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Emissionsmarkt Drittes Jahr der Unsicherheit für Finanzmärkte

05.01.2010 ·  Auch im neuen Jahr ist die Krise nicht vergessen. Analysten erwarten zurückhaltende Marktteilnehmer und weiterhin wachsende Emissionen.

Von Bettina Schulz
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Investoren, die ihre Portfolios auf das neue Jahr ausrichten, werden wieder die Folgen der Finanzkrise bei ihren Entscheidungen berücksichtigen müssen. Noch immer werden Anleger mit Rahmenbedingungen konfrontiert, die es über Jahrzehnte im "normalen" Marktgeschehen nicht gab: die quantitative Lockerung der Notenbankpolitik; Rekordemissionen am Markt für Staatsanleihen mit zunehmender Skepsis die Bonität selbst gestandener westlicher Nationen betreffend; niedrige Kapitalmarktzinsen und deshalb Suche nach höheren Renditen; und ein Wachstumsschub in Schwellenländern, der die Wachstumsprognosen der westlichen Industrieländer selbst nach einer Rezession nachhaltig überflügelt.

Nach Angaben des Datenanbieters Dealogic erreichte das Emissionsvolumen an den globalen Anleihemärkten im vergangenen Jahr 6,11 Billionen Dollar. Davon entfielen 2,99 Billionen auf Unternehmensanleihen - ein Rekordvolumen in diesem Marktsegment. Angesichts der gefährlichen Kreditklemme im Bankensektor beschafften sich Unternehmen Kapital über die Anleihemärkte und nutzten damit das extrem niedrige Renditeniveau. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass europäische Unternehmen hoher Bonität mehr Kapital über die Anleihemärkte aufnahmen als entsprechende amerikanische Gesellschaften. Europäische Unternehmen verdoppelten ihre Kapitalaufnahme über die Anleihemärkte gegenüber dem Vorjahr auf ein Volumen von 608 Milliarden Dollar.

Europäische Aktienemissionen hinken zurück

Finanzinstitute, vor allem Banken, emittierten 1,6 Billionen Dollar Anleihen, 558 Milliarden Dollar davon staatsgarantiert. Die Emission staatsgarantierter Bankenpapiere ist allerdings stark rückläufig. Die Emissionsflut bescherte den Investmentbanken 13,7 Milliarden Dollar Erträge, eine Steigerung gegenüber 2008 von 36 Prozent. JP Morgan, Barclays Capital und Citigroup verbuchten die größten Marktanteile in dem Geschäft.

Im neuen Jahr werden Anleiheemissionen weiterhin die Märkte für Staatspapiere fluten. Angesichts der auslaufenden Notenbankpolitik der quantitativen Lockerung und dem befürchteten Angebotsüberhang haben Großanleger wie die amerikanische Investmentgesellschaft Pimco bereits signalisiert, ihr Engagement am amerikanischen und britischen Anleihemarkt zu reduzieren. JP Morgan erwartet, dass die Suche nach Rendite Investoren noch mehr in den Markt von Unternehmensanleihen, aber auch an die Aktienmärkte treiben wird.

Während europäische Unternehmen extrem aktiv am Anleihemarkt waren, erlebten die europäischen Aktienmärkte nicht die Emissionsflut, die den amerikanischen Markt belebte und die zunehmend auch die Schwellenländer prägt. Während sich weltweit der Markt für Aktienemissionen um 42 Prozent auf 903 Milliarden Dollar erholte, blieb das europäische Emissionsgeschäft an den Börsen mit einem Marktanteil von nur 9 Prozent am globalen Volumen praktisch geschlossen.

Übernahmemarkt im Vorjahr auf dem niedrigsten Stand seit 2004

Neben der gewaltigen Kapitalaufnahme westlicher Banken fiel die starke Emissionstätigkeit in China, Indien und Brasilien auf. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, ist jedoch eine Entwicklung, die von Großinvestoren unterschiedlich bewertet wird. Einerseits weiten die Emissionen die Marktbreite in den Schwellenländern aus. Die gute Konjunktur, der steigende Lebensstandard und die zunehmenden Investitionen lokaler Anleger an ihren Märkten scheinen einigen Großinvestoren daher interessante Voraussetzungen für weitere Investitionen an den Schwellenmärkten zu sein. Es gibt aber auch warnende Stimmen, die eine größere Emissionsflut als Auslöser für eine Korrektur an diesen Aktienmärkten sehen.

Die Erträge der Investmentbanken im Aktiengeschäft stiegen um 66 Prozent auf 23,6 Milliarden Dollar gegenüber dem schwachen Jahr 2008 und kamen vor allem den führenden Konsortialführern JP Morgan und Goldman Sachs zugute. JP Morgan glaubt, dass die Suche nach Rendite dieses Jahr mehr Investoren an die Aktienmärkte zurückführen wird. Dort erwarten die Analysen der Bank mit 20 bis 30 Prozent die höchsten Renditen aller Vermögensklassen.

Noch immer warten die Marktteilnehmer darauf, dass sich der Übernahmemarkt erholt, der im vergangenen Jahr global nur ein Volumen von 2,4 Billionen Dollar und damit den niedrigsten Stand seit 2004 verbuchte. Auch das Rekordvolumen von Übernahmen strauchelnder Unternehmen oder Konkursgesellschaften in Höhe von 320 Milliarden Dollar änderte an der flauen Situation nicht viel. In Europa sank der Marktanteil an globalem Geschäftsvolumen sogar auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Daher gab auch das europäische Geschäft der strukturierten Finanzierungen um 60 Prozent auf nur noch 26,5 Milliarden Dollar nach. Die Bankenerträge in diesem Geschäft sanken um 41 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Das Geschäft wurde von Goldman Sachs angeführt.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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