24.05.2005 · Deutschland hat erstmals seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder eine Dollar-Anleihe begeben. Die Emission bringe eine jährliche Ersparnis von rund 6 Millionen Euro.
Die Bundesrepublik Deutschland hat erstmals seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder eine Dollar-Anleihe begeben. Fachleute kommentierten, die von der Finanzagentur des Bundes konzipierte Emission sei ein großer Erfolg. Die Finanzagentur habe mit viel Sachverstand eine günstige Marktsituation genutzt, um dem Bund Zinskosten einzusparen.
In Marktkreisen ist davon die Rede, daß der Renditevorteil der fünfjährigen Anleihe über 5 Milliarden Dollar bei jährlich etwa 0,15 Prozentpunkten liegen dürfte. Dies liefe auf eine Zinsersparnis von jährlich etwa 6 Millionen Euro und insgesamt rund 30 Millionen Euro heraus. Die Emission sei voll gegen Währungsrisiken abgesichert, heißt es weiter.
Renditevorsprung von 12 Basispunkten
Wie die Finanzagentur am Nachmittag mitteilte, hat die Anleihe einen Kupon von 3,875 Prozent. Der Emissionspreis für institutionelle Anleger wurde auf 99,755 Prozent festgesetzt. Die Emissionsrendite betrage damit 3,89 Prozent, erläuterten Fachleute, wobei berücksichtigt sei, daß die Zinsen in Amerika nicht wie hierzulande jährlich, sondern halbjährlich gezahlt werden. Daraus ergebe sich ein Renditevorsprung von 12 Basispunkten gegenüber der amerikanischen Staatsanleihe mit Laufzeit 15. Mai 2010. Auf den ersten Blick überrascht, daß der Bund dennoch Zinskosten eingespart hat.
Schließlich liegt die Verzinsung fünfjähriger Bundesanleihen derzeit deutlich niedriger. Am Dienstag ist diese Rendite wegen der zunehmenden Rezessionssorgen in Deutschland zeitweilig auf das historische Tief von 2,69 Prozent gefallen.
Dreifach überzeichnet
Wie Kornelius Purps, ein Anleihefachmann der Hypo-Vereinsbank, erläutert, hat die Finanzagentur für den Bund ausgenutzt, daß es derzeit eine starke Nachfrage nach erstklassigen Dollar-Anleihen nicht-amerikanischer Emittenten gibt. Das hat sich darin niedergeschlagen, daß für die neue Anleihe Kaufgebote im Gesamtvolumen von 15 Milliarden Dollar eingingen, die Emission also dreifach überzeichnet war. Hintergrund ist, daß institutionelle Anleger daran Interesse haben, ihre Portefeuilles zu diversifizieren. Zudem stimuliert das Kaufinteresse, daß der Bund 12 Basispunkte mehr Zinsen bezahlt als der amerikanische Staat.
Dennoch rechne sich die Emission für den Bund, erläutert Purps. Denn die Finanzagentur habe vermutlich drei Swap-Geschäfte getätigt. Im ersten Swap vereinbarte sie mit einem Partner, daß jener den Kuponzins von 3,875 Prozent an den Bund zahlt, den dieser dann an jedem Zinstermin an die Inhaber der Anleihe weiterreicht. Der Bund zahlt dem Swap-Partner im Gegenzug einen variablen Zins, der um 33 Basispunkte unter dem Dollar-Libor-Satz für Sechsmonatsgeld liegen dürfte; hierin spiegelt sich die erstklassige Bonität des Bundes wider.
Abhängig von Swap-Sätzen und Marktkonditionen
In einem zweiten Swap wird die Dollar-Libor- gegen eine Euro-Libor-Verpflichtung getauscht. In einem dritten Swap vereinbart der Bund mit einem Partner, daß dieser ihm Euro-Libor bezahlt; im Gegenzug verpflichtet sich der Bund, diesem Partner einen Euro-Festzins zu zahlen. Als Ergebnis dieser drei Swap-Geschäfte hat der Bund die Verpflichtung, den Inhabern der Dollar-Anleihe einen festen Kupon in Dollar zu zahlen, in eine Verpflichtung getauscht, dem Partner des dritten Swap-Geschäfts einen Festzins in Euro zu zahlen.
Nach Einschätzung von Purps dürfte dieser Festzins um rund 15 Basispunkte unterhalb der derzeitigen Rendite für fünfjährige Bundesobligationen liegen. Der genaue Renditevorteil hänge von den aktuellen Swap-Sätzen und den übrigen Marktkonditionen ab, sagte er. Von der Finanzagentur waren zu dieser „Finanz-Alchemie“ keine Angaben zu erhalten.
Zweite Dollar-Anleihe?
Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die Finanzagentur angekündigt, den Euro-Erlös der Dollar-Anleihe zum Rückkauf ausstehender Bundesanleihen mit höherem Kupon nutzen zu wollen - und nicht zur Finanzierung des laufenden Bundesetats. Am Markt wird spekuliert, daß nach dem Erfolg der Erstemission im Herbst eine zweite Dollar-Anleihe folgen könnte. Die Finanzagentur hat zudem angekündigt, bei günstiger Marktkonstellation auch erstmals inflationsgeschützte Bundesanleihen auf den Markt zu bringen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |