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Edelmetalle Der Goldpreis überspringt die Marke von 700 Dollar

07.09.2007 ·  Der Goldpreis steigt. Ursache ist vor allem ein Anstieg der physischen Nachfrage, während Spekulanten bisher noch nicht stark vertreten sind.

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Gold hat mit einem kräftigen Preissprung auf sich aufmerksam gemacht. Die Notierungen sind am Donnerstag am Terminmarkt in New York um knapp 14 Dollar je Feinunze gestiegen. Am Freitag wurde beim Vormittags-Fixing in London ein Preis von 695 Dollar ermittelt. Im Handelsverlauf übersprangen die Notierungen sogar noch die Marke von 700 Dollar und erreichten damit einen neuen Jahreshöchststand. Auch Silber und Platin sind, wenn auch deutlich verhaltener, gestiegen.

Der Aufschwung des Goldpreises hat nach Meinung von Analysten besondere Bedeutung, weil damit ein charttechnischer Ausbruch aus der seit Mitte Januar bestehenden Spanne zwischen, grob beschrieben, 650 und 700 Dollar in greifbare Nähe gerückt ist. Dieses Band bilde eine solide technische Basis für weiter reichende Preissteigerungen, heißt es. So erklärt zum Beispiel Barclays Capital, im Falle eines überzeugenden Ausbruchs sei als nächstes Ziel das vor 16 Monaten erreichte zyklische Hoch von 730 Dollar zu erkennen. Später könnten die Notierungen den Bereich von 800 Dollar anstreben.

Warten auf den Ausbruch

Sollte ein klarer Ausbruch aus dem beschriebenen Band gelingen, ist nach Meinung von Analysten mit beachtlichen Käufen besonders der Termin- und der Hedge-Fonds am Terminmarkt für das Edelmetall zu rechnen. Die Netto-Kaufpositionen der Spekulation in New York bewegten sich nach beachtlichen Liquidationen in den vergangenen Monaten zuletzt noch in einem Bereich, der keinen Gedanken an eine spekulative Überhitzung aufkommen lässt. Doch das kann sich aller Erfahrung nach rasch ändern.

Der wohl entscheidende Grund für den Preissprung bei Gold ist nach einhelliger Darstellung in der Schwäche des amerikanischen Dollar zu sehen. Der handelsgewichtete Dollar-Index ist seit Mitte August zunächst deutlich gefallen. Nach einer kurzen Stabilisierung hat er seinen Abschwung wiederaufgenommen und droht jetzt das Anfang August verzeichnete zyklische Tief testen zu wollen.

Gold verhält sich zum Dollar häufig wie eine Währung. Fällt die Valuta, zieht Gold gewöhnlich an und umgekehrt. Die feste Verfassung des Edelmetalls wird mancherorts aber auch mit dem fortschreitenden Anstieg des Ölpreises begründet. Daraus werden zunehmende Inflationsgefahren abgeleitet. Doch ist diese These umstritten. Mit Blick auf die Turbulenzen an den Kreditmärkten und deren vermutete widrige Folgen für die Weltwirtschaft erklären Skeptiker, es seien eher deflationäre Tendenzen zu befürchten.

Die Legende von kurstreibenden Schmied

Händler berichten, die Nachfrage nach physischem Gold habe im Zuge der Turbulenzen direkt und indirekt spürbar zugenommen. Indirekt laufe sie über börsengehandelte Goldfonds (ETF). Der größte von ihnen soll allein in den vergangenen zwei Tagen 27 Tonnen erworben und seinen Bestand auf insgesamt 542 Tonnen aufgestockt haben. Diese Menge entspricht etwa 20 Prozent der geschätzten Weltproduktion des vergangenen Jahres.

Daneben wird immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Schmuckindustrie im September mit physischer Ware für das Weihnachtsgeschäft eindecke. Daher zähle dieser Monat am Goldmarkt gewöhnlich zu den festesten eines Jahres. Dies nährt die Vorstellung, die Schmuckhersteller stürzten sich in diesem Zeitraum auf Gold und trieben seinen Preis nach oben.

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Die Schmuckindustrie verfügt über längerfristigere Lieferverträge mit Produzenten und Händlern, die ihren voraussehbaren Verbrauch decken. Wenn die Schmuckhersteller als Käufer am physischen Markt auftreten, besorgen sie sich nur Bedarfsspitzen, und dies sind meist recht geringe Mengen, die bei geordneten Marktbedingungen keine nennenswerten Preisausschläge hervorrufen.

Mit Spannung warten Analysten jetzt auf Anzeichen dafür, dass die im Washingtoner Goldabkommen (CBGA) von 1999 zusammengeschlossenen europäischen Zentralbanken den jüngsten Preisanstieg nutzen und noch einmal stärker Gold verkaufen, bevor der laufende Zwölfmonatszeitraum am 26. September endet. Die Höchstmenge liegt gegenwärtig bei 500 Tonnen, doch soll sie mit den bisher tatsächlich vorgenommenen Verkäufen noch nicht ausgeschöpft sein.

Quelle: F.A.Z., 08.09.2007, Nr. 209 / Seite 20
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