14.11.2007 · Nutznießer der Preisentwicklungen auf dem Energiemarkt sind bislang vor allem die Anleger. Nur bei RWE brach jetzt der Kurs ein. Der Essener Energieversorger verschiebt den Börsengang seiner Tochter American Water.
Wenn die Deutschen derzeit auf eine Branche schlecht zu sprechen sind, dann auf die Energieversorger. Konzerne wie RWE und Eon gelten als Quasimonopolisten, die nach Gutdünken die Preise erhöhen können und das auch gerne tun. Nutznießer dieser Entwicklung waren bislang die Anleger. Die Stromfirmen legten 2007 häufig glänzende Quartalszahlen vor und sorgten damit bei den Börsianern für Euphorie, wie ein Blick auf die Kursentwicklungen der vergangenen Monate demonstriert.
RWE-Aktien etwa waren Anfang September noch für knapp 80 Euro zu haben. Vergangene Woche kosteten sie mehr als 95 Euro. Für die Papiere des Konkurrenten Eon mussten Aktionäre im Februar weniger als 100 Euro bezahlen. Heute wechseln sie für Preise um 135 Euro den Besitzer.
Von der Finanzkrise profitieren
Auch auf europäischer Ebene gehörten Energietitel in diesem Jahr zu den Börsenstars. Die Aktie der französischen Gesellschaft EdF verbesserte sich binnen Jahresfrist von weniger als 50 auf mehr als 80 Euro, der Kurs der spanischen Iberdrola legte von knapp acht auf mehr als zwölf Euro zu. Seitwärts tendierende Kurse, wie bei der italienischen Enel oder der englischen British Energy, waren eher die Ausnahme.
Experten nennen neben den anhaltend guten Geschäftszahlen weitere Gründe für die kräftige Nachfrage. Zum einen kommen ausschüttungsorientierte Anleger mit Blick auf hohe Dividendenrenditen der Energieaktien auf ihre Kosten. Dann profitieren die Unternehmen von der schwelenden Krise an den Finanzmärkten. In schwierigen Aktienmarktphasen gelten Versorger, ähnlich wie Anleihen, als sicherer Hafen.
RWE: 35,1 Prozent Gewinnplus
Inzwischen spricht allerdings vieles gegen eine Fortsetzung der Energie-Euphorie an der Börse. Für RWE etwa nahmen am Mittwoch einige Analysten ihre Einschätzungen zurück. Die West LB senkte ihre Empfehlung von „add“ auf „hold“. Das Kursziel von 96 Euro sei annähernd erreicht, hieß es. Da half es nichts, dass eine Nachrichtenagentur titelte: „Hohe Strompreise vergolden RWE-Bilanz.“
Tatsächlich hat RWE in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres den Gewinn massiv gesteigert. Während der Umsatz leicht von 32,2 Milliarden auf 31,5 Milliarden Euro zurückging, erhöhte sich der Überschuss um 35,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Das Gewinnplus erklärte die Gesellschaft mit Zuwächsen seiner Stromerzeugungssparte. Mit seiner Bilanz übertraf RWE teilweise die Erwartungen der Experten und knüpfte an die guten Zahlen an, die Konkurrent Eon am Dienstag vorgelegt hatte.
Börsengang der amerikanischen Tochter verschoben
Auf der anderen Seite ließen die Turbulenzen an den Börsen auch den vermeintlich krisensicheren Energieerzeuger nicht ungeschoren. RWE verschiebt seinen ursprünglich für dieses Jahr geplanten Börsengang der amerikanischen Wassertochter, American Water. Aufgrund der ungünstigen Rahmenbedingungen am amerikanischen Kapitalmarkt gehe man nicht davon aus, dass ein „fairer“ Wert erzielt werden könne, teilte das Unternehmen in Essen mit.
Diese Ankündigung löste am Mittwoch an der Börse eine Verkaufswelle aus. Die RWE-Aktie brach zeitweise um knapp 7 Prozent ein, in einem ansonsten freundlichen Marktumfeld. Der kräftige Abschlag hat seinen Grund. Die RWE-Aktionäre müssen sich auf eine geringere Dividende einstellen, da der Konzern den Erlös aus dem Börsengang an sie ausschütten wollte. Einen Aktienrückkauf und eine höhere Ausschüttungsquote werde es nun nicht geben, hieß es. Ursprünglich wollte RWE die Mehrheit der Gesellschaft bis Jahresende an die Börse bringen.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Finanzvorstand Rolf Pohlig sagte in einer Telefon-Pressekonferenz, das Unternehmen plane auch weiterhin, American Water an die Börse zu bringen. Für die Anleger bleibt die Nachricht trotzdem beunruhigend: „Die Verzögerung des Börsengangs von American Water ist eine Art Rückschlag, und die Märkte reagieren in diesen Tagen sehr heftig auf kleinste Enttäuschungen“, konstatierte AMB-Generali-Manager Herbert Wertz.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |