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Online-Banking : Statt mit Passwort per Selfie bezahlen

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So sieht die App aus, mit der Kunden bei Online-Käufen ein Bestätigungs-Selfie aufnehmen können. Bild: Mastercard

PIN und Passwort sind auf dem Rückzug. Mastercard-Kunden können für Zahlungen bald Selfies statt PINs nutzen. Und die Deutsche Bank sieht sich eine Technik an, die noch viel weiter geht.

          Aus Filmen kennt man es bereits: James Bond besitzt in „Skyfall“ eine Waffe, die nur feuert, wenn er sie persönlich in der Hand hält, und in „Mission Impossible“ wird den Agenten des IMF der Zutritt in ein wichtiges Gebäude verwehrt, weil ein Programm anhand von Bewegungsmustern erkennt, wer auf den Eingang zu läuft. Die Identifikation anhand von biometrischen Merkmalen wird auch in immer mehr Unternehmen Realität. So kündigte Mastercard kürzlich an, dass Kunden ihre Online-Käufe bald mit einem Selfie bestätigen können.

          Der Vorgang funktioniert mit einer App, die es ab 2017 weltweit geben soll. Bestellt ein Kunde etwas im Internet und klickt auf „Bezahlen“, dann bekommt er eine Mitteilung auf sein Handy. Wo er bisher eine TAN abrufen, eine PIN oder ein Passwort eintippen musste, wird er künftig aufgefordert, ein Selfie von sich aufzunehmen. Dadurch wird der Zahlungsauftrag bestätigt. Alternativ kann sich der Nutzer auch durch einen Fingerabdruck ausweisen, wenn er ein Smartphone besitzt, das diesen erkennen kann.

          Vorteil ist, dass sich die Nutzer keine Passwörter mehr merken müssen. Mastercard legt hierzu eine Umfrage vor, nach der 53 Prozent der Befragten mehrmals pro Woche wichtige Passwörter vergessen und dann über zehn Minuten damit verbringen, ihre Konten zurückzusetzen.

          Die neue Technologie sei außerdem nicht so leicht auszutricksen, sagen die Entwickler. Sicherheitschef Ajay Bhalla erklärte in einem Interview mit dem IT Finanzmagazin im vergangenen Herbst, Fotos oder Videos würde die App nicht anerkennen. Besonders hohe Sicherheit sei ein großer Vorteil des neuen Verfahrens. Das empfinden laut Mastercard auch Kunden in den Vereinigten Staaten und den Niederlanden so, die die App bereits getestet haben. Fast 75 Prozent seien überzeugt, dass das Verfahren Betrug reduzieren würde.

          Ein Trend, der sich durchsetzt

          Bedenken gibt es aber trotzdem. Experten der Sicherheitsfirma ESET teilen zwar die Einschätzung, dass Verfahren wie das von Mastercard Betrügern das Leben schwerer machen. Doch sie berichten auch von einem japanischen Entschlüsselungsexperten, der Fingerabdruckssensoren mit einem Gummifinger umging, den er einem echten Finger nachgebildet hatte.

          Dennoch: biometrische Technologie setzt sich immer mehr durch. Kunden des Finanzunternehmens Barclays können bereits per Stimmerkennung auf ihre Accounts zugreifen. Und die Deutsche Bank sieht sich ein Verfahren an, bei dem das Smartphone anhand von 50 verschiedenen Faktoren erkennt, wenn jemand anderes als der Besitzer es in den Händen hält. Dafür prüft es unter anderem wo der Nutzer gerade ist, in welcher Hand er das Smartphone hält oder wie fest er auf den Bildschirm drückt. Der Geschäftsführer des Unternehmens, das die Technologie entwickelt hat, sagte der Financial Times, dass auch jemand, der die PIN und den Fingerabdruck eines anderen kenne, keine Chance hätte, an dessen Daten zu kommen. In Tests sei es niemandem gelungen, mit dem eigentlichen Besitzer des Smartphones zu mehr als 15 Prozent übereinzustimmen.

          Viele Kunden in Deutschland müssen die Banken trotzdem noch überzeugen: Zahlen des EU-Statistikamtes Eurostat zeigten Anfang diesen Monats, dass hierzulande mehr Menschen aus Angst um ihre Daten auf Online-Banking verzichten als in jedem anderen europäischen Land.

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