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Zahlungsmittel : Iran will Bargeld abschaffen

  • Aktualisiert am

Landen die iranischen Rial-Scheine bald im Museum? Bild: AFP

Der Plan soll zunächst auf einer Insel getestet werden. Der Iran ist nicht das einzige Land, in dem die Vorteile digitalen Bezahlens diskutiert werden.

          Der Iran will langfristig das Bargeld abschaffen und durch elektronische Zahlungsmittel ersetzen. Der Plan solle zunächst auf der Insel Kisch in Südiran getestet werden, sagte Zentralbank-Präsident Walliollah Sejf am Montag. Kisch ist eine Freihandelszone im Persischen Golf mit vielen Einkaufszentren. Der elektronische Bankservice habe in den vergangenen Jahren viele positive ökonomische sowie gesellschaftliche Auswirkungen gehabt, sagte Sejf der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge.

          Im Iran bezahlen allerdings die meisten Menschen immer noch in bar. Zwar besitzen viele Iraner Bankkarten, aber nicht alle Läden verfügen über die notwendigen Kartenlesegeräte. Auch Taxis müssen in bar bezahlt werden.

          Die Meldung reiht sich ein in eine weltweite Debatte um die Sinnhaftigkeit des Bargelds. Berühmte Ökonomen wie Kenneth Rogoff, Larry Summers oder der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger sprechen sich für eine Abschaffung aus. Rogoff argumentiert, auf diese Weise könnten Zentralbanken leichter Negativzinsen durchsetzen, um die Geschäftsbanken zu zwingen, mehr Kredite zu vergeben. So sollen Unternehmen mehr investieren und die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden.

          Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff (Archivfoto)
          Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff (Archivfoto) : Bild: dpa

          Denn bei vielen großen Zentralbanken stehen die Leitzinsen immer noch praktisch bei null Prozent. Dies ist faktisch die nominale Untergrenze. Bei Zinsen unter null Prozent könnten Banken oder Verbraucher ausweichen, indem sie statt Guthaben Bargeld horten. Gäbe es diese Alternative nicht mehr, hätten die Zentralbanken noch mehr Spielraum, um die Zinsen zu drücken.

          Bundesbank klar gegen Abschaffung

          Das geldpolitische Argument ist unter Ökonomen umstritten, aber nicht der einzige Einwand, der gegen das Bargeld vorgebracht wird. So würde der Kampf gegen Kriminalität, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit deutlich einfacher. Die Deutsche Bundesbank spricht sich klar gegen die Abschaffung von Bargeld aus. „Die Bürgerinnen und Bürger sollen selbst entscheiden, in welchem Ausmaß sie Bargeld oder bargeldlose Zahlungsmittel verwenden möchten“, schrieb Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele im Juli. Es würde als “einfaches, sicheres und schnelles Zahlungsmittel“ wahrgenommen. Und: „Bürgerinnen und Bürger schätzen das Bargeld als anonymes Zahlungsmittel, das es ihnen erlaubt, ihre Privatsphäre zu schützen und ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung auszuüben.“

          In einigen Ländern geht das Ende des Bargeldes schon schrittweise voran. In Dänemark sind Tankstellen, Restaurants und kleinere Geschäfte demnächst nicht mehr verpflichtet, Bares anzunehmen. Die Notenbank hat zudem angekündigt, von 2017 an mangels Nachfrage keine neuen Banknoten mehr zu drucken. In Italien sind seit 2011 Bargeldzahlungen nur noch bis zu einem Höchstbetrag von 999,99 Euro möglich, in Frankreich sind seit September ebenfalls nur noch Barzahlungen bis 1000 Euro erlaubt. Auch Schweden ist ein Vorreiter auf dem Weg in eine bargeldlose Gesellschaft, denn dessen Geldumlauf gilt in Europa als am stärksten digitalisiert.

          Quelle: hade./dpa

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