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Bitcoin-Hype : Warum staatliche Währungen immer noch überlegen sind

  • -Aktualisiert am

Der Bitcoin-Kurs ist 2017 um gut 1400 Prozent gestiegen. Bild: STEINBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Hinter dem Erfolg des Computergelds Bitcoin steht die Idee, dass private Währungen ein Segen für die Welt sind. Welch ein Irrtum! Ein Gastbeitrag.

          Die Idee, dass private Währungen Vorteile gegenüber dem staatlichen Monopol zur Emission von Banknoten haben könnten, ist nicht neu. Schon vor mehr als vierzig Jahren hat etwa der Nobelpreisträger Friedrich von Hayek eine kleine Schrift veröffentlicht, in der er die „Entnationalisierung des Geldes“ forderte, weil die Staaten nach seiner Ansicht ihr Monopol missbrauchten und dafür hohe Inflationsraten in Kauf nahmen. Hayek ging es dabei vor allem um das ordnungspolitische Prinzip des Wettbewerbs der Währungen. Der Erfolg von Bitcoin und anderen Kryptowährungen zeigt heute, dass für eine solche private Emission von Geld tatsächlich ein Markt besteht. Doch es ist mehr als fraglich, ob ein System mit Privatwährungen tatsächlich ein stabiles Geldwesen schaffen kann.

          Die private Geldproduktion soll an einem einfachen Beispiel verdeutlicht werden: Herr Müller beschließt, sich am Währungswettbewerb zu beteiligen. Er lässt eine Million Scheine drucken, auf denen „100 Valuecoin“ steht. Auf der Rückseite wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Inhaber eines solchen Scheins keinerlei rechtlichen Anspruch gegenüber Herrn Müller hat.

          Jetzt kann Herr Müller versuchen, seine Scheine gegen Euro zu verkaufen. Er fängt mit einem Kurs von 1:1 an. Aber warum sollte irgendjemand auf die Idee kommen, 100 Euro für ein Stück Papier auszugeben, das keinen eigenen Wert hat und nichts verspricht? Herr Müller verweist auf das Beispiel von Bitcoin, bei dem ebenfalls die Menge begrenzt ist. Im Vergleich dazu gibt es bei den staatlichen Währungen keinerlei Obergrenze. Der Valuecoin könnte somit den Vorteil haben, dass er wie der Bitcoin gegenüber dem staatlichen Geld an Wert gewinnt. Bald könnten also 100 Valuecoin sehr viel mehr wert sein als 100 Euro.

          Das Privileg, Geld aus dem Nichts zu schaffen

          Nun würde man sich allerdings fragen, wieso ausgerechnet Herr Müller das Privileg haben soll, Geld aus dem Nichts zu schaffen. Auch hier orientiert er sich am Modell des Bitcoin. Er beschließt, nicht einfach alle Scheine selbst in Umlauf bringen. Zudem etabliert er einen Mechanismus, der dafür sorgt, dass die Valuecoin-Geldmenge nur allmählich zunehmen kann. Dazu organisiert er einmal in der Woche mit guten Freunden einen Würfelabend. Immer wenn ein Teilnehmer mit vier Würfeln gleichzeitig eine Eins würfelt, erhält er 100 Scheine.

          Und um zu verhindern, dass die Scheine zu schnell in den Umlauf kommen, wird im Lauf der Zeit die Anzahl der Scheine reduziert, die man für erfolgreiches Würfeln erhält. Nach dem ersten Jahr gibt es nur noch 50 Scheine für einen richtigen Wurf, danach reduziert sich das weiter. Da die Zahl der Teilnehmer an den Würfelrunden schwankt, wird außerdem der Schwierigkeitsgrad erhöht, wenn besonders viele anwesend sind. Es werden dann nicht mehr vier, sondern fünf Würfel verwendet, die dann alle gleichzeitig eine Eins aufweisen müssen. Da im Lauf der Zeit voraussichtlich immer mehr Interessenten zu den Würfelabenden erscheinen werden, sorgt auch dieser Mechanismus dafür, dass es schwieriger wird, sich neue Valuecoin zu verschaffen.

          Alles in allem kommt es dazu, dass der Vorteil, wertlose Scheine gegen staatliches Geld eintauschen zu können, nicht allein bei Herrn Müller bleibt. Vielmehr wird er den Teilnehmern der Würfelabende zuteil, die sich die Valuecoin-Scheine durch anstrengendes Würfeln erarbeiten müssen. Das deckt sich mit dem Modell des Bitcoin, bei dem „Miner“ komplexe Rechenaufgaben lösen müssen, wofür große Computerleistungen und enormer Energieverbrauch erforderlich sind. Da man am Anfang schneller zu den Scheinen kommt, werden diejenigen begünstigt, die von Anfang an dabei sind. Dies kommt beim Valuecoin natürlich vor allem Herrn Müller als Initiator des Ganzen zugute.

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