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Online-Handel : Kunden sollen im Laden wie im Internet bezahlen

Miriam Wohlfarth, Geschäftsführerin und Mitgründerin von Ratepay Bild: Andreas Pein/laif

Das Unternehmen Concardis hat ehrgeizige Ziele. Der Zahlungsdienstleister will die Marktführung in Deutschland. Der erste Schritt dafür ist der Kauf von Ratepay.

          Der Deutsche hat auch im Internet seine typisch deutschen Vorlieben. So nutzt er auch in Online-Shops nicht in erster Linie die Kreditkarte zum Bezahlen, wie das in anderen Ländern Usus ist. Besonders beliebt sind die Rechnung und das Lastschriftverfahren – zwei sehr deutsche Erfindungen. Gut die Hälfte aller Einkäufe im Netz werden nach Zahlen des Einzelhandelsinstituts EHI auf diese Weise bezahlt; nur 12 Prozent mit der Kreditkarte. Wer zum Beispiel bei Zalando, Otto oder Tchibo Kleidungsstücke bestellt, probiert sie zu Hause in der Regel erst einmal an und schickt sie gegebenenfalls gleich wieder zurück – bezahlt wird nur, was passt und gefällt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Concardis hat nun mit der früheren Otto-Tochtergesellschaft Ratepay einen großen Anbieter solcher Zahlungsmethoden übernommen. Der Zahlungsdienstleister, der bislang vor allem für die Kartenlesegeräte an Ladenkassen bekannt ist, will damit auch im Online-Handel stärker an Bedeutung gewinnen. Das Unternehmen, das noch bis vor kurzem eine Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Kreditwirtschaft war und verschiedenen Banken gehörte, hat große Ambitionen: Zum deutschen Zahlungsdienste-Champion will der Vorstandsvorsitzende Marcus Mosen Concardis machen, und ist froh, dass die früheren, oft nicht mit einer Stimme sprechenden Gesellschafter Concardis nun an die beiden Finanzinvestoren Advent International und Bain Capital verkauft haben. Ende Juli wurde der Verkauf abgeschlossen. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Stuart Gent von Bain Capital bekräftigte bei der Gelegenheit, dass die beiden Investoren Concardis durch Zukäufe und organisches Wachstums zu einem führenden Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz machen wollten.

          Der Zukauf von Ratepay ist ein wichtiger Schritt dahin. Das Unternehmen ermöglicht Internethändlern, ihren Kunden das Zahlen auf Rechnung oder per Lastschrift anzubieten, und macht auch Ratenzahlungen möglich. Nachgelagerte Prozesse wie die Risikoprüfung der Käufer, das Debitorenmanagement und das Inkasso übernimmt ebenfalls Ratepay. 350 Händler nutzen den Dienst nach Angaben des Unternehmens, darunter die Otto Group, Mytoys und Butlers. Anders als bei Paypal oder den Kreditkartenanbietern, bekommt der Kunde bei Ratepay aber oft gar nicht mit, dass das Unternehmen in einen Bezahlprozess involviert ist.

          Der Wettbewerb in dem Geschäft ist hart

          „Wir wollen bei Online-Bezahlungen stärker werden und können Händlern im Internet nun eine eigene hochmoderne Plattform anbieten, die internationale, aber auch nationale Zahlungsmethoden wie beispielsweise Paydirekt bereitstellt“, sagt Mosen. Will heißen: Concardis, die über ihre Bezahlterminals im Einzelhandel schon eng mit Kartenanbietern wie Mastercard und Visa zusammenarbeitet, kann den Online-Händlern nun anbieten, sämtliche Zahlungsmethoden in einem Paket auf ihrer Internetseite anzubieten. Der Wettbewerb in dem Geschäft ist hart. Ähnliche Angebote haben bereits der Münchener Anbieter Wirecard und die französische Ingenico in ihrem Programm, einige weitere ausländische Anbieter drängen auf den Markt.

          Gerade gegenüber den ausländischen Wettbewerbern will sich Concardis nun aber durch die in Deutschland beliebten Zahlungsarten von Ratepay absetzen. Um zu zeigen, wie deutsch sie sind, verweist Miriam Wohlfarth, Gründerin von Ratepay, auf eine Nachricht aus den Vereinigten Staaten: „Als Amazon kürzlich in Amerika angekündigt hat, dass die Kunden nun ihre Ware erst bezahlen müssten, wenn sie damit zufrieden sind, wurde das dort als Sensation gefeiert. Wir machen das hier seit Jahren.“

          Concardis will seine starke Stellung im Einzelhandel nutzen

          Concardis will seine starke Stellung im Einzelhandel nutzen, wo bei 116.000 Händlern 470.000 Terminals des Unternehmens stehen. Gleichzeitig will man darauf vorbereitet sein, dass die Grenzen zwischen dem Zahlen im Netz und an der Ladenkasse zunehmend verschwimmen. Gerade kleinere Geschäfte und Bars nutzen zunehmend Zahlungssysteme wie iZettle und Sumup, die im Grunde Internetzahlsysteme sind; Anbieter wie Paypal drängen über die Mobiltelefone in den stationären Einzelhandel. Und auch der Vorstoß des schwedischen Möbelkonzerns Ikea, gemeinsam mit Visa eigene Kreditkarten herauszugeben, folgt der Logik, dass die Kunden im Möbelhaus nicht anders zahlen sollen als auf der Internetseite (F.A.Z. vom 3. August).

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          So erwartet Mosen auch, dass etwa der Kauf auf Rechnung oder Ratenkäufe, wie sie Ratepay anbietet, auch an der Ladenkasse zunehmend interessanter werden könnten. Miriam Wohlfarth verweist zum Beispiel auf die Bildergalerie Lumas, die schon jetzt im Internet und in ihren Filialen das gleiche Zahlungssystem benutze. Für deren Geschäft biete sich das auch an, weil es im Laden und im Internet ähnlich abläuft: Der Kunde entscheidet sich für ein Bild, das ihm dann erst später geliefert wird. Mosen geht davon aus, dass die unterschiedlichen Zahlungsmethoden, die der Kunde vom Interneteinkauf kennt, künftig auch alle über die Terminals von Concardis laufen können. Und auch Bonus-Programme und Gutschein-Angebote der einzelnen Händler könnten dort stärker integriert werden. Um das Angebot der Gruppe möglichst umfassend ausbauen zu können, haben die beiden Finanzinvestoren vorerst die Eschborn Eagles GmbH gegründet, benannt nach dem Sitz von Concardis in dem Vorort von Frankfurt. Unter dem Dach wollen sie Concardis und Ratepay zusammenführen.

          Quelle: F.A.Z.

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