http://www.faz.net/-gv6-8quvx

Institutionelle Investoren : Trump bereitet Fondsmanagern ernsthafte Sorgen

Niemand weiß so recht, wie es weiter geht, deswegen halten viele Investoren ihr Geld zurück. Bild: F.A.S.

Eine Umfrage zeigt, dass Investoren Handelskriege und Protektionismus befürchten. Dabei ist ihr Blick auf die Weltwirtschaft eigentlich optimistisch. Dennoch halten diese Anleger mehr Liquidität als üblich in ihren Portfolios.

          Der Kosmos der institutionellen Investoren scheint aktuell zweigeteilt zu sein. Viele stellen sich offenbar auf ein stärkeres Wachstum der Weltwirtschaft und höhere Inflationsraten ein. Zugleich sind sie aber wenig gewillt, die Liquidität in ihren Portfolios zu reduzieren, das Gegenteil ist der Fall. Dies ergibt eine Umfrage von Bank of America Merrill Lynch unter Fondsmanagern. Mit Blick auf die Konjunktur sind die befragten Investoren derweil so optimistisch wie zwei Jahre nicht mehr.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Trotz der Zuversicht ist der Anteil der liquiden Mittel in den verwalteten Portfolios zu Jahresbeginn gestiegen: von durchschnittlich 4,8 Prozent im Dezember auf nun 5,1 Prozent. Im Zehn-Jahres-Durchschnitt sind es nach Angaben von Bank of America Merrill Lynch 4,5 Prozent. Dabei werden einige große Risiken für die Märkte von den Fondsmanagern besonders häufig genannt. Dies sind Handelskriege und Protektionismus – das befürchten 29 Prozent der Befragten –, Fehler in der amerikanischen Politik (24 Prozent) und zudem die Währungspolitik Chinas (15 Prozent).

          „Es ist unbestreitbar, dass die Themen Protektionismus und Handelskriege mit Donald Trump, aber auch mit dem Brexit eine Renaissance erleben“, sagt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Deutschen Asset Management. Dies könne man nicht ignorieren. Aber man sollte auch nicht in Panik verfallen. Denn der Umsetzung populistischer Maßnahmen stünden nicht nur viele rechtliche Hindernisse, sondern letztlich auch konträre Unternehmensinteressen entgegen.

          „Wenn die Kooperationsbereitschaft abnimmt, verlieren am Ende alle“

          Und: Sowohl Trumps Kabinett als auch spätestens der Kongress würden dafür sorgen, dass seine Ideen zum Welthandel nicht in die Praxis umgesetzt würden, ist sich Kreuzkamp sicher. Schließlich säßen hier viele (ehemalige) Geschäftsleute, die wüssten, wie sehr die amerikanische Wirtschaft vom Welthandel profitiere und wie schwer sich die globalen Produktionsketten wieder auseinanderreißen ließen.

          „Die liberale Handelsordnung der Weltwirtschaft ist ernsthaft in Gefahr“, sagt dagegen Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank: „Verbal werden rund um die Welt die Messer gewetzt, um für das eigene Land ein größeres Stück aus dem Handelskuchen herauszuschneiden. Dabei ist es hier so wie auf den meisten Gebieten internationaler Zusammenarbeit: Wenn die Kooperationsbereitschaft abnimmt, verlieren am Ende alle.“ Der Kuchen werde kleiner. Die ersten, unmittelbaren Folgen von mehr Protektion in der Weltwirtschaft wären steigende Preise für Konsumenten. Eine schwächere Wirtschaftsentwicklung, vor allem in den Schwellenländern, könnte die nächste Entwicklung sein, mit Rückwirkungen auf die Nachfrage in den Industrieländern.

          Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Inflationserwartungen der Fondsmanager bleiben außerordentlich hoch. Aktuell rechnen netto 83 Prozent der Befragten mit einer steigenden Inflationsrate – um diesen Wert übersteigt der Anteil der Optimisten den der Pessimisten. Dabei halten die befragten Fondsmanager die Wette auf einen steigenden Wert des Dollars weiterhin für die beliebteste. Gleichwohl ist der Anteil der Investoren, die den Euro inzwischen für unterbewertet halten, gestiegen. Damit rechnen netto 13 Prozent der Umfrageteilnehmer – der höchste Wert seit April 2003.

          Die aktuelle konjunkturelle Zuversicht spiegelt sich auch in den Erwartungen der professionellen Investoren bezüglich der Unternehmensgewinne. Hier ergibt die Umfrage, dass deutlich mehr Fondsmanager eine Zunahme der Gewinne um 10 Prozent oder mehr erwarten als noch im Dezember. Ihr Anteil ist so hoch wie seit Juni 2014 nicht mehr, heißt es von Bank of America Merrill Lynch.

          Wie Investoren ihr Geld derzeit anlegen

          Und wie legen die professionellen Investoren das ihnen anvertraute Geld derzeit an? Regional gesehen favorisieren die befragten Fondsmanager Anlagen im Euroraum und unter den einzelnen Anlageklassen Aktien im Allgemeinen sowie Technologiewerte und Immobilienaktien (Reit) im Besonderen. Zu den Investments, die sie eher verkaufen würden, zählen dagegen Industriewerte und – anders als noch über lange Phasen des Vorjahres hinweg – Aktien aus den Schwellenländern und Rohstoffe. Dabei haben sich viele Rohstoffpreise im vergangenen Jahr unerwartet gut entwickelt. Vor allem Rohöl ist daher unter den erfolgreichsten Geldanlagen für das Jahr 2016 weit vorne zu finden, gefolgt von Kupfer und Silber. Ein Barrel (rund 159 Liter) der Ölsorte Brent hat sich dabei um mehr als die Hälfte verteuert.

          Und wie blicken die befragten Fondsmanager auf einzelne Regionen? In den Portfolios deutlich gestiegen ist der Anteil von Aktien aus dem Euroraum – von einem leichten Untergewicht im Dezember hin zu einem Übergewicht von aktuell netto 17 Prozent der institutionellen Investoren. Das relative Übergewicht in japanischen Aktien bleibt dagegen unverändert bestehen. Der Optimismus hier habe allerdings durchaus noch Raum zu wachsen, heißt es von Bank of America Merrill Lynch. Befragt wurden 215 Fondsmanager mit einem verwalteten Vermögen von 547 Milliarden Dollar (rund 512 Milliarden Euro).

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Dax ging am Montag auf Talfahrt Video-Seite öffnen

          Nach Jamaika-Aus : Dax ging am Montag auf Talfahrt

          Er verlor zum Handelsstart 0,5 Prozent auf 12.934 Punkte. Ganz so dramatisch sei das Scheitern der Sondierungsgespräche aus Sicht der Märkte aber nicht, hieß es an der Frankfurter Börse.

          Topmeldungen

          Gescheiterte Sondierungen : Merkels Niederlage

          Durch die gescheiterten Sondierungen hat die Kanzlerin mehr verloren als die FDP. Und vor allem: Die CDU hat noch mehr zu verlieren. Der Knackpunkt ist die Willkommenspolitik – von der sich Angela Merkel partout nicht distanzieren mag. Ein Kommentar.

          Robert Habeck im Gespräch : „Erbärmlich, dass wir es nicht hinbekommen haben“

          Die FDP habe das Scheitern von Jamaika lange geplant, glaubt der Grüne Robert Habeck. Im FAZ.NET-Gespräch sagt er, warum ein Kompromiss möglich war, Angela Merkel keine Schuld trifft – und wieso er eine Neuwahl für eine „unkontrollierte Sprengung“ hält.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.