit sie ethisch, soziale und ökologische Belange berücksichtigen. In Großbritannien ist bereits seit Juli 2000 ein solches Gesetz in Kraft. Insgesamt liegt das Anlagevolumen für nachhaltige Investments in Deutschland damit gerade einmal bei sechs Milliarden Mark und damit bei rund einem Prozent des Anlagekapitals.

Nachhaltig, aber umstritten

In den Vereinigten Staaten fließt bereits mehr als jeder zehnte angelegte Dollar in so genannte Socially Responsibility Investments. Dow Jones hat vor zwei Jahren mit dem Dow Jones Sustainability Index eine weltweite Benchmark für nachhhaltige Investments geschaffen. Die Idee dahinter ist, dass Unternehmen, die ihre Politik am Corporate Sustainability ausrichten langfristige Werte für Gesellschaft und Umwelt schaffen, indem sie finanzielle, natürliche und soziale Ressourcen effizient nutzen. Kritiker bemängeln, dass von Landminerbauern bis zum Ölproduzenten alle erdenklichen sozialen und ökologischen Sünden im Dow Nachhaltigkeitsindex vertreten sind. Dies liegt an der Auswahl, denn in die Benchmark kommen die umweltverträglichsten zehn Prozent der Branche, also spiegel der Dow Jones Sustainibility nur eine relative Nachhaltigkeit.

Mit kleinen Schritten nach vorne

Professor Hoffmann weiß, dass ethische Investments nicht sehr schnell die Welt verbessern. „Aber die Unternehmen reagieren auf die ethischen Ratings und die von oekom erstellten Ranglisten. Es stört die Vorstände, wenn der Wettbewerber besser abschneidet“, so Hoffmann augenzwinkernd. Damit entfache ein ethischer Wettbewerb innerhalb der Branche, der schließlich insgesamt das Niveau anhebe. „Wir wollen die kleinschrittigen Veränderungen des Normalbereich“, meint Hoffmann und fügt hinzu: „Große Mutationen sind biologisch nicht lebensfähig.“

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