http://www.faz.net/-gv6-952x2

Online-Zahldienst : Geld anlegen mit Paypal

Zusatzdienst: An ersten Shell-Tankstellen kann man direkt per Paypal-App die Tankrechnung begleichen. Bild: obs

Der Online-Zahldienst Paypal will sein Sortiment erweitern und bietet seinen Kunden künftig auch Sparprodukte an. Dafür steckt er viel Geld in ein deutsches Finanz-Start-up.

          Dass die amerikanischen Technologiekonzerne wie Apple und Google in großem Stil ins Bankgeschäft einsteigen könnten, zählt zu den Horrorszenarien in den Vorstandsetagen deutscher Kreditinstitute. Ein großer Spieler aus dem Silicon Valley, der die klassischen Finanzinstitute schon beim Bezahlen im Internet weit abgehängt hat, weitet seine Angebote rund um diese Kerndienstleistung immer weiter aus: Paypal. Der Zahlungsdienstleister, den nach eigenen Angaben in Deutschland bereits knapp 19 Millionen Kunden nutzen, hat sich nun an dem Finanz-Start-up Raisin beteiligt, das in Deutschland vor allem für sein Zinsportal Weltsparen bekannt ist.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darüber kann Paypal seinen Kunden demnächst zum Beispiel anbieten, ihr überschüssiges Geld innerhalb der eigenen Plattform in Tagesgeld oder Festgeld anzulegen. So wird das Paypal-Angebot nach und nach zu dem einer herkömmlichen Bank ausgebaut. Auch dass Raisin zuletzt angekündigt hatte, im nächsten Jahr mit einem digitalen Vermögensverwalter an den Start zu gehen, dürfte für Paypal einen Ausschlag dafür gegeben haben, sich mit einem zweistelligen Millionenbetrag an dem deutschen Finanz-Start-up zu beteiligen. „Raisin und Paypal teilen die gemeinsame Vision, den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu demokratisieren“, ließ sich Paypal-Manager Stephen Taylor in einer Mitteilung von Raisin zitieren.

          Vermittlung attraktiver Zinsangebote an deutsche Sparer

          Weltsparen ist das größte Zinsportal in Deutschland. Vor kurzem wurde die Marke von 100.000 Kunden überschritten. In den drei Jahren seit der Gründung hat Weltsparen nach eigenen Angaben Gelder in Höhe von 4,7 Milliarden Euro vermittelt. Das Geschäftsmodell des von dem früheren McKinsey-Partner Tamas Georgadze gegründeten Portals beruht auf der Vermittlung von attraktiven Zinsangeboten im EU-Ausland an deutsche Sparer. Dort gilt wie in Deutschland eine gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro je Bank und Kunde. Das bedeutet, dass deutsche Sparer bis zu dieser Höhe abgesichert sind, wenn sie ihr Geld über Weltsparen Instituten wie der Alior Bank aus Polen oder dem Banco Português de Gestão aus Portugal anvertrauen.

          Diese Banken zahlen höhere Zinsen als deutsche Institute: Die Alior Bank bietet über das Portal für einjähriges Festgeld einen Zins von 0,9 Prozent. Der Banco Português de Gestão zahlt für dreijähriges Festgeld 1,1 Prozent. Das sind Zinsen, die von den meisten deutschen Banken schon seit langem nicht mehr bezahlt werden. Nach einer Darstellung auf Weltsparen.de zahlen die fünf größten deutschen Banken für einjähriges Festgeld gegenwärtig im Durchschnitt nur noch 0,03 Prozent. Ein ähnliches Angebot wie Weltsparen bietet auch Zinspilot, das bislang 4 Milliarden Euro Spargelder vermittelt hat.

          Verbraucherschützer warnen vor Risiken

          Mit dem hinter Zinspilot stehenden Finanz-Start-up namens Deposit Solutions kooperiert zum Beispiel die Deutsche Bank. Das größte deutsche Kreditinstitut versucht sich seit kurzem in einer ähnlichen Strategie wie die großen amerikanischen Technologiekonzerne: als Plattformbetreiber für unterschiedliche Dienstleister. Statt sämtliche Angebote selbst zu entwickeln, versucht es seinen Kunden die Dienstleistungen von anderen Anbietern im Rahmen seiner eigenen Banking-App anzubieten. So können die Nutzer der App durch die Kooperation mit Deposit Solutions ebenfalls Geld bei einigen Banken im EU-Ausland anlegen, ohne dort ein neues Konto eröffnen zu müssen. Mit solchen Plattformangeboten versucht die Deutsche Bank, den Silicon-Valley-Konzernen etwas entgegenzusetzen.

          Verbraucherschützer warnen regelmäßig vor den höheren Risiken der Auslandsangebote. Denn oft handelt es sich um kleinere Banken, die höhere Zinsen bieten müssen, weil ihnen der Zugang zum Kapitalmarkt fehlt. Weltsparen sieht das Geschäftsmodell darin, Privatkunden mit Banken zusammenzubringen, die nicht in Liquidität schwimmen und ihr Geschäft finanzieren müssen. Bleibt die Frage, wie schlagkräftig die Einlagensicherungen in den EU-Ländern sind.

          Weltsparen hat mit der bulgarischen Fibank und der portugiesischen Bank Espírito Santo schon zwei Krisenfälle. Doch hier hat kein Anleger Geld verloren, weil beide Institute von ihren Staaten gerettet wurden. Die Einlagensicherung musste also nicht einspringen. In einem früheren Gespräch mit dieser Zeitung sagte Weltsparen-Gründer Georgadze, es wäre eindeutig europarechtswidrig, wenn ein EU-Land in der Entschädigung ausländische Sparer leer ausgehen ließe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          DSGVO : Was der neue Datenschutz angerichtet hat

          Blogs schließen, Twitter sperrt Nutzerkonten, ein Vereinsvorstand tritt zurück. Nur Facebook kann die Daten seiner Nutzer besser verwerten. Die neuen Datenschutz-Regeln haben kuriose Folgen. FAZ.NET präsentiert eine Auswahl.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.