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Veröffentlicht: 12.08.2017, 11:28 Uhr

Österreich Hier gibt es zu viele Banken

Die Dichte an Geldinstituten ist in der Alpenrepublik so hoch wie in fast keinem anderen europäischen Land. Das kostet viel Geld. Doch bald könnte der Fortschritt bei der Digitalisierung helfen.

von , Wien
© Reuters Viele Banken, wenige Kunden: Das ist Österreichs Herausforderung – und die der Erste Group

In Österreich wimmelt es von Finanzdienstleistern. Nach Einschätzung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) gab es Ende des vergangenen Jahres 672 Banken mit rund 3900 Zweigstellen und fast 75 000 Mitarbeitern. Österreich gehört zu den Ländern mit der höchsten Bankendichte in Europa, was mit der starken Ausrichtung des Kreditwesens auf Genossenschaften und Sparkassen zusammenhängt. Das führt zu hohen Kosten für die Geldinstitute.

Michaela Seiser Folgen:

Zwar ist durch Fusionen und andere Strukturanpassungen seit dem Jahr 2008 die Anzahl der Kreditinstitute um fast ein Viertel gesunken. Bei den Filialen hat sich das bisher aber nicht so deutlich niedergeschlagen. Von 2008 bis Ende des Vorjahrs schrumpfte deren Netz nur um sechs Prozent, wenngleich es in den zurückliegenden fünf Jahren eine Beschleunigung gab. In Österreich kommen nach Statistiken der EZB 2100 Einwohner auf eine Bankfiliale, in Deutschland sind es schon 2400. Die Finnen liegen bei 5200 und die Niederländer gar bei 9600 Einwohnern je Bankstandort.

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Auf Bankmitarbeiter umgelegt: In Österreich versorgt ein Bankmitarbeiter im Schnitt 118 Einwohner, in Deutschland sind es 126, in Italien 203 und in Finnland rund 250. Über Zielgrößen für Österreich äußert sich die Notenbank nicht. Jedoch sei die Zahl der Beschäftigten in der österreichischen Bankenindustrie ziemlich hoch, heißt es. Und offenbar gebe es Länder, in denen das Geschäft mit weniger Personal funktioniere.

Zu viel und zu teures Personal

Fest steht, dass das Verhältnis zwischen Kosten und Erträgen sinken muss – also dass die Geldinstitute profitabler werden müssen, wie neben der Notenbank etliche Fachleute fordern: Mittelfristig müsse eine durchschnittliche Geschäftsbank für jeden verdienten Euro weniger als 50 Cent ausgeben, heute sind es noch 67 Cent. Da sei noch eine ordentliche Wegstrecke zurückzulegen. Aktuelle Schnitte zum Personal- und Filialabbau wirkten in der Regel erst längerfristig, da Sparmaßnahmen zunächst einmal noch Kosten mit sich brächten.

Franz Hahn, auf Bankenforschung spezialisierter Ökonom im Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo), sieht das Problem in teuren Personalkosten, hinter denen überkommene Statuten der Branche stecken mit großzügigen Arbeitnehmerrechten und kostspieligen Aufwendungen in Informationstechnik. Er weist darauf hin, dass viel zu spät mit der Bereinigung begonnen wurde. Ein Grund dafür sei die Osterweiterung der EU gewesen. Seither sind die österreichischen Geldhäuser in den postkommunistischen Ländern maßgebliche Anbieter und haben dort goldene Jahre erlebt. Diese Ertragsquellen haben der Quersubventionierung der teuren Kostenstrukturen in Österreich gedient. „Das sind Kostenstrukturen, die unter den jetzigen Bedingungen nicht durchzuhalten sind, um die nächsten zehn Jahre zu überleben.“

 
Zu viele Geldinstitute: Bei Österreichs Banken gibt es eine hohe Diskrepanz zwischen Kosten und Erträgen.

Zwar haben die österreichischen Banken offenbar die schwierigsten Zeiten überwunden. Der Anteil der notleidenden Kredite fällt mit rund vier Prozent geringer aus als im restlichen Europa. Österreich ist aber nicht das Problem. Die Banken sind vor allem in Osteuropa sehr aktiv. Dort haben sie beachtliche Außenstände, und eine deutlich höhere Quote davon gilt als notleidend. Gleichzeitig haben österreichische Banken im internationalen Vergleich ein dünneres Kapitalpolster.

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