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Energie Banken setzen auf Ölpreiswende

25.01.2007 ·  Der Verfall des Ölpreises der vergangenen Wochen scheint nun gebremst. Ein Kälteeinbruch in den Vereinigten Staaten hat zu seiner Erholung geführt. „Der Markt war überverkauft“, urteilten Analysten und empfehlen den Wiedereinstieg in Ölaktien und Öl-Dienstleister.

Von Bettina Schulz
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Der in den vergangenen Wochen beschleunigte Verfall des Ölpreises auf zuletzt 50 Dollar je Barrel scheint nun gebremst. Ein Kälteeinbruch in den Vereinigten Staaten und die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten George Bush, die Vereinigten Staaten wollten ihre strategischen Ölreserven in den kommenden Monaten verdoppeln, haben kurzfristig zu einer Erholung des Ölpreises auf mehr als 55 Dollar je Barrel (159 Liter) geführt. Am Donnerstag notierte der Preis für Rohöl der Sorte Brent bei gut 55 Dollar je Barrel.

„Der Markt war überverkauft“, urteilten die Analysten der britisch-asiatischen Bank HSBC. Zwar haben viele Banken die Prognose ihres Ölpreises für dieses Jahr gesenkt. Aber viele Marktbeobachter glauben, dass der Ölpreis nach der scharfen Korrektur, die dem Rekord von mehr als 78 Dollar je Barrel im Juli vergangenen Jahres folgte, nun wieder Boden gefunden hat.

Der Ölpreis könnte noch einmal abschwächen

Die Investmentbank Barclays Capital schließt nicht aus, dass der Ölpreis in nächster Zeit auf 58 Dollar je Barrel steigen könnte. Goldman Sachs geht davon aus, dass der Ölpreis in diesem Jahr sogar bis auf 69 Dollar klettern wird, warnt aber davor, dass sich der Ölpreis kurzfristig noch einmal abschwächen könnte. Dennoch hatten mehrere Faktoren den Ölpreis in den vergangenen Wochen außergewöhnlich geschwächt.

Goldman Sachs schätzt, dass der Preiseffekt des ungewöhnlich warmen Winters nur für etwa 4 Dollar des jüngsten Preisverfalls verantwortlich war. Dass Hedge-Fonds sich aus dem Ölmarkt zurückgezogen hätten, habe für einen weiteren Preisverfall von 2,50 Dollar gesorgt.

Terminkontrakte beschleunigen Preisverfall

Entscheidend für die überzogene Preisschwäche in den vergangenen Wochen waren nach Ansicht der amerikanischen Investmentbank jedoch umfangreichere Absicherungsgeschäfte der Ölproduzenten. Diese sichern sich gegen den Preisverfall mit dem Kauf von Verkaufsoptionen (Puts) an den Terminmärkten ab.

Je mehr jedoch der Ölpreis sinkt und je wahrscheinlicher es wird, dass die Produzenten diese Verkaufsoptionen ausüben werden, desto umfangreicher müssen sich die Finanzhäuser, die diese Verkaufsoptionen an die Produzenten verkauft haben, ihrerseits absichern. Dies war in letzter Zeit in außergewöhnlich hohem Maße der Fall. Die Finanzadressen verkauften Terminkontrakte (Futures) auf Öl, was den Preisverfall beschleunigte.

Neueinstieg in die Ölbranche

„Diese Faktoren werden sich in den nächsten Wochen auflösen“, heißt es bei Goldman Sachs. „Wir glauben, dass sich der Ölpreis in nächster Zeit erholen wird“, sagt auch HSBC. „Von einem wieder steigenden Ölpreis dürfte dann die Mineralölbranche profitieren“, betont JP Morgan. Zwar sei damit zu rechnen, dass die Mineralölunternehmen schlechtere Ergebnisse für das vierte Quartal 2006 vorlegten. Das sei angesichts des gesunkenen Ölpreises jedoch erwartet worden und in den Aktienkursen bereits einkalkuliert, sagt JP Morgan. Am Mittwoch hatte Conoco Phillips bereits von einem deutlichen Ertragseinbruch im vierten Quartal des vergangenen Jahres berichtet.

Dennoch empfehlen viele Banken den Investoren einen Neueinstieg in die Ölbranche. HSBC hält europäische Ölaktien für besonders attraktiv, da diese - vor allem im Vergleich zu den amerikanischen Konkurrenten - mit extrem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen sehr günstig bewertet seien. Ihre Bewertung spiegle praktisch einen Ölpreis von 41 Dollar wider. HSBC und JP Morgan favorisieren nach den jüngsten Kursrückschlägen die Ölgesellschaften BP, Statoil und Total. Die Analysten von JP Morgan verweisen zudem auf Kurspotential bei ENI, Norsk Hydro und Royal Dutch Shell A und B.

Empfehlung für Spezialunternehmen

UBS und JP Morgan räumen zwar ein, dass der derzeit niedrige Ölpreis zu Einnahmeausfällen in diesem Jahr führen könnte. Für die Bewertung der Aktien sei jedoch der langfristige Ölpreis relevant. Die UBS favorisiert die russischen Ölkonzerne Lukoil und TNK-BP Holding, sagt aber, dass Investoren Aktien von Energiekonzernen mit einem höheren Anteil im Gasgeschäft auswählen sollten, wenn sie der Prognose eines höheren Ölpreises nicht trauten. Dies wären zum Beispiel die Aktien von Gasprom und Novatek, die allerdings bereits zu hohen Prämien gehandelt werden und die die UBS daher nicht zum Kauf empfiehlt.

Merrill Lynch empfiehlt Anlegern, auf Unternehmen zu setzen, die als Spezialunternehmen bei der Suche, den Probebohrungen und der Ölförderung Spezialaufträge aus der Branche erhalten. Dazu zählen Unternehmen, die auf die Untersuchung von Meeresböden und Land spezialisiert sind. Die Unternehmen betreiben zum Beispiel Spezialschiffe für die Meeresbodenforschung, stellen seismologische Geräte her oder werten die Daten aus. Dieser Sektor erlebe eine rasant steigende Nachfrage. Merrill Lynch empfiehlt in dieser Branche das französische Unternehmen Géophysique (CGG) und TGS-Nopec aus Norwegen zum Kauf.

Zu den Öl-Dienstleistern zählen außerdem Unternehmen, die auf Unterwasserbohrungen spezialisiert sind, Spezialgeräte produzieren oder beim Bau von Bohranlagen als Spezialunternehmen eingesetzt werden. Zu diesen Titeln, die Merrill Lynch derzeit empfiehlt, zählen Saipem, Aker Kvaerner, Sea-Drill, Tecnicas Reunidas, Vallourec, Acergy und Wood Group.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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