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Dow Jones Wall Street kann mit Patt in Washington gut leben

08.11.2006 ·  Der Wahlsieg der Demokraten bei den Kongreßwahlen in Amerika wird an der Wall Street nicht als Belastung empfunden. Nach Zwischenwahlen geht es mit dem Dow nämlich oft aufwärts.

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Die verbleibende Unsicherheit über den Ausgang der amerikanischen Kongreßwahlen führte an der Wall Street am Mittwoch zu leichten Abschlägen im frühen Handel. Die Demokraten hatten bei den Wahlen am Dienstag zum ersten Mal seit 1994 die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewonnen. Im Senat war die Entscheidung über zwei Sitze wegen eines Kopf-an-Kopf-Rennens der Kandidaten aber noch nicht gefallen. Am Wahltag war der Dow Jones-Index während des Handels auf ein neues Rekordhoch von 12196 Punkten gestiegen, obwohl sich zu diesem Zeitpunkt bereits ein Wahlsieg der Demokraten abzeichnete.

Die europäischen Aktienmärkte reagierten am Mittwoch mit leichten Verlusten auf den Wahlsieg der Demokraten im Repräsentantenhaus sowie deren möglichen Sieg im Senat. „Der europäische Markt hat negativ auf den Machtwechsel reagiert, weil die Republikaner traditionell als wirtschaftsfreundlicher gelten“, sagte Michael Davies, ein Analyst beim Londoner Wertpapierhaus Sucden.

„Die Wall Street mag keine Veränderung

An den amerikanischen Börsen wurde anders argumentiert. Viele Analysten halten eine Pattsituation in Washington für positiv, weil das die Angst vor schärferer Regulierung mindert. Selbst wenn der gesamte Kongreß, also Repräsentantenhaus und Senat in die Hand der Demokraten fallen sollten, würde Präsident George W. Bush, ein Republikaner, mit seinem Vetorecht bei Gesetzen für ein Patt sorgen. „Ein Patt ist gut, die Wall Street mag keine Veränderung“, sagte Charles Gabriel, Analyst beim Wertpapierhaus Prudential Securities. Schließlich wird auch die nach Wahlen normalerweise geschwundene Unsicherheit über deren Ausgang als positiver Faktor gewertet. „Der Markt hat immer Schwierigkeiten mit dem Ungewissen umzugehen“, sagte Ted Weisberg, Präsident des Wertpapierhauses Seaport Securities.

Einige Marktbeobachter glauben ohnehin nur an einem minimalen Einfluß der Wahlen auf die Börse. „Ich glaube nicht, daß sich der Markt besonders um den Ausgang der Wahlen kümmert“, meinte Russ Koesterich, Fondsmanager bei Barclays Global Investments. Koesterich rechnet aber mit Auswirkungen auf einzelne Branchen. Pharmawerte könnten unter einem demokratisch geführten Kongress unter Druck geraten, weil die Demokraten die Preise bestimmter Medikamente senken wollen. Im Blickpunkt stehen auch Aktiengesellschaften, die hohe Dividenden zahlen. Deren Aktienkurse könnten fallen, wenn die von Präsident Bush und einem republikanischen Kongreß verabschiedete Steuersenkung für Dividenden nicht verlängert würde. Die Steuersenkung ist zur Zeit bis auf das Jahr 2010 begrenzt.

Vertreter von Energiekonzernen mußten sich rechtfertigen

Generell wird damit gerechnet, daß neben den Pharmakonzernen auch Unternehmen aus den Branchen Rüstung, Energie und Tabak unter einem demokratischen Kongreß unter Druck geraten würden. Hochrangige Vertreter von Energiekonzernen wurden jüngst nach Washington zitiert und mußten angesichts der gestiegenen Benzinpreise ihre Rekordgewinne rechtfertigen.

Der selbständige Dachfonds-Manager Curtis Teberg prognostiziert aufgrund der Wahlen einen Anstieg des Dow Jones auf 16.000 Punkte bis Ende 2007. Teberg begründet das mit der positiven historischen Entwicklung des Dow nach den Zwischenwahlen, also den Kongreßwahlen, die in der Mitte der vierjährigen Legislaturperiode des amerikanischen Präsidenten stattfinden. In Amerika wird alle zwei Jahre das Repräsentantenhaus und jeweils ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Wahlen finden immer im November, also im vierten Quartal statt. Teberg hat die Entwicklung des Dow im Wahlquartal und dem darauffolgenden Jahr seit 1982 analysiert.

Warnung im Kleingedruckten

Das Resultat: Der Dow ist in dieser Zeitspanne im Durchschnitt um jeweils 52 Prozent gestiegen. Auch der breiter gefaßte Marktindex S&P 500 ist nach Zwischenwahlen gestiegen, allerdings nicht so deutlich. Seit 1986 habe der S&P 500 in den fraglichen fünf Quartalen im Durchschnitt um jeweils 5 Prozent zugelegt. Der Composite-Index der Wachstumsbörse Nasdaq, an der viele Technologiewerte notiert sind, ist Teberg zufolge im Durchschnitt um über 20 Prozent gestiegen. In Fondsprospekten werden Anleger im Kleingedruckten immer davor gewarnt, daß eine gute Kursentwicklung in der Vergangenheit keine gute Kursentwicklung in der Zukunft garantiert. Teberg sieht das anders. „Die Geschichte hat eine Auswirkung und sie wiederholt sich“, sagt der Fondsmanager.

Quelle: nks. / F.A.Z., 09.11.2006, Nr. 261 / Seite 23
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